Obama soll Iran mit Computerwurm angegriffen haben
Wie gefährlich ist Flame?
Experten beurteilen die Gefährlichkeit des vor kurzem entdeckten Computervirus Flame unterschiedlich. Dessen Entdecker - das Antivirus-Unternehmen Kaspersky Lab - warnt davor, Flame zu verniedlichen. Die etwa 20 Megabyte grosse Software kann das Mikrofon des Rechners einschalten und Gespräche belauschen, Bildschirminhalte und Tastatureingaben aufzeichnen sowie das Datennetzwerk ausspähen. Kaspersky Lab erklärte, Flame spioniere seit über drei Jahren Computeranwender und Netzwerke im Iran, Nahen Osten und Nordafrika aus. «Die Komplexität und Funktionalität der neu entdeckten Schadsoftware übersteigt die aller bislang bekannten Cyber- Bedrohungen», sagte am Freitag Firmen-Chef Eugene Kaspersky. Ein anderes Bild zeichnete Dirk Häger, Experte des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Er sagte am Donnerstag zur Nachrichtenagentur dpa, die bei Flame entdeckten Funktionen seien auch in bekannten Schadprogrammen wie «Poison Ivy» zu finden. «Stuxnet war etwas Besonderes, Flame aber nicht», sagte Häger. (SDA)
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Der Washingtoner Korrespondent der «New York Times», David E. Sanger, schreibt in einem Buch, das die Zeitung heute in Auszügen veröffentlicht hat, dass die Cyberattacken auf die Atomfabrik im iranischen Natanz direkt von US-Präsident Barack Obama angeordnet worden seien. Für «Spiegel Online» sind Sangers Enthüllungen nichts anderes als eine «Sensation».
Laut Sanger, der eineinhalb Jahre für das am Dienstag erscheinende Buch «Confront and Conceal» gearbeitet hat, ist der Computerwurm Stuxnet nur ein Teil des Cyberkriegs der USA. Eigentlicher Urheber der Cyberwar-Strategie ist laut Sanger nicht Obama, sondern sein Vorgänger George W. Bush, der das Programm 2006 lanciert habe. Obama habe aber bereits wenige Wochen nach seiner Amtsübernahme die Angriffe via Stuxnet im Netz lanciert. Die Operation sei unter dem Codenamen «Olympic Games» gelaufen.
«Sollen wir die Sache jetzt stoppen?»
Nachdem Stuxnet im Sommer 2010 entdeckt worden sei, habe Obama ein Krisentreffen einberufen und gefragt, ob die USA «die Sache jetzt stoppen» sollen. Das tat Washington nicht – im Gegenteil. Kurze Zeit später habe ein modifizierter Wurm ein Fünftel aller Zentrifugen in Natanz ausser Betrieb gesetzt.
Sangers Informanten zufolge sei sich der amerikanische Präsident der Brisanz der Cyberkriegsführung immer bewusst gewesen. Obama habe aber dennoch diesen Weg eingeschlagen in der Hoffnung, einen israelischen Militärschlag gegen das Teheraner Regime verhindern zu können. Jerusalem sei von Anfang an in die «Operation Olympic Games» eingebunden worden.
Erste kleinere Cyberattacken gegen den Iran seien, schreibt Sanger, bereits vor vier Jahren erfolgt. Erst nach umfangreichen Tests hätten Spione und Mitarbeiter der Atomanlage Stuxnet eingeschleust. Letztere indes unwissentlich. Sanger zitiert einen Informanten mit den Worten, dass es« immer einen Idioten» gebe, «der über den USB-Stick in seiner Hand nicht gross nachdenkt».
Frühe Vorwürfe
Die offizielle iranische Nachrichtenagentur Irna warf im April 2011 den USA vor, den Computerwurm zusammen mit Israel entwickelt zu haben. Auch die «New York Times» berichtete im Januar des vergangenen Jahres, dass die beiden Staaten Stuxnet entwickelt hätten, um das iranische Atomprogramm stillzulegen. (rek)
Erstellt: 01.06.2012, 12:26 Uhr
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