Wenn aus Schandflecken Denkmäler werden

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 11.03.2010 43 Kommentare

Der längste Wohnblock Europas steht in Genf. Nun wurde der 60er-Jahre-Bau Le Lignon unter Denkmalschutz gestellt. Bernerzeitung.ch/Newsnet stellt weitere einheimische Grossüberbaungen zur Diskussion.

1/13 Das längste Gebäude Europas: Die Überbauung Le Lignon in Vernier bei Genf.

   

Für manche ist sie kühne Architektur, für andere schlicht ein Kaninchenstall: Die Grosssiedlung Le Lignon im Westen von Genf. Nun wurde der 60er-Jahre-Bau unter Denkmalschutz gestellt, weil er nach Ansicht des Kantons Genf in Europa architektonisch einzigartig ist.

Das längste Wohnhaus der Schweiz (1016 Meter) war ursprünglich für 10'000 Bewohner des Mittelstandes konzipiert, heute beherbergt es 5700 Mieter. 2700 Wohnungen gibt es insgesamt, zum Hauptgebäude gehören auch zwei Hochhäuser, je 26 und 30 Etagen hoch. Auf dem Areal stehen ein Einkaufszentrum, eine Post, eine Schule, zwei Schwimmbäder und zwei Kirchen. Sogar eine McDonalds-Filiale gibt es.

Wie einst Max Frisch

Unter der Leitung von Georges Addor bauten die Architekten Le Lignon als Satellitenstadt für zehntausend Menschen. Le Lignon war die Antwort auf die steigenden Ansprüche der Konsumgesellschaft, die trotz kleinem Budget nach Komfort verlangte.

Der Anteil der Mieter, die aus sozial schwächeren Schichten stammen, war im Le Lignon in den letzten Jahrzehnten stets hoch. Auch Ausländer gehören traditionell zur Belegschaft der Überbauung. Heute aber wohnen wieder vermehrt junge und auch gut ausgebildete Menschen im Wohnblock, wie «Le Temps» berichtet. Ein Phänomen, das auch in Zürich beobachtet werden kann. In gewissen Kreisen gilt es als hip, in einer Grossüberbauung wie dem Lochergut zu wohnen. Das hat sich übrigens auch Max Frisch gesagt: Er besass in der obersten Etage des Locherguts eine Wohnung.

Es herrschte Wohnungsnot

Das Berner Pendant zu Lignon und Lochergut heisst Tscharnergut. Gebaut wurde es im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs in den 50er-Jahren. Immer mehr Leute zog es damals in die Stadt und in Bern herrschte Wohnungsnot, vor allem für Familien. Zuerst als «Vorzeigesiedlung» gefeiert, kam die Überbauung später als «Sozialgetto» unter Verruf. Heute steht sie unter Denkmalschutz.

In der Bildstrecke sehen sie weitere Schweizer Wohnblöcke, deren Wahrnehmung zwischen kühner Architektur und Schandfleck wechselt. Wie stehen Sie zu solchen Bauten - gehören solche unter Denkmalschutz gestellt? Und könnten Sie sich vorstellen, in einer Grossüberbauung zu wohnen? Oder tun sie das bereits? Meinungen bitte unten deponieren. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.03.2010, 15:04 Uhr

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43 Kommentare

Pascal Weibel

11.03.2010, 14:49 Uhr
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Da bin ich einverstanden. Le Lignon – was war das für eine optimistische Zeit, als man solche futuristischen rationalistischen Gebäude baute! Vermutlich war die Zeit damals die Hochblüte unseres Landes. Doch je länger je mehr werden solche Wohnformen in der engen Schweiz wieder gefragt sein, vielleicht noch eine Spur individueller. Antworten


Soraya Moana

11.03.2010, 14:52 Uhr
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Diese Kaninchenställe sollen schützenswert sein? Dafür dürfen wir keine Solaranlage auf unserem Haus installieren? Lächerlich! Antworten



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