Gastronomen kritisieren Schnäppchenportale
Das Schnäppchenportal schreibt noch rote Zahlen: Groupon-Logo auf Bildschirmen in den Büros der Firma in Chicago. (21. Oktober 2011) (Bild: Keystone )
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Schnäppchenportale sind Bernhard Kuster, dem Direktor vom Verband Gastrosuisse, ein Dorn im Auge. «Stammkunden werden mit solchen Megarabatten nicht gewonnen, sondern man zieht nur einmalige Schnäppchenjäger an, die nicht wiederkommen», sagt Kuster im «Sonntag». Bei seinen Mitgliedern seien diese Portale ein sehr emotionales Thema.
Auch Hotelleriesuisse rät seinen Mitgliedern davon ab, diese Vertriebskanäle zu benutzen. «Praktisch niemand findet sie gut, aber man hat zum Teil das Gefühl, man müsse mitziehen, weil es die Konkurrenz auch macht», sagt Kuster.
Seiten schiessen wie Pilze aus dem Boden
Bei einer Marge von 3,4 Prozent könne sich ein Gastwirt solche Marketing-Gags allerdings nicht erlauben. «Ich sehe in solchen Portalen keine Vorteile, nur Gefahren.» Zudem tauchen in der Schweiz immer mehr solche Portale auf, die mit Rabatten von bis zu 90 Prozent werben. Laut Branchenkennern sind es mittlerweile rund 15.
Dies birgt Gefahren: «Jeder dieser Anbieter verschickt pro Tag bis zu drei E-Mails mit mehreren, zum Teil repetitiven Deals», sagt Sascha Benz vom neuen Schweizer Rabatt-Aggregator Dealkompass.ch. Allein bei Groupon.ch sind es 400 Deals pro Woche. Dadurch drohen die Rabattangebote zur Plage und somit nicht mehr angeklickt zu werden. «Ich gehe davon aus, dass es früher oder später zu einer Marktkonsolidierung kommen wird und sich rund drei grosse Player durchsetzen werden», sagt Benz im «Sonntag».
Happige Kommissionen
In der Branche ist bekannt, dass Groupon und Co. happige Kommissionen von bis zu 50 Prozent verlangen. Kauft der Kunde ein Drei-Gang-Menü für 50 statt 100 Franken, bleiben dem Wirt also gerade mal noch 25 Franken Umsatz pro Mahlzeit. Trotzdem erwartet der Schnäppchen-Gast die volle Leistung.
Doch das Preismodell ist unter Druck. «Ich gehe davon aus, dass sich die Kommission bei rund 10 Prozent einpendeln wird», sagt ein Brancheninsider. «Auch dann ist es für die Online-Anbieter immer noch ein lukratives Geschäft.» Denn die Unterhaltskosten einer solchen Plattform seien relativ klein. Marktpionier Groupon zählt in der Schweiz gerade mal 70 Mitarbeiter, Daily Deal von Google gar nur 20.
Erstellt: 04.12.2011, 22:27 Uhr
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