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Rechnen, Schreiben und Turnen mit dem iPhone

Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 07.10.2010 7 Kommentare

In Goldau benutzt eine Schulklasse das Gerät als Lehrmittel. Schüler, Lehrer und Eltern sind begeistert. Doch es gibt auch Kritik.

Mit dem iPhone üben sie Diktate oder Kopfrechnen: Goldauer Sechstklässler beim Lernen.

Mit dem iPhone üben sie Diktate oder Kopfrechnen: Goldauer Sechstklässler beim Lernen.

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Die Horrorvorstellung vieler Lehrer ist in Goldau SZ Realität: Eine Klasse 11-Jähriger sitzt im Schulzimmer und benutzt während des Unterrichts scheinbar nach Lust und Laune das iPhone. Seit einem Jahr setzt die Klasse im Rahmen eines Forschungsprojekts der Pädagogischen Hochschule Schwyz konsequent auf das neue Gerät. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt ist einmalig im deutschsprachigen Raum – und wohl auch in ganz Europa.

Alle haben dieselben Chancen

Eingesetzt wird das iPhone in den verschiedensten Fächern, wie Projektleiter Beat Döbeli erklärt. Das Gerät ist Sprachlabor, Nachschlagewerk, Kopfrechnungstrainer und Musikgerät in einem. «Im Französischunterricht hören sich die Schüler die korrekte Aussprache auf dem iPhone an und sprechen es nach. Das tun sie in der Schule – aber auch auf dem Schulweg, über das Wochenende oder in den Ferien», sagt Döbeli.

Eine andere Applikation unterstützt die Schüler beim Diktat. Besonders nicht deutschsprachige Eltern hätten Mühe, mit ihren Kindern Diktate zu üben. «Dank dem iPhone wird ihnen der Text korrekt vorgesprochen. Und alle haben dieselben Chancen», sagt Döbeli. Die Schüler machen von solchen Angeboten rege Gebrauch. So konnte aufgrund der engen Projektbegleitung festgestellt werden, dass einzelne Schüler im vergangenen Jahr auf ihrem iPhone bis zu 20 000 Kopfrechenaufgaben gelöst haben.

GPS im Turnunterricht

Klassenlehrer Christian Neff ist begeistert: «Der Unterricht ist vielfältiger geworden.» Im Moment bereiten er und seine 17 Schüler ihr Klassenlager vor. Die Buchhaltung wird von den Schülern geführt – mit einer iPhone-Applikation. Neff setzt das Gerät etwa in 15 Prozent der Unterrichtszeit konsequent ein. In der restlichen Zeit kommt es fallweise zum Einsatz – sogar im Turnen, wenn die Schüler zum Beispiel einen GPSOrientierungslauf absolvieren.

Gesponsert wird das Projekt von Swisscom. Die Firma stellt jedem Schüler für zwei Jahre ein Gerät zur Verfügung – und übernimmt auch gleich alle Verbindungskosten. Das führte zu Kritik von Schuldenberatern. Sie monierten, dass die Jugendlichen so kein Bewusstsein für die Kosten von Internet und Telefonie entwickeln.

Laut Döbeli ist man auf diese Kritik eingegangen: «Der Lehrer geht jeden Monat mit jedem Schüler die Kosten durch – und weist ihn darauf hin, dass er jetzt zum Beispiel die Hälfte seines Sackgelds fürs Surfen ausgegeben hätte.» Zudem nutzten die Schüler das Gerät sparsamer, als man erwartet habe. So telefoniere ein Schüler im Durchschnitt gerade mal 20 Minuten pro Monat.

Pornoseiten nicht gesperrt

Bei der Verwendung der Geräte sind den Schülern keine Grenzen gesetzt. Gewaltund Pornoseiten sind nicht gesperrt. Das stösst auf Vorbehalte bei der Fachorganisation Elternet, die Eltern bei der Medienerziehung unterstützt. «Kinder in diesem Alter sollten bei der Mediennutzung begleitet werden», sagt Nadia Garcia von Elternet. Das möge in Goldau der Fall sein. «Wenn das Projekt jedoch flächendeckend ausgebreitet wird, frage ich mich, ob die nötige Betreuung noch gewährleistet ist», so Garcia.

Lehrer Neff räumt ein, das Projekt sei betreuungsintensiv. So hat er mit jedem Schüler einen Vertrag abgeschlossen, der das Surfen auf Gewalt- und Pornoseiten verbietet. Dessen Einhaltung muss er nun überwachen. «Bis jetzt habe die Kontrolle der Verlaufsprotokolle ergeben, dass sich die Schüler daran halten», sagt Neff. Er weiss jedoch aus Erfahrung, dass sich Schüler dieses Alters solche Seiten über andere Geräte anschauen.

Hier setzt auch Projektleiter Döbeli an: «In ein paar Jahren wird die Mehrheit der 11-Jährigen ein Gerät besitzen, das so viel kann wie heute ein iPhone.» Das könne die Schule ausblenden – oder sie integriere das Gerät in vernünftiger Weise in den Unterricht. «Wir sollten heute überlegen, was das Potenzial dieser Geräte im Unterricht von morgen ist.»

Kritik von Apple-Gegnern

Eine Bilanz nach einem Jahr iPhoneUnterricht hat laut Döbeli keine signifikante Abweichung der Leistungen der Schüler im Vergleich zu herkömmlichen Klassen ergeben – weder im positiven noch im negativen Sinn. Massive Kritik am Projekt sei bloss von Personen laut geworden, die sich gegen die Strahlenbelastung durch die iPhones wehrten – oder von erklärten Gegnern der Geräteherstellerfirma Apple. (AAPL 562.29 -0.54%)

Schüler und Lehrer seien nach wie vor begeistert vom Projekt, und auch die Eltern begrüssten es. «Bisher hat nur ein Elternpaar von Problemen berichtet», so Döbeli. Es konnte dem Bruder eines iPhone-Schülers nicht erklären, weshalb er nicht auch ein solches Gerät im Unterricht benutzen dürfe. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.10.2010, 13:35 Uhr

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7 Kommentare

Benjamin Magnin

07.10.2010, 14:06 Uhr
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Obwohl ich zuerst auch geschockt war, dass Schüler jetzt auch permanent im Internet surfen, bin ich auf die Resultate dieses Projektes gespannt. Wie Döbeli bin ich auch der Meinung, dass die Jugendlichen früher oder später sowieso solche Geräte besitzen werden. Die Frage ist einfach, wie wir Erziehenden und wie die Schule darauf reagieren. Das Motto kann nur heissen: Integrieren statt verteufeln! Antworten


Christian Dürig

07.10.2010, 14:18 Uhr
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GRATULATION Ohne Angst in die Zukunft und sie zugleich beherrschen. Bravo. Keine Einschränkungen im Internet ist grossartig. Früh können die Jugendliche die langweilige Welt der Erwachsenen erforschen. Sie können keinen Schaden davontragen. Schliesslich stehen Fachleute bei. Nur der Neugierige wird zum Entdecker. "The explorer is the person who is lost." (Jim Cahill) Sofort English lernen. Antworten



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