Das taugen Smartwatches im Wasser

Bei Joggern sind sie der grosse Renner: Die Fitnessarmbänder und Smartwatches. Neu sollen sich damit auch beim Schwimmen Daten aufzeichnen lassen. Doch wie schlagen sich die Geräte in der neuen Disziplin?

Nicht wasserscheu: die Apple Watch und Garmins Vivoactive HR.

Nicht wasserscheu: die Apple Watch und Garmins Vivoactive HR. Bild: Mathias Born

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Dies sieht zweifellos ziemlich bedeppert aus: Gleich zwei klobige Sportuhren (verun-)zieren mein schmales Handgelenk. Zum Glück ist die Schulklasse soeben weitergezogen, und im Hallenbad sind nur noch wenige Leute.

Ich fingere an den Geräten herum, um die Beckenlänge des Bads einzustellen. Dann springe ich ins Wasser. Einen Kilometer will ich schwimmen und den morgendlichen Effort von den Geräten dokumentieren lassen.

Smartwatches schlagen sich in vielen Disziplinen gut. Sie halten einen auf dem Laufenden über Nachrichten und Termine, lotsen durch die Stadt, dienen als Fernsteuerung fürs Smartphone.

Auch als Fitnesstracker werden sie geschätzt: etwa, um die Schritte zu zählen, die Herzfrequenz oder die Beschleunigung zu messen. Einzig beim Schwimmen taugten die meisten Geräte der früheren Serien nicht.

Das ändert sich nun: Die neue Apple Watch ist so weit wasserdicht, dass sie sich zum Schwimmen eignen soll (nicht jedoch zum Tauchen oder Wasserskifahren). Einige konkurrierende Firmen versprechen für ihre Fitnessarmbänder oder Smart­watches Gleiches.

Doch taugen die aktuellen Smartwatches wirklich zum Schwimmen? Das soll der Schwimmtest mit den beiden Geräten Apple Watch Series 2 und Garmin Vivoactive HR zeigen.

Welche kanns länger?

Ab gehts auf die nächsten 25 Meter. Während ich meine Längen ziehe, bleibt Zeit zum Sinnieren über die zwei Uhren. Diese unterscheiden sich stark. Während die Apple Watch mit einem brillanten, lichtstarken Bildschirm aus organischen Leuchtdioden aufwartet, wirkt die Flüssigkristallanzeige beim Gerät von Garmin matt und altbacken. Allerdings bietet Letztere auch Vorteile: Sie verbraucht wenig Strom.

Die Anzeige bleibt stets lesbar, während die Apple Watch den Schirm sehr rasch wieder ausschaltet. Die Garmin-Uhr, ein um die wichtigsten Smartwatch-Funktionen erweiterter Fitnesstracker, punktet mit Ausdauer: Gegen eine Woche lang hält sie mit einer Ladung durch. Die Apple Watch, die sehr flexible Allrounderin, macht nach eineinhalb Tagen schlapp. Allerdings heimst das Apple-Gerät höhere Stilnoten ein. Dafür kostet es aber auch mehr.

Schwimmen ist ganz schön monoton. Trotzdem kriege ich nach einigen Längen, wenn die Gedanken allmählich vor sich hinzutreiben beginnen, meist ein Durcheinander in der Buchhaltung. Dank einer Sportuhr brauche ich in Zukunft nicht mehr krampfhaft Längen zu zählen. Denn das erledigt das Gerät.

Bei Garmin reicht ein Blick auf den Bildschirm – selbst während des Schwimmens. Bei Apple muss man innehalten, um den Arm zu heben oder auf den ausgeschalteten Bildschirm zu tippen.

Apropos: Damit das Wasser nicht die Aufzeichnung stoppt, sind bei der Apple-Uhr im Wasser keine Eingaben möglich. Bevor die Uhr wieder benutzt werden kann, muss an der Krone geschraubt werden. Ein Sinus-Gepiepse befördert daraufhin Wassertröpfchen aus der Lautsprecheröffnung.

Beim Kontrahenten ist dies nicht nötig, da er keinen Lautsprecher hat. Das Gerät von Garmin unterbricht während des Schwimmens die Herzfrequenzmessung; Apple macht weiter, weist aber darauf hin, dass die Messungen im Wasser weniger zuverlässig sind.

Züge zählen ist schwierig

40 Längen liegen hinter mir; Garmin hat eine zu viel gezählt, Apple lag richtig. Beide Uhren haben den Schwimmstil erkannt: Brust. Apple kommt auf 430 Züge, Garmin auf 457. Der durchschnittliche Pace lag laut Apple bei 2 Minuten 23 Sekunden pro 100 Meter. Garmin legt drei Sekunden drauf.

Nur fürs Becken: Bei Garmin fehlt ein Freischwimmtracker. Bild: Mathias Born

Bei Apple errechnet man daraus einen Verbrauch von «260 Kalorien», meint aber wohl Kilokalorien. Garmin kommt auf 281 Kilokalorien. Falsch sind Apples Temperaturangaben: In der Halle des Bads war es natürlich wärmer als 5,56 Grad; so kalt wird es wohl draussen gewesen sein.

Das Fazit: Die beiden Uhren meistern den Sprung ins warme Wasser des Hallenbads gut. Freies Schwimmen etwa im See hingegen ist eine andere Disziplin: Die Geräte müssen dann statt mit dem Beschleunigungssensor mit dem GPS-Modul Daten erheben. Und das ist im Wasser nicht einfach.

Erstaunlicherweise patzt hier der Sportspezialist Garmin: Die Vivoactive bietet im Gegensatz zur Apple Watch (noch) kein Tracking-Programm fürs freie Schwimmen.

Die Apple Watch Series 2 ist ab 419 Franken erhältlich. Garmins Vivo­active HR wurde für den Test von Galaxus.ch zur Verfügung gestellt. Sie kostet dort 229 Franken. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.11.2016, 14:42 Uhr

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