«Make Kony Famous»
Aktualisiert am 08.03.2012 14 Kommentare
KONY 2012
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Joseph Kony ist einer der schlimmsten Kriegsverbrecher Afrikas. Er selbst nennt sich General Gottes und mordet seit mehr als 20 Jahren mit seiner Widerstandsarmee des Herrn (LRA) in den Urwäldern zwischen Uganda, Zentralafrika, dem Kongo und dem Süden des Sudan.
Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag stellte darum 2005 einen Haftbefehl gegen Kony aus. Auch US-Präsident Barack Obama hat die Jagd nach Kony zum Ziel erklärt. US-Militärs sind seit Monaten vor Ort, um die Festnahme zu organisieren. Bis heute hat ihn aber keine Sondereinheit schnappen können. Immer wieder entwischt der Rebellenchef seinen Häschern.
Bekannteste Person im Netz
Nun beteiligt sich das Internet an der Jagd nach dem berüchtigten Verbrecher. Seit Mittwoch ist Joseph Kony eine der bekanntesten Personen im World Wide Web. Die Kampagne Kony 2012 ist derzeit auf allen Social-Media-Kanälen präsent. Die Bewegung unter dem Motto «Make Kony Famous» möchte den General berühmt machen, um ihn bis Ende des Jahres hinter Gitter zu bringen.
Hinter dem Projekt stecken die beiden Filmemacher Jason Russell und Laren Poole. Als sie 2003 durch Afrika reisten, um den Völkermord in Darfur zu dokumentieren, gründeten sie nach der Rückkehr die Non-Profit-Organisation Invisible Children, um auf die Entführungen von Kindern in Afrika aufmerksam zu machen.
40 Millionen User auf Youtube
Mit ihrer Kampagne Kony 2012 wollen sie das Leid in Uganda zum Thema machen. Seit Joseph Kony gegen die ugandische Armee Krieg führt, wurden geschätzt zwischen 30'000 und 60'000 Kinder verschleppt.
Im Zentrum der Kampagne steht ein halbstündiger Film (siehe Box links). Er erzählt von der Geschichte eines Jungen, dessen Brüder in Uganda ums Leben kamen. Auf Facebook (FB 25.66 -0.38%) (eine Million Likes) und Twitter wird Kony 2012 derzeit stark verbreitet. Allein auf Youtube haben ihn seit Mittwoch mehr als 40 Millionen User gesehen.
Es liegt wohl an der Emotionalität des Themas, warum Kony 2012 im Netz etwas bewegt, was beispielsweise die bekannte Occupy-Bewegung in dieser Form nicht schaffte. Zwischenzeitlich waren die Themen «Uganda», «Invisible Children» und «Kony 2012» unter den Trending Topics auf Twitter.
Kritik an die Adresse der Macher
Neben dem Erfolg in Social Media müssen die Macher aber auch Kritik hinnehmen. So wird den Regisseuren und der Organisation Invisible Children vorgeworfen, zu wenig Spendengelder in die Aufbauhilfe Ugandas zu investieren. Angeblich steckten die Verantwortlichen im letzten Jahr lediglich ein Drittel der eingenommenen acht Millionen US-Dollar in die Aufbauhilfe. Der Rest floss in die Organisations- und Lobbyarbeit. Auch Bilder von Kony 2012, auf denen Mitglieder mit Waffen vor der ugandischen Armee posieren, werden kritisiert. Inzwischen haben die Aktivisten auf die Kritik reagiert (Siehe «Invisible Children responds to criticism about ‹Stop Kony› campaign»).
Im Grunde ist es egal, dass die Macher der Kampagne in der Kritik stehen. Ihnen ist ein Gesellenstück in Sachen Internetkommunikation gelungen. Noch nie hat eine Kampagne innert so kurzer Zeit so grosse Wellen geschlagen und ein vergessenes Thema wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht. (lü)
Erstellt: 08.03.2012, 17:52 Uhr
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