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Die Chefs mögen Internet-TV nicht

Von Mathias Born. Aktualisiert am 30.06.2010 4 Kommentare

Was tun, wenn der Match in der Arbeitszeit stattfindet? Wer im Büro sitzt, guckt ihn im Webbrowser. Doch das kann Probleme verursachen.

Rasch durchs Programm klicken: Während der Fussball-WM ist Internetfernsehen besonders beliebt.

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Bild: zvg

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Vor einer Woche war die Fussballwelt noch in Ordnung. Die Schweizer Nationalmannschaft stand an der Weltmeisterschaft vor dem wichtigen zweiten Spiel, das um 16 Uhr beginnen sollte – also für die meisten Angestellten während der Arbeitszeit. Wie aber bleibt man am Ball, wenn man das Büro hüten muss? Klar: per Fernsehen im Webbrowser. Entsprechend rüsteten sich die Anbieter von Internetfernsehen auf den Ansturm. Und der kam tatsächlich.

«Unser Angebot wurde intensiv genutzt», sagt Zattoo-Manager Niklas Brambring. «Wir zählten am betreffenden Tag über 100'000 Nutzer. Die Server waren drei Mal stärker belastet als zu ‹normalen› Spitzenzeiten.» Allerdings seien schon einmal ähnliche Werte gemessen worden: während der Fussball-Europameisterschaft vor zwei Jahren.

Quotenknüller Ghana

Trotzdem dürften heute viel mehr Personen Internetfernsehen nutzen. Denn damals war Zattoo der einzige grosse Anbieter in der Schweiz. Heute ist mit Wilmaa ein starker Konkurrent entstanden. «So hohe Zugriffszahlen wie während der aktuellen Weltmeisterschaft hatten wir noch nie», sagt Thomas Gabathuler, interimistischer Geschäftsführer von Wilmaa. Noch mehr Zugriffe als beim Spiel der Schweizer seien interessanterweise zwei Tage später verzeichnet worden, als Deutschland gegen Ghana spielte. Die Höchstwerte lagen vier Mal über dem bisherigen Rekord, der am Tag der Bundesratswahl aufgestellt worden war. Über den Tag gemessen schalteten zweieinhalb Mal mehr Leute Wilmaa ein.

Einige Geschäftsführer haben keine Freude am Internetfernsehen, und einige Informatiker schon gar nicht. Denn schalten zu viele Leute Zattoo und Wilmaa ein, ist für sie der Match gelaufen: Sie müssen schauen, dass das Netzwerk stabil bleibt – sodass jene, die arbeiten wollen oder müssen, nicht von den Glotzern ausgebremst werden.

Datenintensive Videos

Der Grund dafür ist, dass Fernsehsignale viel Datenbandbreite brauchen. Ein Beispiel: Bei fünf Minuten normalem Arbeiten wird in unserem Test rund ein Megabyte Daten übertragen. Nach fünf Minuten Fernsehen hingegen steht der Zähler bereits auf über 30 Megabytes. Solche Spitzenwerte können im Unternehmensnetzwerk zu Problem führen: Einzelne Programme können langsamer werden oder abstürzen. Daten können verloren gehen, E-Mails verspätet eintreffen. Einige Internetprovider und Unternehmen haben deshalb mehr Bandbreite eingekauft oder neue Netzwerkgeräte in Betrieb genommen. Einige Unternehmen mahnen ihre Mitarbeiter aber auch zur Zurückhaltung. Und einige haben den Zugang zu Internet-TV-Diensten kurzerhand blockiert.

Noch grössere Datenmengen fallen bei den Anbietern von Internetfernsehen an. «Wir rechnen in Petabytes – also in Millionen von Gigabytes», sagt Thomas Gabathuler von Wilmaa. «Ein paar davon verteilen wir.» Einen Teil dieser riesigen Datenmenge verschickt das kleine Unternehmen selbst. Der grössere Teil wird aber über die Server des US-Unternehmens Akamai verteilt. «Das Internet ist nicht für Echtzeitanwendungen wie Internetfernsehen gebaut worden», erklärt Gabathuler: Zwar erreichen versandte Daten ziemlich zuverlässig das Ziel, aber leider oft mit grosser Verzögerung. Deshalb müsse man für die Fernsehübertragung auf Dienste von Unternehmen wie Akamai setzen. Dieses versucht die Inhalte mit 65'000 Servern so zu verteilen, dass der Weg zum Kunden möglichst schnell ist. Ohne die aufwendige Infrastruktur ruckelten die Videos. «Wir investieren viel Geld, damit die Inhalte in hoher Qualität ausgeliefert werden können», so Gabathuler. Auch Zattoo setzt teilweise auf externe Dienste, unter anderen auf jene des Akamai-Konkurrenten Limelight.

Zattoo oder Wilmaa?

Doch wie unterscheiden sich die beiden Anbieter? Zum einen in ihrer Geschichte: Zattoo ist ein Pionier im Internetfernsehgeschäft: Der Betrieb läuft bereits seit der Fussball-WM 2006. Mittlerweile ist die Firma in sechs Ländern tätig. Wilmaa hingegen ging erst vor eineinhalb Jahren und nur in der Schweiz online. Die beiden Anbieter liefern sich einen harten Kampf um Marktanteile und Werbefranken.

Während Wilmaa von Beginn weg Fernsehen im Webbrowser anbietet, musste bei Zattoo bis vor kurzem ein Programm installiert werden. Mittlerweile kann Zattoo aber auch im Browser genutzt werden. Niklas Brambring sieht die Doppelstrategie als Vorteil: «Zattoo ist auf allen Geräten verfügbar – auch auf Handys und Tablet-Computern.» Thomas Gabathuler hingegen streicht als Stärken von Wilmaa die jeweils im Browser eingeblendeten Zusatzinformationen hervor. Bei den Fussballspielen etwa sieht man zugleich die Mannschaftsaufstellung.

Apropos WM: Mit dem Ausscheiden der Schweizer Nationalmannschaft dürften die Spitzenzeiten für die hiesigen Internet-TV-Anbieter vorläufig vorbei sein, zumal die wirklich wichtigen Spiele dann am Abend stattfinden. Die Informatiker können also aufatmen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.06.2010, 10:08 Uhr

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4 Kommentare

Fredi Emmenegger

30.06.2010, 13:59 Uhr
Melden

Statt also in der Firma für die Zeit der WM einen TV-Raum einzurichten (mit konventioneller Technik), liessen es viele Unternehmen auf einen Datenstau ankommen. Geschaut wird sowieso und Arbeitszeit verplempert. Wieso wird dann das Anschauen der Spiele nicht gleich offiziell abgesegnet und entsprechend angeboten? Antworten


Andreas Arnold

30.06.2010, 18:36 Uhr
Melden

Bei denen der Zugang zu Zattoo oder Wilmaa gesperrt wurde, teleboy.ch ausprobieren. Die zeigen auch alle WM Spiele live und gratis. Antworten



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