Browser im Kopf-an-Kopf-Rennen
Von Mathias Born. Aktualisiert am 19.04.2011 54 Kommentare
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Eine neue Generation Webbrowser ist herangewachsen. In den letzten Wochen haben gleich drei wichtige Hersteller neue Versionen ihrer Surfprogramme präsentiert: Microsoft den Internet Explorer 9, die Mozilla-Stiftung den Firefox 4 und Google den Chrome 10. Die neue Generation glänzt mit minimalistischen Benutzeroberflächen. Knöpfe gibt es bloss noch wenige. Das lässt viel Raum fürs wirklich Wichtige: für die Webseiten. Daneben machen alle neuen Browser erfrischend viel Tempo. Und sie kommen alle mit dem neuen Webstandard HTML5 klar.
Doch welcher Webbrowser ist der richtige? Das hängt primär von den persönlichen Vorlieben ab. Auf den falschen setzen kann man fast nicht: In vielen Tests liefern sich die drei Surfprogramme ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Jeder hat seine Stärken
Der Firefox 4 überzeugt mit der neuen Benutzeroberfläche: Diese ist schlank, hübsch und funktionell. Zudem sind für den Firefox am meisten Erweiterungen erhältlich, sodass er an eigene Bedürfnisse angepasst werden kann. Der Google Chrome 10 hingegen überzeugt mit seiner Geschwindigkeit. Auch für diesen Browser sind viele Erweiterungen erhältlich, allerdings weniger tiefschürfende als beim Firefox. Dafür bietet der Chrome von Haus aus einige praktische Zusatzfunktionen: So lassen sich etwa fremdsprachige Seiten auf Knopfdruck übersetzen. Wer oft mehrere Seiten parallel nutzt, weiss die Stabilität zu schätzen: Legt eine Webseite einen Tab lahm, bleiben die anderen Tabs intakt. Der Internet Explorer 9 wiederum arbeitet Javascript besonders schnell ab und trumpft mit einer effizienten Hardwarebeschleunigung auf. Das zeigt sich, wenn aufwendige Grafiken berechnet oder Videos abgespielt werden. Die neue Oberfläche ist spartanisch. Das lässt viel Raum für die Webseite, macht aber teils die Bedienung komplizierter. Anders als seine Konkurrenten lässt sich Microsofts Webbrowser kaum erweitern. Während Firefox und Chrome sowohl für PC unter Windows und Linux als auch für Macs verfügbar ist, lässt sich der Internet Explorer nur unter Microsofts Systemen Vista und Windows 7 installieren.
Neben diesen drei Browsern existieren mit Opera und Safari zwei beliebte Alternativen. Der Opera hat es bislang auf keinen grossen Marktanteil gebracht – trotz überzeugender Funktionen. Der Safari wiederum ist der vorinstallierte Browser auf Macs, iPhone und iPad. Die letzte Version, der Safari 5, ist vor drei viertel Jahren erschienen – und hat mit der weit gehenden Unterstützung des Webstandards HTML5 die Konkurrenten in Zugzwang gebracht.
Die Zeit der Hacks ist vorbei
Der Hintergrund: Webseiten sind eigentlich normale Textdateien. Der Browser hat die Aufgabe, die darin abgespeicherten Kommandos umzusetzen und etwa Texte und Bilder zu einer gestalteten Seite zusammenzusetzen. Derzeit werden dabei meist jene Kommandos verwendet, die vor über zehn Jahren im HTML4-Standard definiert worden sind.
In letzter Zeit stiessen die Programmierer von Webseiten aber immer öfter an die Grenzen des alten Standards. Kein Wunder: Dieser ist für statische Seiten geschaffen worden, nicht für interaktive Webanwendungen.
«Viele Ideen konnten nur mit kruden Hacks umgesetzt werden – oder mit Flash», sagt Christian Stocker, Co-Geschäftsführer der Firma Liip, die im Wettbewerb «Best of Swiss Web» eben gerade mehrere Preise gewonnen hat. Das Flash-Programm von Adobe aber habe einen schlechten Ruf: Es gelte als fehleranfällig und benötige viel Rechenpower. «Zudem passt es als kommerzielles Produkt nicht ins von freier Software dominierte Web.»
Dass sich HTML5 nun wirklich durchsetzt, ist auch das Verdienst von Apple-Geschäftsführer Steve Jobs: Mit seiner Tirade gegen Flash und dem Boykott der Technik – iPhone- und iPad-Nutzer müssen ohne Flash leben – hat er das Feld für eine rasche Einführung geebnet. Nun ziehen die anderen nach: Die aktuellen Browser kommen mit den meisten neuen Befehlen zurecht. Entsprechend dürften immer mehr Entwickler diese auch benutzen.
Die Möglichkeiten sind gross: «Nun können wir ohne Hilfsprogramme Grafiken zeichnen, Ton und Videos abspielen, Dateien abspeichern, Datenbanken füttern oder Chats starten», schildert Stocker. «Zudem lassen sich die Webseiten nun gut strukturieren, sodass Screenreader von Blinden besser damit zurechtkommen.» Von diesen Möglichkeiten profitiert nur, wer mit einem Browser der neuen Generation surft. Alle anderen Nutzer erhalten zwar weiterhin das Wichtigste zu Gesicht – das wirklich spannende aber oft nicht. (Berner Zeitung)
Erstellt: 19.04.2011, 12:05 Uhr
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