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«Das kann der Auslöser zu einem neuen Bankencrash sein»

Von Reto Knobel. Aktualisiert am 17.05.2011

Die meisten Analysten sagen, man müsse keine Angst vor einer neuen Internet-Blase haben. Genau das muss zu denken geben, meint Rainer Heissmann, der als einer der ersten Autoren vor der Finanzkrise 2008 gewarnt hat.

1/10 Unruhige Zeiten stehen bevor: Technologiebörse Nasdaq in New York.
Bild: AFP

   

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Es sind Geschichten wie diese, welche Optimisten in ihrer Meinung bestärken: Vor vier Jahren wollte Microsoft (MSFT 29.06 -0.03%) Facebook ( 31.91 -3.39%) kaufen. Facebook-Chef Mark Zuckerberg lehnte das 15-Milliarden-Dollar-Angebot ab. Microsoft musste sich stattdessen mit einem Unternehmensanteil von 1,6 Prozent begnügen, wofür 240 Millionen Dollar ausgegeben wurden. Microsoft-Chef Steve Ballmer war der Spott der Branche und der Analysten sicher. Eine knappe Viertelmilliarde Dollar für ein Netzwerk, das nur Verluste macht?

Der Rest ist bekannt: Facebook ist d e r Internetaufsteiger des Web-2.0-Zeitalters. Die Investition von Microsoft hat sich mehr als bezahlt gemacht, denn Facebook ist mit 600 Millionen Nutzern etwa sechsmal mehr Wert als 2007.

Zwei Milliarden Internetnutzer

Vom explosionsartigen Nutzerwachstum im Web haben natürlich auch andere IT-Firmen profitiert. Der Fakt, dass heute etwa zwei Milliarden Menschen im Internet surfen, ist eines der Hauptargumente der Branchenkenner, die wenig Parallelen zur Situation von vor zehn Jahren sehen, als der Traum der New Economy platzte. Sie glauben nicht an ein rasches Ende der Goldgräberstimmung.

Anders Rainer Heissmann vom Börsendienst Optionen-Profi beim Finanzportal Gevestor. Der 58-jährige Betriebswirtschafter war einer der ersten Wirtschaftsautoren, der vor dem Crash 2008 gewarnt hatte. Seiner Ansicht nach muss das oft gehörte Argument «Dieses Mal wird alles anders» im Gegenteil als Alarmzeichen interpretiert werden: «Ausser, dass heute mehr Menschen das Internet nutzen – aber nicht bezahlen –, sehe ich keine grossen Unterschiede zur Dotcom-Krise vor zehn Jahren. Im Internet wird immer noch nicht direkt Geld verdient: Bei Facebook, Twitter und Skype sind Gewinne immer noch Fehlanzeige.»

Microsoft hat zu viel Geld

«Analysten müssen auf Daueroptimismus machen, sie müssen die Quartalsbilanz, das Tagesgeschäft retten», erklärt Heissmann. Analysten wüssten nur zu gut, dass Twitter und Co. keine Gewinne vorweisen könnten. «Darum ist es mir auch wirklich ein Rätsel, weshalb Microsoft Skype gekauft hat. Ich habe den Eindruck, dass Microsoft zu viel Geld hat. Diese Akquisition ist das beste Beispiel für meine These, dass sich im Vergleich zum Ende der 90er-Jahre nichts geändert hat. Damals wie heute ist jeder Preis recht, solange es sich um ein Internetunternehmen handelt.»

Seiner Ansicht nach machen die meisten Journalisten und Analysten, aber auch viele Wirtschaftsführer einen Denkfehler. «Facebook wird mit 50 bis 80 Milliarden Dollar bewertet. Warum? Weil das Unternehmen viele Nutzer hat. Aber viele Nutzer heisst nicht automatisch viel Geld. Wenn ich an der Zürcher Bahnhofstrasse mit Geld um mich werfe, habe ich innert weniger Minuten Hunderte Nutzer – trotzdem ist das Geld weg.»

Stürzt die New Economy die Welt in eine neue Finanzkrise?

Auch für Heissmann ist nicht alles schlecht. Einige Unternehmen würden den Crash überleben, Microsoft zum Beispiel oder Google. (GOOG 591.53 -2.01%) Aber dies bedeute nicht, dass es nicht schlimm werden wird. «Auch die New-Economy-Krise vor zehn Jahre haben viele IT-Firmen überlebt.»

Heissman hält es sogar für möglich, dass eine neue New-Economy-Krise Folgen für den Bankensektor hat: «Viele Banken haben marode Bilanzen, nicht zuletzt durch aufgeweichte Richtlinien zur Bilanzierung. Sie haben hochbewertete Aktien von Internetunternehmen im Depot, diese stärken die Eigenkapitalseite. Kommt es zum Crash, sind diese Unternehmen und deren Aktien 50, 70 oder auch 90 Prozent weniger wert als zuvor. Das Eigenkapital der Banken nimmt entsprechend dramatisch ab. Das kann der Auslöser zu einem neuen Bankencrash sein.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.05.2011, 12:22 Uhr

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