Grosse Bilder ganz klein

Von Mustafa Dikbas. Aktualisiert am 02.03.2010

Ultrakompakte Videokameras liegen gross im Trend. Doch wie gut sind die Aufnahmen der Minikameras? Und kauft man nicht besser gleich ein modernes Mobiltelefon mit Videoaufnahmefunktion?

Sony-Bloggie: flexible Kamera für Selbstdarsteller.

Sony-Bloggie: flexible Kamera für Selbstdarsteller. (Bild: zvg)

Cisco-Flip: der Klassiker unter den ganz kleinen.

Cisco-Flip: der Klassiker unter den ganz kleinen.

In den USA sind Minicamcorder längst etabliert. Promis, Möchtegernpromis und andere Personen mit ausgeprägtem Sendebewusstsein haben die Geräte gern dabei, um ihr Videotagebuch mit immer neuen Aufnahmen zu füttern. Allmählich schwappt die Trendwelle auch auf die Schweiz über. Der grösste Schweizer Onlineversender Digitec hat die Mutter aller Minicamcorder, die Flip MinoHD, bereits früh ins Sortiment aufgenommen. «Wir sind damals ein Wagnis eingegangen», sagt Category Manager Ursin Maibach. «Wäre der Flip bei Herr und Frau Schweizer nicht angekommen, hätten wir die Geräte mit viel Aufwand auf anderen Märkten veräussern müssen.» Das Wagnis zahlte sich aus: Die Flip MinoHD hat Topsellerstatus erreicht. Der Grund für den Erfolg dürfte gerade im minimalistischen Funktionsumfang liegen.

Aufs Wesentliche reduziert

Der Hersteller Cisco hat bei der Flip unnötigen Schnickschnack weggelassen und stattdessen auf einfachste Handhabung und qualitativ hochstehende Komponenten gesetzt. Selbst Laien dürfte die Bedienung auch ohne Studium des Handbuchs auf Anhieb gelingen. Die verbaute Linse ist empfindlich genug, damit auch unter schlechten Lichtbedingungen – sprich an Partys – gute Aufnahmen gelingen. Auf Wunsch lädt die Kamera die Videos direkt auf Youtube oder Facebook hoch. Alles, was nötig ist, hat sie dabei: der USB-Stecker lässt sich ausklappen, und die Software zum Verwalten, Schneiden oder Teilen der Videos ist auf dem Gerät installiert.

Die Aufnahmen in HD-Auflösung (720p, also 1280 mal 720 Bildpunkte) sind von beachtlicher Qualität. Dank HDMI-Anschluss können sie auch am Flachbildfernseher abgespielt werden. Der fest verbaute, acht Gigabyte grosse Speicher reicht für zwei Stunden Film in HD-Auflösung.

Flexible Nachahmer

Auch andere Hersteller wie JVC oder Kodak wollen sich ein Stück vom Kuchen abschneiden und haben mittlerweile eigene Kameras im «Zigarettenschachtelformat» auf den Markt gebracht. Sie versuchen, sich mit mehr Features abzugrenzen – etwa mit der Möglichkeit, auch Fotos aufzunehmen, oder mit einer Full-HD-Auflösung (1920 mal 1080 Bildpunkte).

Sony hat sich etwas mehr Zeit gelassen als die Konkurrenz. Im Februar haben die Japaner dafür gleich mehrere Modelle unter dem Namen Bloggie präsentiert. Das Besondere daran: Sie verfügen über einen schwenkbaren Objektivkopf. Das angestrebte Zielpublikum verrät Sony mit der Modellbezeichnung: Blogger können sich mit dem schwenkbaren Objektiv selber filmen und gleichzeitig das Bild auf dem Display sehen. Die Geräte verfügen über keinen HDMI-Anschluss, schliesslich genügt eine USB-Schnittstelle. Eine weitere Besonderheit bietet das Bloggie-Modell MHS-PMA: Ein aufsetzbares 360-Grad-Spiegelobjektiv zeichnet Rundumvideos auf, die später am Computer zu einem Panoramastreifen gewandelt werden. Das erledigt die auf der Kamera installierte Software. Im Gegensatz zur Flip kann der Speicher der Bloggie mit normalen SD-Kärtchen erweitert werden. Im besagten Modell ist eine 4-Gigabyte-Karte mitgeliefert. Auch bei der Sony fällt die Bedienung leicht, und die Bildqualität ist ansprechend. Allerdings ist bei der Flip MinoHD das Gehäuse wertiger und die Aufnahmen etwas besser, insbesondere jene, die unter schlechten Lichtbedingungen erstellt worden sind.

Format mit Verfalldatum

Doch wieso soll man sich eine Kamera kaufen, die kaum grösser als ein Mobiltelefon ist, wenn doch Smartphones längst auch Videos aufzeichnen können? Weil es bis anhin kaum Handys gibt, deren Filme die HD-Qualität der Minicamcorder erreichen. Und weil ein Mobiltelefon deutlich teurer zu stehen kommt: Die Sony-Bloggie ist für knapp mehr als 200 Franken erhältlich, die Flip MinoHD 2nd Generation kostet 299 Franken. Ausserdem zehren Videos am Akku. Die Gefahr, dass ein wichtiges Telefonat ansteht, die Batterie aber keinen Saft mehr hat, ist nicht zu unterschätzen.

Allerdings dürften die Argumente gegen eine Handykamera nicht ewig gelten: «Die Entwicklung der Mobiltelefone geht rasant voran», sagt Ursin Maibach. «In naher Zukunft rechnen wir mit Handys, die für den Durchschnittsverbraucher genügend gute Video- und Fotoqualität liefern.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.03.2010, 11:57 Uhr

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