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Wo sind die Berner in Barcelona?

Von Mathias Born. Aktualisiert am 18.02.2011

Am Donnerstag ging in Barcelona der Mobile World Congress zu Ende – mit 50'000 Besuchern die grösste Mobilfunkmesse Europas. Mit dabei waren auch drei hiesige Firmen. Ein Stand-Rundgang.

Grosser Andrang an der Mobilfunkmesse in Barcelona. Berner Unternehmen fehlen in der Ausstellerliste fast ganz.

Grosser Andrang an der Mobilfunkmesse in Barcelona. Berner Unternehmen fehlen in der Ausstellerliste fast ganz.
Bild: Keystone

Swissqual: Hanspeter Bobst packt Messgeräte neu in Rucksäcke. (Bild: Mathias Born)

Ascom: Sascha Mirkovic heimst viel Lob fürs neue Messgerät ein. (Bild: Mathias Born)

Sicap: Jürgen Samuel lädt in Sekunden das Prepaid-Guthaben auf.
(Bild: Mathias Born)

Am Morgen im Kaffee: Bei «Chocolate con Churro» wird der Katalog des Mobile World Congress durchgeblättert. 1300 Unternehmen sind aufgeführt; ein Dutzend mit Sitz in der Schweiz. Vertreter aus dem Espace Mittelland aber findet man nur zwei. Und beim letzten Churro-Bissen reift die Idee: Besuchen wir die beiden, die in Barcelona das Espace-Fähnchen hochhalten, doch mal an ihrem Stand. Ab gehts in die U-Bahn. An der Plaça d’Espanya taucht man wieder auf – und sogleich ein in die Menschenmasse der Messe.

Prepaid – ganz einfach

Die Firma Sicap ist nicht zu übersehen: Ihr grosszügiger Stand steht in der belebten Halle 8 beim Eingang des Messegeländes. Sie sei glücklich darüber, sagt Mediensprecherin Magali Criner-Serache. «So können wir uns einem grossen, internationalen Publikum präsentieren.» International ist auch die Firma selbst, die im Jahr 2000 aus einer Swisscom-Abteilung heraus entstanden ist und dem Konzern gehört: Im 200-köpfigen Team sind 30 Nationalitäten vertreten. 60 Personen arbeiten in der Schweiz: am Hauptsitz in Bern und im Technikzentrum Luzern. Der Name Sicap ist den meisten Handynutzern nicht geläufig. Das muss er auch nicht, denn die Firma geschäftet ausschliesslich mit den Netzbetreibern. Ohne es zu wissen, haben aber viele Nutzer bereits Sicap-Dienste in Anspruch genommen. Etwa wenn sie die MMS-Einstellungen vom Netzbetreiber automatisch konfigurieren liessen. Mitten am Stand steht ein neues Produkt: eine Maschine, mit der Prepaid-Handys einfach geladen werden können: Geschäftsführer Jürgen Samuel demonstriert sie: Er füttert ihr eine Geldnote und hält das Handy kurz auf den Sensor – schon ist das Geld gutgeschrieben. Das funktioniert allerdings bloss mit neuen Geräten, die mit einem so genannten RFID-Chip ausgestattet sind. Mit der gleichen Technik soll das Handy bald schon zum elektronischen Portemonnaie werden. Sogar Geldüberweisungen auf Mobiltelefone demonstriert Sicap am Stand. Offenbar mit Erfolg: «Die neuen Dienste stossen auf grosses Interesse», sagt Magali Criner-Serache.

Stolz auf ein Messgerät

Weiter gehts durchs Gewühl. In Halle 1 stutzt man: Leuchtet dort nicht der Schriftzug der Ascom? Nach erneuten Blättern im Katalog wird klar, weshalb die Firma auf dem eigenen Zettel fehlt: Als Standort von Ascom Network Testing sind die USA vermerkt. Das ist korrekt, wie Sascha Mirkovic – zum Zeitpunkt des Besuches einer der wenigen Schweizer Vertreter am Stand – erläutert: Die Ascom hat den offiziellen Sitz zwar in Bern. Die Divisionen aber sind eigenständige Firmen mit individuellen Sitzen. Und jener von Ascom Network Testing liegt in Virginia.

In der letzten Zeit habe der Standort Solothurn zugelegt: Nachdem die Ascom zwei Kleinfirmen gekauft hatte, übernahm sie vor zwei Jahren von Ericsson eine grosse Abteilung. Damit wurde sie zur Marktführerin bei den Handynetz-Messsystemen. «Auch wenn der Hauptsitz in den USA ist, kommt Solothurn eine grosse Bedeutung zu», sagt Mirkovic. 100 der 500 Mitarbeiter arbeiten dort. «Und bei uns wurde das neue Messsystem entwickelt.» Der Produktmanager streicht über sein Gerät mit dem unspektakulären Äusseren eines Industriecomputers. Und er sagt: «Die Standbesucher sind begeistert davon».

Mit den Systemen von Ascom Network Testing wird gemessen, wie zuverlässig Mobilfunknetze funktionieren. Die Qualität beim Telefonieren etwa wird mit Handys eruiert, die im Gerät eingebaut sind: Der Computer lässt diese einen Telefonanruf aufbauen und spielt ein «Gespräch» ein. Dabei nimmt er den Ton auf und speichert die technischen Verbindungsdaten. Bei der Auswertung wird unter anderem die Aufnahme per Algorithmus mit dem Originalton verglichen. Solche Messdaten dienen den Mobilnetzbetreibern dazu, Funklöcher zu orten und sich mit den Konkurrenten zu vergleichen. So finden sie heraus, welche Verbesserungen sie an ihrem Netz vornehmen müssen.

Mirkovic nimmt das Messgerät vom Tablar. «Es ist so leicht», schwärmt er. «Halten Sie es mal selbst.» In Zukunft werde es sogar in Rollkoffern eingebaut, sagt er, während er es sachte wieder zurücklegt.

Ein besonderer Rucksack

Der Stand von Swissqual liegt nur wenige Meter entfernt. Auch diese Firma produziert im Kanton Solothurn. Und auch diese Firma ist auf Messsysteme spezialisiert. Das ist kein Zufall: Sie wurde von ehemaligen Ascom-Leuten gegründet. Nach einem Verkauf an einen internationales Konzern und dem bald darauf folgenden Rückkauf ist Swissqual zum wichtigsten Herausforderer von Ascom Network Testing geworden. Die Firma beschäftigt 100 Personen; 60 davon arbeiten in Zuchwil.

«Es ist schwierig, unterwegs zuverlässige Messungen zu machen», sagt Hanspeter Bobst, Mitgründer der Firma. Die Netzbetreiber müssten aber wissen, wie gut der Handyempfang etwa in Fussgängerzonen, Zügen und Gebäuden sei. Er deutet auf auf einen grossen Rucksack, der auf einem Podest steht. «Damit werden mobile Messungen viel einfacher.» Öffnet man den Rucksack, kommen in Reih und Glied vier Handys zum Vorschein. Darüber befinden sich vier Computer. Und zuoberst ist ein GPS-Gerät montiert. Hinter den Handys wiederum befindet sich ein grosser Akku. «Dieses neue Produkt haben wir komplett in der Schweiz entwickelt», sagt Hanspeter Bobst – in Zusammenarbeit mit einer Firma, die leichte, flexible Chassis für Helikopter fabriziert, sowie einem Rucksackhersteller.

Das Smartphone von Hanspeter Bobst erinnert bereits an den nächsten Kundentermin. So schlendern wir weiter, ohne aber auf weitere Aussteller aus der Heimat zu stossen. Berner Firmen sind auf dem Marktplatz der Zukunftsbranche Mobilkommunikation offenbar nicht präsent. Oder nur als Besucher, wie die Swisscom mit ihren Trendscouts. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.02.2011, 08:41 Uhr

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