Eine Dekoration namens Deneuve

Von Hans Jürg Zinsli,Venedig. Aktualisiert am 06.09.2010

Starflaute in Venedig? Nicht ganz. Catherine Deneuve brachte am Wochenende Glanz ans Filmfestival. In der Komödie «Potiche» spielt sie eine scheinbar nutzlose Gattin, die schliesslich Politkarriere macht.

Selbstbewusst und realistisch: Die 66-jährige Catherine Deneuve am Filmfestival Venedig.

Selbstbewusst und realistisch: Die 66-jährige Catherine Deneuve am Filmfestival Venedig.
Bild: Keystone

O la la, er kann es noch: François Ozon, einst Frankreichs gefeierter Wunderknabe («Swimming Pool», «5x2»), musste in den vergangenen Jahren punkto Zuschauergunst bös unten durch. Sein blutarmes Junkiedrama «Le refuge» vermochte zuletzt gerade noch 2000 Zuschauer in die Schweizer Kinos zu locken.

Jetzt feiert der 42-jährige Regisseur am Filmfestival Venedig mit Hauptdarstellerin Catherine Deneuve ein starkes Comeback. «Potiche» – der Titel bezeichnet im Französischen eine überflüssige Vase und eine zur Zierde degradierte Ehefrau – gefällt als flockige Komödie mit subversiver Sprengkraft.

Frauen sind unterbezahlt

Es beginnt, indem ein gockelhafter Schirmfabrikant (Fabrice Luchini) seiner Frau (Deneuve) klarmacht, wo sie nicht hingehöre – nicht in die Küche, da habe es Personal, und nicht ins Dancing, da will er sich amüsieren. Als in der Schirmfabrik ein Streik ausbricht und der Patron in Geiselhaft gerät, übernimmt die scheinbar nutzlose Gattin mithilfe des kommunistischen Bürgermeisters (Gérard Depardieu) das Ruder.

Frauenemanzipation, Arbeiterstreiks, politische Grabenkämpfe – das klingt schwer nach Retrostoff. Tatsächlich spielt «Potiche» im Jahr 1977. Doch angestaubt sieht anders aus. «Seit den Siebzigerjahren», sagt Deneuve in Venedig, «hat sich punkto Gleichberechtigung zwar einiges verbessert, doch es geht langsam vorwärts. Frauen sind heute immer noch unterbezahlt.» Als Anhängsel habe sie sich nie gefühlt, stellt die 66-Jährige klar. «Allerdings wurde ich aufgrund meines Aussehens oft als Aushängeschild benutzt.» «‹Potiche›», ergänzt Regisseur Ozon, «ist ein Film über Machotum und Frauenhass.» Die Idee sei ihm gekommen, als Nicolas Sarkozy und Ségolène Royal bei der französischen Präsidentschaftswahl 2007 gegeneinander antraten. Im Film – er basiert auf einem Theaterstück von Louis de Funes – verliert das einstige Deko-Objekt zwar den Machtkampf um die Firma, als der intrigante Gatte zurückkehrt. Dafür macht sie anschliessend auf politischem Parkett Karriere.

Komödien habens schwer

Regisseur Ozon schmuggelt damit aktuelle Themen in sein «Period Piece» und wird seinem Ruf als Frauenregisseur, der ihm seit dem Krimimusical «8 Femmes» anhaftet, erneut gerecht. Das gilt nicht nur für Deneuve. Auch die Nebenfiguren erhalten Glanz und Spannkraft, wenn sich die scheinbar aufgeschlossene Tochter des Industriellenpaars am Ende als konservativstes Familienmitglied entpuppt.

Wird «Potiche» am Ende gar einen Goldenen Löwen aus Venedig davontragen? Deneuve dämpft die Erwartungen: «Es ist merkwürdig genug, dass es Komödien an grossen Filmfestivals immer so schwer haben.»

«Potiche» startet im Januar 2011 in den Deutschschweizer Kinos.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 06.09.2010, 08:09 Uhr

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