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2000 Hexen starben auf Waadtländer Scheiterhaufen

Von Richard Diethelm. Aktualisiert am 02.11.2011 8 Kommentare

Im Waadtland jagten Pfaffen und Vögte besonders eifrig der Hexerei beschuldigte Personen. Eine Ausstellung im Schloss Chillon erhellt diese düstere Epoche.

Unter Folter Geständnisse abgepresst: Die Ausstellung im Schloss Chillon zeigt originale Verhörprotokolle und Urteile der Hexenprozesse.

Unter Folter Geständnisse abgepresst: Die Ausstellung im Schloss Chillon zeigt originale Verhörprotokolle und Urteile der Hexenprozesse.
Bild: PD

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In Europa hält die Schweiz bezüglich der Hexenjagd einen traurigen Rekord. In keinem anderen Land verfolgten geistliche Herren und zivile Gerichte so lange die Hexerei. Im Verhältnis zur Bevölkerung im Spätmittelalter wurde nirgends so vielen Frauen und Männern der Prozess gemacht. Vom 15. bis 18. Jahrhundert endeten auf dem Gebiet der heutigen Schweiz mehr als 3500 Hexen und Hexer auf dem Scheiterhaufen. Im Waadtland starben besonders viele Menschen einen qualvollen Tod in den lodernden Flammen.

Die Lausanner Historikerin und Dämonenforscherin Martine Ostorero beziffert in ihrem Führer zur Ausstellung «La Chasse aux sorcières dans le Pays de Vaud» die Zahl der vollstreckten Todesurteile «auf nicht weniger als 2000». Bei der Interpretationen dieser Zahlen mahnt sie allerdings zur Vorsicht: «Das sind Schätzungen.» In der Schweiz gebe es Kantone, wo Historiker auf zahlreiche Dokumente über Hexenprozesse stiessen. In anderen Regionen sei die Hexenverfolgung dagegen kaum erforscht. Zudem wurden Prozessakten aus jener Zeit oft vernichtet.

Hexenprozesse dokumentiert

Das Waadtland ist für Forscher auf diesem Gebiet ein Glücksfall: So lagern im Staatsarchiv Akten über Hexenprozesse aus dem 15. Jahrhundert, als die Waadt noch unter savoyischer Herrschaft stand. Im Wappensaal von Schloss Chillon ist ein Sammelband über 26 Verfahren in der Zeit von 1438 bis 1528 ausgestellt. Die originalen Verhörprotokolle und Urteile ergeben ein verlässliches Bild, wie der Hexerei beschuldigten Frauen und Männern unter Folter Geständnisse abgepresst wurden.

Ebenfalls gut dokumentiert ist die Hexenverfolgung, als die Berner von 1536 bis 1798 Gebieter über das Waadtland waren. Damals mussten alle Todesurteile, die ein lokales Gericht aussprach, vom Rat der Stadt Bern beglaubigt werden. Ein Historikerkollege Ostoreros entdeckte bei seinen Nachforschungen über die Hexenverfolgung im Kanton Bern solche Akten.

Opfer von Verleumdungen

«Bern liess seinen Vögten im Waadtland anfänglich freie Hand, wie sie Hexen verfolgten», sagt die Lausanner Forscherin. Erst im Lauf des 17. Jahrhunderts bemühte sich die Berner Obrigkeit, der Hexenjagd im Untertanengebiet Schranken zu setzen. So erliessen die Behörden Richtlinien, wann und wie die Gerichte Foltermethoden anwenden durften. In der Mitte jenes Jahrhunderts erschwerten sie zudem die Eröffnung solcher Prozesse. Bis dahin gerieten Personen sogar wegen einer blossen Verleumdung durch einen missgünstigen Nachbarn oder Verwandten in die Mühlen eines Hexenprozesses. In der Waadt endeten diese Verfahren in zwei von drei Fällen auf dem Scheiterhaufen.

Die Ursprünge der Hexenjagd lassen sich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts im Waadtland, Freiburg, dem Wallis, dem Aostatal und der Dauphiné in den französischen Westalpen lokalisieren. Die Ausstellung veranschaulicht gut, wie Schriften über das wüste Treiben am (erfundenen) Hexensabbat Prediger, Inquisitoren und Richter zur Jagd auf Hexen und Hexer anstachelten.

Anfangs mehr Männer verfolgt

Die Ausstellung auf dem Rundgang durch das Schloss konzipierte die stellvertretende Direktorin der Stiftung Château de Chillon, Marta dos Santos. Im Waadtland waren in den ersten 100 Jahren zwei Drittel der Opfer Männer. Danach kehrte sich das Verhältnis zulasten der Frauen um. Dos Santos schreibt dies dem Einfluss des 1486 veröffentlichen «Hexenhammers» zu. Das Buch des Hexenjägers Henry Institoris stigmatisierte die Frauen als Hexen. Es erreichte eine für die damalige Zeit unglaubliche hohe Auflage von 30 000 Exemplaren. Die eben erst erfundene Drucktechnik prägte im Volk auch das Bild der Hexe, die aus dem Kochtopf durch den Kamin aufsteigt und auf einem Besenstiel zum Hexensabbat fliegt.

Der niederländische Maler Pieter Breughel der Ältere schuf Mitte des 16. Jahrhunderts die Zutaten dieses Hexenbildes. Es hat bis in die Neuzeit überdauert. In der Ausstellung sind Wegmarken dieser Entwicklung zu sehen. Schloss Chillon ist der geeignete Ort, um sich in die düstere Zeit der Hexenjagd zu versetzten. Im Verlies der von den Savoyern erbauten Burg im Genfersee schmachteten zum Tod verurteilte Hexen, bevor sie zur Abschreckung auf öffentlichen Plätzen von Vevey, La Tour-de-Peilz oder Villeneuve verbrannt wurden.

Bis 24. Juni 2012 (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.11.2011, 08:22 Uhr

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8 Kommentare

Walter Suter

02.11.2011, 09:10 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Einfach abscheulich, diese semitischen Religionen. Mit dem Eindringen des Islam nach Europa erleben wir jetzt eine Zweitauflage dieser krankhaften und menschenverachtenden nahöstlichen Glaubenshirngespinste. Antworten


Sandra Bühler

02.11.2011, 10:08 Uhr
Melden 5 Empfehlung

Nicht nur deshalb finde ich es total unverständlich, dass auch heute noch viele Frauen gerne bei der katholischen Kirche dabei sind. Antworten



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