Rezepte gegen Schwindeleien

In sozialen Netzwerken wird viel Schabernack verbreitet. Was können wir tun, damit wir nicht auf jedes Gerücht und jeden Scherz hereinfallen? Eine Anleitung.

Lebendig und humorvoll: Rockstar Jon Bon Jovi meldet sich mit einer Botschaft an seine Fans, nachdem auf Twitter sein Tod gemeldet wurde. 
(Bild: Twitter)

Lebendig und humorvoll: Rockstar Jon Bon Jovi meldet sich mit einer Botschaft an seine Fans, nachdem auf Twitter sein Tod gemeldet wurde. (Bild: Twitter)

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Im Dezember 2011 starb Jon Bon Jovi an einem Herzversagen. Nicht im richtigen Leben, aber auf Twitter. Innert weniger Stunden verbreitete sich das Gerücht rasant. Der Musiker («It's My Life») nahms mit Humor und antwortete via Kurznachrichtendienst seinen Fans: «Der Himmel sieht New Jersey ganz schön ähnlich.» Bon Jovi ist kein Einzelfall. Auch der kubanische Staatschef Fidel Castro wurde in diesem Jahr auf Twitter plötzlich für tot erklärt. Und auch diese Meldung hatte auf Twitter ein Millionenpublikum.

In sozialen Netzwerken kursieren täglich viele solcher Lügen. Viele Verschwörungen, Falschmeldungen und Schwindeleien schaffen es glücklicherweise nicht in die Medien, trotzdem kursieren sie in den Weiten des World Wide Web und halten sich hartnäckig. Die Grenzen zwischen Wahrheit und Fälschung verschwimmen zunehmend. Gerade auf Facebook, Twitter oder Youtube bekommen die User täglich Inhalte vorgesetzt, bei denen sie zwischen richtig und falsch unterscheiden müssen. Dabei sind wir Menschen im Erkennen von Falschaussagen ziemlich schlecht, wie die Wissenschaft weiss (Lesen Sie das Interview mit Peter A. Gloor). Was können wir User tun, damit wir uns besser vor Manipulationen schützen können? Oder sind wir inszenierten Fälschungen hilflos ausgeliefert?

Die hypothetische Wahrheit

Im Prinzip, ja. Heutzutage kann jeder eine Geschichte ins Netz stellen und verbreiten. Dabei ist es dem User weitgehend selbst überlassen, den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Experten sprechen daher von einer neuen Form der Information: der hypothetischen Wahrheit (Medien-Designer Daniel van der Velden über die im Internet blühende Kultur inszenierter Fälschungen). Was erzählt wird, ist nicht so sehr die Wahrheit, sondern etwas, das nur wahr sein könnte. Es gibt aber Methoden, wie man viele Schwindeleien einfach entlarven kann. Beginnen wir mit Twitter.

Falsche Vögel auf Twitter

Gerade auf dem Kurznachrichtendienst ist Vorsicht geboten. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich hinter den Profilen vieler Prominenter andere Nutzer verstecken, die sich einen Spass daraus machen, unter falschen Namen zu twittern. Um Fälscher zu enttarnen, sind viel Erfahrung und ein gutes Gespür notwendig. Deshalb ist der Griff zum Telefonhörer nötig, um die Echtheit eines Profils abzuklären. Oft reicht aber auch eine simple Recherche mithilfe der Suchmaschine Google, um herauszufinden, ob ein Profil als Fake bereits bekannt ist. Auch diverse Websites – vor allem in der Politik – haben Listen angelegt, die verifizierte und offizielle Konten angeben. Von Twitter verifizierte Konten sind übrigens an einem Häkchen neben dem Namen zu erkennen.

Falschbilder – mit Photoshop ist alles möglich

Bilder zu fälschen, ist ein Kinderspiel. Software wie Photoshop ermöglicht Veränderungen von Informationen im Pixelbereich. Für Laien sind professionelle Eingriffe kaum zu erkennen. Trotzdem sollte man sich stets folgende Fragen stellen: Woher kommt das Licht? Stimmen die Schatten? Gibt es unterschiedliche Schärfezonen? Sind auffällige Muster zu erkennen? Sind die Grössenverhältnisse realistisch? Zudem bietet Google mit seiner Bildersuchmaschine ein extrem hilfreiches Werkzeug an. Die Suche offenbart einem, wo das Bild schon überall aufgetaucht ist. Je nach Quelle ist ein Betrüger schnell überführt. Bewährt hat sich im Finden von Fakes auch die Suchmaschine Tineye: Sie gleicht das entsprechende Bild mit ähnlichen Bildern ab und spielt diese anschliessend als Resultate aus. Wer immer noch skeptisch ist, kann auch Seiten wie Fotoforensics.com aufsuchen. Der Service untersucht, ob ein Foto aus mehreren Bilder zusammengesetzt ist. Aber eines muss festgehalten werden: Schaut ein Bild absolut real aus, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder ist es echt oder exzellent manipuliert.

Videofakes – immer skeptisch bleiben

Wer kennt sie nicht: Die lustigen Videos auf Youtube, die der Büronachbar per E-Mail oder Facebook verschickt. Ob Klavier spielende Katzen, Gitarre zupfende Babys oder unglaubliche Fussballtricks: Youtube bietet so ziemlich alles an Kuriositäten an. Das haben auch die Macher der Sendung «Galileo» (Pro 7) erkannt. In der Rubrik «Fake Check» gehen sie spektakulären Internetvideos nach und überprüfen diese auf ihren Wahrheitsgehalt. Eins ist klar: Während Bildmanipulationen teils kaum zu entlarven sind, ist der Schwindel bei Videos einfacher zu erkennen. Eine bewährte Regel lautet: Je kürzer und kleiner ein Video, desto vorsichtiger muss man sein. Langes Filmmaterial konstant zu fälschen, ist extrem schwierig. Bewährte Regel Nummer zwei: Weist das Video Sprünge im Bild oder in der Tonspur auf, ist die Fake-Gefahr hoch. Zudem nützt auf Youtube der Blick auf die Kommentare und Bewertungen: Der Schwarm – wenn man so will – hat eine ziemlich genaue Trefferquote in Bezug darauf, was ein Fake ist und was nicht.

Manipulierte Wikipedia-Artikel

Das Wissen von Wikipedia ist immens: Weltweit sind fast 18 Millionen Artikel in rund 270 Sprachen entstanden. Einige von ihnen wurden auch gefälscht oder geschönt. Es gibt zwei Arten, dies zu prüfen: Erstens klickt man auf der Artikelseite auf «Diskussion». Im Diskussionsbereich werden kontroverse Fragen in Bezug auf einen Eintrag besprochen. Hier werden oft auch Manipulatoren geoutet. Zweitens: Man klickt auf «Versionsgeschichte». Dort kann man Schritt für Schritt die einzelnen Veränderungen des Artikels nachvollziehen und sehen, wer sie vorgenommen hat. «Weltwoche»-Chef Roger Köppel wurde 2007 beispielsweise als Schönfärber enttarnt.

Stimmt die kuriose Geschichte?

Nicht nur Bilder und Videos stiften im Netz oft Verwirrung. Häufig tauchen Gerüchte auf Facebook oder Twitter auf, die schnell weiterverbreitet werden oder es manchmal sogar in die Zeitung schaffen. Das Ehepaar Barbara und David Mikkelson aus Kalifornien kämpft mit Snopes.com gegen Falschmeldungen an und recherchiert Gerüchte akribisch. Die Seite wird oft als beste Anlaufstelle für Internetgerüchte aller Art bezeichnet. Ähnliches bietet Urbanlegends.about.com. Ebenfalls auf Fakes und Falschmeldungen spezialisiert ist Hoax-info.de.

Schwindel auf Facebook

Speziell auf Facebook sollte man mit einer kritischen Haltung unterwegs sein. Untersuchungen zeigten, dass 97 Prozent der Fakeprofile einen Frauennamen tragen. 58 Prozent der gefälschten Identitäten geben an, sowohl an Männern als auch an Frauen interessiert zu sein – bei realen Konten beträgt der Wert lediglich sechs Prozent. Zu achten ist auch auf die Anzahl Freunde einer Person, die eine Freundschaftsanfrage schickt. Studien konnten aufzeigen, dass Fakeprofile im Durchschnitt 726 Freunde aufweisen, während es bei realen Konten lediglich 130 sind. Je höher die Anzahl, desto skeptischer sollte man sein. Ein weiterer Tipp zum Enttarnen eines Fakekontos: 43 Prozent der Fakeprofil-Nutzer haben noch nie ein Status-Update vorgenommen – bei echten Profilen sind es lediglich 15 Prozent. Bei Foto-Tags verhält es sich entgegengesetzt: Viele Foto-Tags sprechen für ein falsches Konto, Fotomarkierungen sind hier im Schnitt hundertmal so häufig wie bei einem echten Profil. Gelegentlich sollte auch die Seite Mimikama.at aufgesucht werden. Die Macher dokumentieren sämtliche Fakes und Betrügereien auf Facebook. Und als letzter Tipp sei die Lektüre dieses «Spiegel»-Artikels empfohlen: «Die fiesesten Facebook-Maschen». (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.10.2012, 10:14 Uhr

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