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Dieb dank Facebook überführt

Von Daniel Wirth (sda). Aktualisiert am 24.11.2011

Einem Mann wird bei einem Einschleichdiebstahl in Horn TG das Portemonnaie gestohlen. Wenig später ist der Täter gefasst – dank einem Facebook-Aufruf.

Fahndungserfolg 2.0: Facebook.

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Bild: AFP

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Freitagnachmittag. In einem Gewerbezentrum am Bodensee in Horn arbeitet ein Unternehmer in seiner Firma. Er ist allein. Da sieht er plötzlich einen Mann, der das Büro gerade wieder verlassen will. Als er diesen energisch anspricht, fragt ihn der «Besucher», ob er Arbeit für ihn habe. Der Dialog ist zu Ende. Der Mann geht wieder.

Selbst etwas perplex, erkennt der Firmeninhaber jetzt, dass ihm ein dreister Dieb das Portemonnaie gestohlen hat, das auf dem Pult lag.

Es folgt eine Verfolgungsjagd

Er jagt den Dieb. Dieser steigt hinter dem Haus zu einem Komplizen ins Auto. Der Dieb setzt sich ans Steuer und gibt kräftig Gas. Das Opfer setzt sich in seinen Wagen. Es gibt eine Verfolgungsjagd. Nicht, weil der bestohlene Mann den Helden spielen will; er möchte lediglich das Kontrollschild am Auto der zwei Täter sehen können.

Das gelingt zuerst nicht. Das Opfer muss aufgeben, die Täter rasen ihm davon. Zufällig kommen sie ihm nach einigen Momenten nochmals entgegen. Jetzt kann er das Kontrollschild sehen und sich merken.

«Ich war sehr aufgebracht»

Wieder im Büro ruft er über die Nummer 117 die Polizei an und meldet den Diebstahl. Den Thurgauer Kantonspolizisten gibt er ein Signalement der Täter und das Kontrollschild des Tatfahrzeugs mit auf den Weg. Der Diebstahl gibt dem Mann zu denken. Am helllichten Tag. Im Büro. An der Arbeit. «Ich war sehr aufgebracht», sagt er.

Er will Freunde warnen. Er stellt eine Bildmontage des Tatautos samt Kontrollschild auf Facebook ( 31.91 -3.39%) und ruft seine «Freunde» im Internet auf, die Türen zu schliessen, sich vor den Dieben in Acht zu nehmen und die Polizei zu rufen, falls das Auto gesehen wird.

Am Samstag wird das Portemonnaie gefunden; es lag in einem Einfamilienhausquartier in Goldach SG in einer Grünabfalltonne. Die Frau, die es fand, war in Sorge: Einbrecher in «ihrem» Quartier.

Täter angerufen

Das Geld ist weg, alles andere noch vorhanden. Der Unternehmer meldet den Fund der Polizei. Am Montag wird der Mann von einem Facebook-User angerufen. Dieser hat das Auto in Steinach SG gesehen, abgestellt vor einem Garni-Hotel. Er meldet das um 7.45 Uhr der Thurgauer Polizei und fährt sofort selbst nach Steinach.

Er sieht das Tatfahrzeug – und wartet fast eine Stunde. Schlafen die Diebe im Garni? Sind sie unterwegs? Fragen über Fragen plagen den Mann. Und eine Frage ganz besonders: Wo bleibt die Polizei?

Falscher Kanton

Sie kommt, aber sie kommt zu spät. Er hätte halt die St. Galler Kantonspolizei anrufen müssen, bekommt der Thurgauer Unternehmer später zu hören, dann wäre alles wesentlich schneller gegangen.

Die Täter scheinen indes nicht mitbekommen zu haben, dass die Polizei im Garni aufgetaucht war. Jedenfalls schlafen sie nochmals eine Nacht dort und werden am Dienstag von der Polizei angehalten und auch befragt, wie Daniel Meili, Sprecher der Thurgauer Polizei, am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA bestätigte.

Warum die mutmasslichen Diebe denn nicht schon am Montag dingfest gemacht wurden, wollte Meili nicht sagen. Und auch zum Fall selbst will die Polizei nichts sagen. Die Abklärungen seien noch im Gang. Bei den mutmasslichen Tätern handelt es sich laut Meili um drei deutsche Staatsangehörige. Sie sind bereits wieder auf freiem Fuss.

Auch das findet der bestohlene Mann «unglaublich» an der ganzen Geschichte. Er lässt sein Fahndungsbild zu Präventionszwecken vorläufig jedenfalls im Internet stehen. Von der überaus erfolgreichen Privat-Fahndung via Facebook wusste Polizeisprecher Meili nichts. Er sagt dazu: «Wir können das niemandem verbieten.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.11.2011, 00:16 Uhr

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