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Das iPhone wird zum Navigationsgerät
Von Mathias Born. Aktualisiert am 01.09.2009
Das iPhone hat das Zeug zum Navigator: Ein GPS-Empfänger ist eingebaut. Der Bildschirm ist gross. Und das Gerät lässt sich einfach über das berührungsempfindliche Display steuern. Trotzdem mussten die iPhone-Besitzer lange auf den Rollout der Navigationssoftware warten. Grund dafür war, dass Apple es in einer ersten Phase verboten hatte, solche Programme zu verkaufen. Das hat sich geändert.
Mit Navigon und Tomtom bringen nun zwei grosse Navigationsfirmen iPhone-Applikationen an den Start. Doch taugt das Handy wirklich als Navigationsgerät? Und welcher der beiden Hersteller macht das Rennen? Das soll eine Testfahrt zeigen.
Gerät richtig montieren
Am Start stehen der «Mobile Navigator» von Navigon und die Tomtom-Applikation. Die beiden Programme sind ähnlich teuer: Sie kosten mit den Karten für Deutschland, Österreich und die Schweiz 99 Franken. Wer aber die Karten von ganz Europa oder Nordamerika aufs Gerät laden will, fährt mit Navigon günstiger – ein kleiner Startvorteil.
Dann nichts wie los. Doch halt: Bereits beim Einsteigen ins Auto zeigen sich die ersten Probleme. Wie montiert man das iPhone am besten? Das Gerät einfach auf den Beifahrersitz zu legen, ist nicht nur unpraktisch, sondern schlicht gefährlich. Eine Halterung muss her. Tomtom hat zwar eine angekündigt, kann aber noch nicht liefern. Und bei Navigon scheint es nichts zu geben. Deshalb wird für diesen Test auf eine Halterung von Kensington zurückgegriffen. Unerlässlich ist zudem ein Adapter, mit dem das iPhone an den Zigarettenanzünder angeschlossen werden kann. Andernfalls droht ihm auf halber Strecke der Strom auszugehen.
Unterschiedliche Karten
Schicken wir die beiden Applikationen also ins Rennen. Beide starten ungefähr gleich schnell: Nach fünf Sekunden sind sie bereit. Bis das iPhone genügend Satelliten für eine Ortsbestimmung gefunden hat, dauert es etwas. So bleibt Zeit, um einen Blick auf das Kartenmaterial zu werfen. Jenes in der Navigon-Applikation stammt von Navteq, einer US-Firma, die heute Nokia gehört. Tomtom hingegen hat vor rund zwei Jahren die holländische Firma Teleatlas gekauft und setzt auf deren Karten.
Bei beiden iPhone-Applikationen kann man zwischen einer zwei- und einer dreidimensionalen Kartendarstellung hin- und herschalten. Nun wird der Zielort gewählt, und die Fortbewegungsart: Nicht mit dem Velo oder zu Fuss sind wir heute unterwegs, sondern im Auto. Navigon bietet im Hinblick auf die Routenführung mehr Optionen. So kann man sich nicht nur über den kürzesten oder schnellsten Weg lotsen lassen, sondern auch über den schönsten. Dafür punktet Tomtom mit «IQ Routes»: Diese Funktion berechnet die Fahrtzeit auf Basis der Durchschnittsgeschwindigkeiten von anderen Tomtom-Nutzern. Zudem werden automatisch Wege vermieden, die zur aktuellen Zeit oft verstopft sind.
Die Testfahrten zeigen: Beide Applikationen lotsen zuverlässig durch den Strassenverkehr. Beim «Mobile Navigator» überzeugt die flexible Ansage der anstehenden Manöver: Je nach Situation wird die nächste Abzweigung etwas früher oder später angekündigt. Die Anweisungen sind selbst bei sehr nahe aufeinander folgenden Kreuzungen präzise. Noch nicht angesagt, werden hingegen die Strassennamen – weder bei Navigon noch bei Tomtom.
Ähnliche Funktionen
Die meisten Funktionen der beiden Programme sind ähnlich. Beide warnen etwa, wenn man schneller als erlaubt unterwegs ist; Navigon akustisch und optisch, Tomtom nur mit einer Warneinblendung. Mit einem Spurassistenten geht Navigon etwas in Vorsprung: Vor Abzweigungen auf Autobahnen zeigt das Programm in einer «Streetview» genannten Ansicht, wie man einspuren soll. Das ist praktisch. Bei der Tomtom-Applikation fehlt die Funktion noch.
Auch bei der Integration des Musikplayers hat Navigon seit der ersten Programmaktualisierung die Nase vorn: Wird mit dem iPhone gleichzeitig Musik abgespielt, fährt die Navigationssoftware die Lautstärke während der Durchsage zurück. Bei Tomtom hingegen wird die Musik bei jeder Sprachausgabe abrupt gestoppt und anschliessend wieder gestartet. Diesen Rückstand dürfte Tomtom indes bald mit einer Programmaktualisierung wieder aufholen. In Sachen Stimmen zeigt hingegen Tomtom, wo es langgeht: Enthalten sind zwei verschiedene deutsche Stimmen. Zudem lassen sich Fremdsprachen auswählen. Bei Navigon wird bloss jene Stimme installiert, die der Sprache in den Grundeinstellungen des iPhones entspricht.
Handy macht das Rennen
Ganz problemlos verläuft die Testfahrt dann doch nicht. Fährt man etwa in Haarnadelkurven der Passhöhe entgegen oder tuckert man durch die engen Gassen einer Stadt, ist der Satellitenempfang des iPhones offenbar zu schlecht. Der Positionspfeil springt dann mitunter wild von Kurve zu Kurve beziehungsweise von Gasse zu Gasse.
Kurz und gut: Selbst nach längerer Testfahrt liegen die beiden Applikationen noch gleichauf. Selbst wenn eines der Programme irgendwo einen Vorsprung herausgeholt hat – mit dem nächsten Programmupdate dürfte sich alles wieder ändern. Welches der Programme man kauft, hängt also vorab vom persönlichen Geschmack ab. Eines aber demonstrieren die beiden Applikationen eindrücklich: Die Smartphones – egal ob von Apple oder nicht – holen in Sachen Navigation auf. Und bald schon dürften sie die eigentlichen Navigationsgeräte überholen und das Rennen machen.
Christian Leu, Testpilot
Mathias Born, Texttuner (Berner Zeitung)
Erstellt: 01.09.2009, 13:41 Uhr






