Live-Bilder aus aller Welt
Mobotix M22
Linksys WVC54GCA
USB-Kamera für weniger als 30 Franken.
Interaktiv-Box
Kameras im Test
Topmodelle
Im Hochpreissegment haben die Kameras von Axis und Mobotix die Nase vorn. Keine Wünsche offen lässt die rund 1300 Franken teure Aussenkamera Mobotix M22: Sie ist wetterfest und liefert ausgezeichnete Bilder. Mobotix hat auch punkto Software die Nase vorn. Kameraverwaltung und Bildfeatures lassen sich mit vielen Parametern steuern. Axis hat mit der 207 MW für 600 Franken eine günstige WLAN-Megapixel-Kamera im Angebot, die eigentlich für den Innenbereich gemacht ist. Sie lässt sich am Fenster oder in ausrangierten Lampengehäusen aber auch als Aussencam einsetzen. Die Bildqualität der Axis-Kameras ist tadellos, bei der Einbindung ins Netzwerk und der Konfiguration der Uploadparameter kann die Firma noch dazulernen. Ohne eigene Recherchen sind ambitionierte Webcambetreiber aufgeschmissen
Gut und günstig
Mit der Linksys WVC54GCA gibts im Onlinehandel schon für 140 Franken eine Innenkamera mit WLAN und Tonübermittlung. Die Trendnet TV-IP422W kostet rund 320 Franken und ist sogar schwenkbar. Mit einer Anpassung im Router und einem Gratisaccount bei Dyndns.org kann jede Netzwerkkamera über eine eigene Internetadresse (etwa meinecam.dyndns.org) erreicht und gesteuert werden – je nach Einstellung nur von den Besitzern oder aber von allen Besuchern. So kann man etwa sehr bequem jeden Winkel der Ferienwohnung absuchen oder die Katze peilen. Im mittleren Preissegment lässt allerdings die Bildqualität zu wünschen übrig; rätselhaft, weshalb die Anbieter ihre Geräte mit Features vollpacken, aber Bildsensoren einbauen, die kaum Billighandyqualität erreichen. Bei Dämmerlicht sind die Fotos unbrauchbar.
Chat-Cams
Für weniger als 30 Franken sind USB-Kameras erhältlich, die an den Rechner angeschlossen werden. Ihr Hauptzweck ist, das Gegenüber im Chat und in der Internettelefonie live zu sehen. Mit entsprechender Software taugen sie auch als Webcams. Allerdings muss dafür der Computer über ein Bild-Uploadprogramm verfügen und ständig laufen, da die Billigcams keinen eingebauten Webserver besitzen.
Martin Müller aus Memphis, Tennessee, war gar nicht erfreut: «Ihre Webcam ist heute früh um 7:06:31 Uhr eingeschlafen. Als Ausland-Berner möchte ich doch gerne wissen, wie es daheim aussieht», mailte er dem Webcambetreiber, dessen Kamera einen kurzen Aussetzer hatte.
Webcams sind beliebt – nicht nur bei Heimwehschweizerinnen und -schweizern: vor dem Skitag die Schneelage checken, am Morgen vor der Wanderung die Nebelgrenze ausloten oder einfach nur kurz virtuell die Sonne am letzten Ferienort geniessen, während hier zu Lande Aprilwetter herrscht. Vor wenigen Jahren war das undenkbar.
Heute gibt es kaum noch einen Ort ohne Webcam. Sogar in Seilbahnkabinen oder Lokomotiven fahren Webcams mit und liefern laufend wechselnde Motive. Die Website Bildersammlung.ch bietet eine Fülle solcher Perlen und archiviert zudem die Fotos vieler Kameras als Zeitrafferfilme – das macht selbst die aktuelle Schneeschmelze zum spannenden Pausenzeitvertrieb.
Nicht nur für Firmen
Längst sind es nicht mehr nur Unternehmen, die minütlich aktualisierte Landschaftsfotos ins Netz stellen. Netzwerkkameras sind auch für Privatpersonen erschwinglich geworden. Wer via ADSL oder Kabel surft, kann mit einer Webcam auf dem Dach oder hinter dem Fenster vielen Leuten eine Freude bereiten. Der Fantasie sind bloss rechtliche Grenzen gesetzt. Personen dürfen auf den Bildern nicht identifizierbar sein. Bei der Standortsuche ist zudem gesunder Menschenverstand gefragt. Nachbarn schätzen es kaum, wenn ihr Schlafzimmer im Fokus ist.
Webcam ist nicht gleich Webcam: Während einfache Kameras für Chats via USB an den Computer gestöpselt werden, werden Netzwerkkameras per Ethernet-Kabel oder Funknetz mit dem Internet verbunden. Das Administrationsinterface ist bei solchen Kameras über den Webbrowser erreichbar; darin lassen sich Bildqualität und Uploadparameter steuern. Netzwerkkameras bieten im Vergleich zu Webcams ein Vielfaches an Funktionen und meist eine bessere Bildqualität (siehe unten).
Drinnen oder draussen?
Allerdings lohnt es sich auch hier, vor dem Kauf im Netz nach Tests zu suchen: Gerade günstige Produkte kommen kaum an die Bildqualität eines Handys heran, sind dafür aber schwenkbar. Statt sich bloss auf technische Zahlen zu verlassen, liest man besser einige Erfahrungsberichte und schaut Bilder an. Als Faustregel gilt: Je wetterfester eine Kamera ist, desto mehr kostet sie. Muss es gleich eine Kamera im beheizbaren Gehäuse zuoberst auf dem Kamin sein? Eine Innenkamera, die durchs Stubenfenster die Landschaft aufnimmt, tut es meist auch.
Bei der Montage ist bisweilen etwas Bastelarbeit gefragt. Und um die Kamera zum Laufen zu bringen, sind einige Netzwerkkenntnisse von Vorteil. Nötig sind sie aber nicht: Die Bedienungsanleitungen teurerer Kameras helfen auch Laien weiter. Wer kontinuierlich Bilder ins Internet stellen will, sollte abklären, ob diese Funktion wirklich zur Verfügung steht. Die Axis 206 etwa kann das nicht. Vonnöten ist ein Webserver, auf dem die Bilder abgespeichert werden. Wer die Kamera nach der Installation bei Portalen wie Swisslivecams.ch registriert, macht sie schnell weit herum bekannt.
Raumüberwachung
Netzwerkkameras waren ursprünglich für Sicherheitsaufgaben vorgesehen. Auch heute können fast alle Modelle bei Bewegungen im überwachten Raum den Besitzer per Mail alarmieren und Fotos der Ereignisse sichern. Auch wenn der Einbrecher schon über alle sieben Berge ist, so existiert wenigstens ein Bild von ihm.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 07.04.2009, 12:05 Uhr
























































































