Browser wird zum Fensterrahmen
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Schlank, schnell und nicht im Weg – das sind die Stärken der jüngsten Browser-Generation. Vor 14 Tagen hatte Microsoft (MSFT 29.06 -0.03%) die lange erwartete Version des Internet Explorer 9 (IE9) veröffentlicht – letzte Woche zog die Mozilla-Stiftung mit Firefox 4 nach. Derweil aktualisiert Google (GOOG 591.53 -2.01%) so rasant, dass der Chrome-Browser nach drei Jahren seines Bestehens bereits bei Version 10 angelangt ist.
Diskreteres Erscheinungsbild
Der Browser ist längst das wichtigste Programm auf einem Rechner. Und für manche sogar das einzige Programm überhaupt. Denn wer eine Vorliebe für Webdienste hat und seine Daten in die Cloud verfrachtet, braucht keine herkömmliche Software mehr.
Dieser Entwicklung tragen die neuen Browser Rechnung. Die Bedienungselemente werden kleiner und diskreter und lenken weniger vom Webinhalt ab. Der Internet Explorer zeigt nebst der Adressleiste einen Reiter und fünf Knöpfe, darunter die Vor- und Zurück-Buttons. Alle Elemente finden auf einer Zeile Platz und sind denkbar unauffällig gehalten. Der Browser ist kaum mehr als ein Fensterrahmen um Websites herum.
Maximale Arbeitsfläche
Der gleiche Trend bei der Konkurrenz: Auch die Oberfläche von Firefox 4 ist deutlich spartanischer als die des Vorgängers. Google experimentiert bei Chrome mit einer Oberfläche namens «Compact Navigation», bei der das Adressfeld nur noch bei Bedarf erscheint.
Da viele Anwender herkömmliche Software durch Onlinedienste ersetzen, ist es nur folgerichtig, dass sich Websites genau wie Programme in die Taskleiste legen lassen. Dort erscheinen Google-Docs, das Webmail, Facebook oder Twitter gleichberechtigt neben den Icons von Word oder Outlook in der Taskleiste. Um eine Website in die Taskleiste zu verfrachten, ziehen Sie im IE9 den Reiter, in der die Site geöffnet ist, auf eine freie Stelle der Taskleiste, und lassen die Maustaste los, sobald «Anheften an Taskleiste» erscheint.
Mehr Platz für Arbeitsfläche
Auch Google Chrome setzt Onlineanwendungen ins Startmenü, die Taskleiste oder auf den Desktop und zeigt sie in einem Fenster ohne Menü und ein einziges Browser-Bedienelement: Das bedeutet maximale Arbeitsfläche für den Webinhalt. Eine solche Verknüpfung richten Sie über Chromes Schraubenschlüssel-Symbol und den Befehl «Tools > Anwendungsverknüpfungen erstellen» ein.
Firefox fehlt die Integration mit der Taskleiste. Immerhin: Täglich benutzte Websites kann man als «App-Tab anpinnen». Angepinnte Reiter erscheinen am linken Rand und bleiben stets in Reichweite. Um eine Site anzupinnen, einfach mit der rechten Maustaste auf den Reiterkopf klicken und «Als App-Tab anpinnen» auswählen.
Sites nach Aufgaben sortieren
Firefox hat in einer Studie herausgefunden, dass Anwender im Schnitt 6 Websites parallel offenhalten und es bei manchen Usern gar mehr als 40 separate Reiter (bei Firefox «Tab» genannt) sind. Die neue Funktion «Tab gruppieren» soll helfen, dass da die Übersicht nicht verloren geht. Es werden im Browser jeweils nur die Reiter angezeigt, die zur gerade aktiven Gruppe gehören. Reiter in allen anderen Gruppen sind unsichtbar. Die Idee dahinter: Man ordnet Websites nach bestimmten Aufgaben – beispielsweise Recherche, Kommunikation und Unterhaltung – und ist nur mit den Inhalten konfrontiert, die der Aufgabe gehören, mit der man sich gerade beschäftigt.
Die Organisation der Fenster erfolgt über die Schaltfläche «Tabs gruppieren» in der rechten oberen Fensterecke. Klickt man darauf, erscheinen alle als separate Fenster oder Reiter geöffneten Websites. Per Maus ziehen Sie eine neue Gruppe auf und verschieben Websites zwischen den Gruppen. Indem Sie eine Gruppe anklicken, aktivieren Sie diese im Firefox-Fenster.
Pranger für Tempobremsen
Ein letzter zentraler Punkt ist die Geschwindigkeit. Immer anspruchsvollere Websites verlangen zunehmend raffinierte Optimierungsmechanismen. Internet Explorer 9 setzt auf die Hardwarebeschleunigung. Sie reizt das Leistungspotenzial moderner Grafikkarten aus und führt, entsprechende Hardware vorausgesetzt, zu einem Temposchub bei der Anzeige. Die Hardwarebeschleunigung ist aber auch schuld, dass sich IE9 unter Windows XP nicht installieren lässt. Internet Explorer macht auch mit einem misslichen Problem Schluss: Der Browser misst die Zeit, die Erweiterungen (sogenannte Add-Ons) beim Laden brauchen, und schlägt langsame Erweiterung zur Deaktivierung vor. Nachfolgend ein Überblick mit den wichtigsten Neuerungen der Browser Internet Explorer 9, Firefox 4 und Chrome.
Firefox 4: Die wichtigste Neuerung ist die Synchronisation. Sie gleicht wichtige Daten und die Konfiguration zwischen mehreren Firefox-Installationen ab. Die Synchronisation funktioniert zwischen Windows, Mac und Linux und mit mobilen Geräten. Auf dem iPhone sind die Daten in der App Firefox-Home verfügbar.
Abgeglichen werden nicht nur Lesezeichen, sondern auch Passwörter, Einstellungen, die Chronik und die Anordnung der Reiter (Tabs). Eingerichtet wird die Synchronisation über «Firefox > Einstellungen > Einstellungen» im Reiter «Sync». Auf dem ersten Rechner klicken Sie auf «Firefox-Sync einrichten». Sie geben nun eine E-Mail-Adresse und eine Passphrase an. Um weitere Firefox-Installationen einzubinden, rufen Sie wiederum die Sync-Einstellungen auf und geben an, dass Sie sich mit einem bestehenden Konto verbinden möchten.
Internet Explorer 9: Er schützt die Anwender vor Verfolgung. Konkret soll die neue Funktion namens «Tracking-Schutz» (einzuschalten via «Extras > Sicherheit > Tracking-Schutz») verhindern, dass Datensammler den Benutzern auf ihren Wegen durchs Internet über viele Stationen hinweg nachstellen und eigentliche Bewegungsprofile erstellen.
Grundsätzlich kann der Betreiber einer Website nur die vorherige Station in Erfahrung bringen. Der «Referrer» zeigt an, woher ein Besucher kommt. Da inzwischen viele Website-Betreiber die grossen Statistikdienste und Werbeanbieter nutzen, sind Wege durchs Internet gleichwohl erfassbar. Beispielsweise ist «Analytics», der Statistikdienst von Google, längst auf vielen Websites eingebunden. IE9 erkennt das immer wiederkehrende Script von Google-Analytics, fügt es automatisch einer Liste zu und blockiert es, wenn es zu oft auftauchen sollte.
Chrome: Der Google-Browser verfügt seit Version 8 über ein eigenes Modul für PDF-Dateien. Diese können nun angezeigt werden, ohne dass Adobe Reader gestartet werden müsste. Das macht Chrome zum Tempo-Champion bei PDF-Inhalten.
Eine neue Funktion ist das «Google Cloud Print». Mit ihr verbindet man auf seinem stationären Computer den Drucker mit Google Chrome. Ist das geschehen, kann man aus Webanwendungen von Google auf die freigegebenen Drucker drucken. Das ergibt eine Druckfunktion für das Netbook oder das Mobiltelefon. Laut Google sollte das Drucken auch am iPhone funktionieren, wenn man beispielsweise G-Mail im Browser aufruft – bei unserem Test hat sich der Druckbefehl allerdings nicht gezeigt. Eingeschaltet wird die Überall-Druckfunktion via «Google Chrome anpassen > Optionen» in der Rubrik «Details» bei «Google Cloud Print». (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.03.2011, 13:06 Uhr
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