BP kauft den Begriff «Ölkatastrophe»

Der durch das Umweltdesaster in den USA massiv in die Kritik geratene Konzern reserviert sich bei den Suchmaschinen Google, Bing und Yahoo die besten Plätze.

Die Site «Gulf of Mexico Response» gehört BP – und erscheint in der Google-Trefferliste ganz oben.

Die Site «Gulf of Mexico Response» gehört BP – und erscheint in der Google-Trefferliste ganz oben.
Bild: Bp.com

BP first: Resultat der Suche von «Oil Spill» auf Google.com.

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Der nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko in die Kritik geratene Konzern BP (BPAM 416.95 0.82%) hat bei den Suchmaschinen Google, (GOOG 470.58 1.33%) Bing und Yahoo (YHOO 13.75 1.63%) den Suchbegriff Oil Spill (Ölkatastrophe) und andere Wörter gekauft. Dieser Sachverhalt wurde vom Sprecher des Konzerns, Toby Odone, gegenüber «ABC News» bestätigt.

Der Hintergrund: Ergebnisse zu für den Ölmulti heiklen Artikeln oder Websites kommen nun in der Trefferliste erst weiter hinten. Ein Eintrag, der (zumindest auf den englischsprachigen Suchmaschinen) zuoberst erscheint, ist «Gulf of Mexico response» – die Site gehört BP und zeigt unter anderem ein Bild von Arbeitern, die einen relativ sauberen Strand an der Südküste der USA putzen. BP wird es mit dieser prominenten Platzierung massiv erleichtert, ihre Sicht der Dinge («es ist alles gar nicht so schlimm») an den Mann und die Frau zu bringen.

50 Millionen für die Imagepflege

BP hat bislang noch nicht bekannt gegeben, wie viel diese PR-Anstrengung kostet (Experten gehen von 10'000 Dollar pro Tag aus), aber erst kürzlich kritisierte der amerikanische Präsident Barack Obama den Konzern, weil dieser «50 Millionen Dollar für Imagewerbung am Fernsehen» ausgebe. Die neuste PR-Aktion dürfte die Gemüter kaum beruhigen. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters rechtfertigte sich ein Sprecher: «Wir wissen, dass Leute sich via unsere Website informieren wollen. Wir helfen ihnen nur, leichter direkt entsprechende Begriffe zu finden.»

Legal, ethisch problematisch

Google ermöglicht Firmen gegen Bezahlung die Platzierung von Suchtreffer-Links. Diese sind auf Google.com mit «Sponsored Links» gezeichnet. Sie heben sich von den normalen Suchtreffern ausserdem durch eine andere Hintergrundfarbe ab. Viele Nutzer achten allerdings nicht auf diese Unterscheidung. Vor allem, wenn diese Einträge nicht seitlich, sondern zuoberst auf der Google-Trefferliste erscheinen.

Darum wird die Kritik immer grösser, dass BP über Google die unabhängigie Berichterstattung zum Öldesaster behindert. Zumal Medien gemäss einem Bericht des «Sterns» wiederholt von BP-Mitarbeitern an einer Berichterstattung über das austretende Öl gehindert wurden. (Bernerzeitung.ch/Newsnetz)

Erstellt: 10.06.2010, 12:48 Uhr

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30 KOMMENTARE

Ben Müller

15.06.2010, 14:55 Uhr

Letztlich sitzen wir alle in demselben Boot, richtig. Aber: ich bin als Konsument (mit durchaus bewusstem Kaufverhalten) einfach nicht bereit für jede Schindluderei eine Mitverantwortung zu übernehmen! Ausserdem führt dieses 'wir sind alle schuld' Getue dazu dass wir uns im kollektiven Schuldgefühl bejammern und passieren tut nichts! Schuld hier ist schlicht und einfach BP. Fertig.


andi matata

11.06.2010, 09:31 Uhr

Jeder der bei BP tankt, macht sich MITSCHULDIG. Nur die WELTWEITE ÄCHTUNG von BP würde die Hilfe - für ALLE - beschleunigen.


Peter Müller

10.06.2010, 23:16 Uhr

@ Tom Kuhn: Natürlich wäre es besser, nicht ständig Google zu bemühen. Ich persönlich versuche so oft es geht sogenannte Grüne Suchmaschinen zu benutzen, oftmals muss ich dann aber doch wieder auf Google zurückgreifen, da die Treffer bei den anderen Suchmaschinen oft nichts mit dem gewünschten Suchbegriff zu tun haben, bzw. die Ergebnisse von Google einfach am besten sind- leider...


Dante Eggenberger

10.06.2010, 17:45 Uhr

M. Monaro,(D. Kobler, Th. Mueller): Glaube auch, dass man "die Konsumenten", "Benutzer" etc. unterschaetzt. Generell. Immer wieder. 1. Wer sind die Konsumenten etc.? Ich und du und sie. 2. Wir sind nicht bloed. Nicht immer. Nicht grundsaetzlich. Wir koennen uns bloed stellen und die Augen verschiessn. Und hier (BP) weiss jeder, was Sache ist.


Daniel Leu

10.06.2010, 16:36 Uhr

@ Adrian Wehrli: Offensichtlich haben sie sich noch nicht darüber informiert durch welche Fahrlässigkeit es zu dieser Katastrophe gekommen ist . Googeln sie doch mal nach " Black Rain Florida", sollte das wirklich der Fall sein, dann wird auch ihnen dieses infantile Verharmlosen vergehen. Übrigens nein, ich besitze keine motori- sierten Fahrzeuge.


Michel Gilgen

10.06.2010, 16:18 Uhr

das alles ist sehr schlimm, ekelhaft und frustrierend... aber welcher Amerikaner (Schweizer, Chinese etc.) verzichtet deswegen auf irgendetwas, was mit Öl funktioniert (Auto, Plastik, warmes Wasser usw) ... oder hat Herr Obama ein Solar Flugzeug? ... das ist die Folge unseres Zivilisationswohlstands ... BP befriedigt bloss ein weltweites Bedürfnis ... alles Reklamieren ist Scheinheilig


Max Demian

10.06.2010, 16:16 Uhr

Es ist die Macht der Presse und der NGOs Druck auf gelistete, mulinationale Konzerne auszuüben. Das ist auch gut so. BP vorzuwerfen es ginge denen nur um das Image ist scheinheilig. Der Presse geht es nur um die Katastrophenstory und die Auflagen, den NGOs um Angstmacherei und Spenden. BP setzt aus gutem Grund alles daran das "Golfproblem" zu lösen, alles andere wäre einfach nur dumm.


Mario Monaro

10.06.2010, 16:07 Uhr

@Dani Kobler: das ist sehr vage "Medien wurden - gemäss Stern - behindert". Ich zweifle nicht daran, das BP alles tut um die Berichterstattung zu beschönigen wo es geht. Aber das hat nichts mit den Sponsored Links auf Google zu tun.


Dani Kobler

10.06.2010, 16:01 Uhr

@ Thomas Müller: Sie machen einen Denkfehler: Der Autofahrer ist nicht Schuld an der Ölkatastrophe, genausowenig wie der Stromverbraucher an Tschernobyl. Es liegt an den Betreiber der Anlagen (und am Gesetzgeber) sich an Murphys Gesetz zu erinnern und entsprechende Massnahmen zu treffen. Und falls sie mich persönlich angreifen wollten, ich hab kein Auto, dafür Mobility und ein paar Velos.


Manfred Schiess

10.06.2010, 15:53 Uhr

BP kauft die Begriffe Ölkatastrophe und so weiter. Ich kauf wo immer es geht keine Artikel von BP oder BP zugehörenden Firmen mehr. Klar bin ich kein Grosskunde, aber ich tu was ich kann. - Firmen wie BP, verdienen an den Bodenschätzen der Welt immens viel Geld. Eigentümer dieser Bodenschätze ist die Menschheit, Eigentümer der Meere, die mangels Vorsicht verseucht werden ist die Menschheit.


Diego Fernando

10.06.2010, 15:37 Uhr

@Thomas Müller (14:52h): Das Ölleck ist UNSER Ölleck. ALLE Menschen sind Konsumenten dieses Öls und tragen eine Verantwortung. Sie denken nur beim Autofahren an Öl? Weit gefehlt! Öl ist in über 90% unserer alltäglichen Dingen drin, sei es Plastik, Kleidung, Schuhe, Spielsachen drin. Weil das Öl nun knapp ist, muss es an extremen Orten gefördert werden. Wer kann schon darauf verzichten?! NIEMAND


Dario Leuchtmann

10.06.2010, 15:28 Uhr

Einmal mehr sieht man: KAPITALISMUS (wie er heute existiert) ist der grösste FEIND der DEMOKRATIE.


Roman Bolliger

10.06.2010, 15:28 Uhr

Vor Jahren verseuchte die nukleare Wiederaufbereitungsanlage Windscale die britische Westküste. Aus Imagegründen erfolgte ein Namenswechsel zu Sellafield. Auch BP (British Pollution!) versucht nun mit Marketingmassnahmen prioritär das ölverschmierte Image zu retten. Anderes (Umweltfragen etc) ist sekundär und der CEO darf ungestört flunkernd um Mitleid betteln (er will sein früheres Leben wieder).


Thomas Müller

10.06.2010, 14:52 Uhr

@ Kobler - machen Sie es besser ! Wenn sie nächstes Mal ins Auto steigen denken Sie bitte an all das böse Oel im Golf. Alle Autofahrer die sich hier künstlich aufregen sollten vielleicht nicht nur beim Autofahren einen Gang höher schalten sondern auch beim Nachdenken !


Reto Brupacher

10.06.2010, 14:50 Uhr

...und wieder einmal frage ich mich, wofür das Management Millionen an Boni kassiert. Trägt bisher nur eine Person eine Verantwortung? Wurde der BP CEO angezeigt? Verhaftet? Ist er schlussendlich nicht auch für das Risiko Management verantwortlich? Ohne Möglichkeiten, das Management direkt zur Verantwortung zu ziehen, werden es diese Leute nie lernen.


adrian wehrli

10.06.2010, 14:48 Uhr

Das BP nun so an den Pranger gestellt wird ist heuchlerisch. Wir alle brauchen Oel, und die Zukunft der Oelförderung liegt Offshore. Der Staat Louisian würde mehr verlieren wenn das Offshore geschäft eingestellt würde, als die schlimmste Veschmutzung der gesammten Küste. Schockierend ist nur dass Lizenzen zum Bohren vergeben wurden (Washington) ohne die Lizenznehmer strenger zu kontrollieren.


Dani Kobler

10.06.2010, 14:44 Uhr

@ Mario Monaro: Und haben sie auch den letzten Abschnitt gelesen? Da geht es nicht um Treffer bei Goolge, sondern darum Journalisten den Zugang zum Strand zu verwehren, sie könnten ja einen toten Fisch fotographieren oder schlimmer noch einen krepierenden Vogel filmen. Lieber zeigt man den Journis ein paar tüchtige Angestellte die gerade einen Vogel sauber geputzt haben.


Kurt Hoffmann

10.06.2010, 14:34 Uhr

Mit dem Fortschritt der elektronischen Medien ist es nicht mehr nur möglich, Freiheit oder Meinung, sondern eben auch Wahrheiten und daraus sich ergebend, Realitäten zu kaufen. Ich erachte das als eine moderne Art der Totalitärität.


Kurt Hoffmann

10.06.2010, 14:33 Uhr

Auch wenn es illusionär ist, den vorhandenen Reichtum gleichmässig aufteilen zu wollen, scheint es doch sehr wichtig und im Interesse aller, zumindest zu verhindern, dass einzelne Personen oder Unternehmen mit finanziellen Mitteln im Grössenbereich von Staatsbudgets operieren können.


Fritz Thomas Klein

10.06.2010, 14:24 Uhr

Es dürfte sich um die ganz normale Werbedienstleistung von Google handeln: Google Adwords. Da zahlt BP für jeden einzelnen Klick, der auf diesen Eintrag in der Google Suchliste erfolgt. Die Empfehlt kann daher nur lauten: Möglichst häufig anklicken!


Sven Beer

10.06.2010, 14:24 Uhr

Sponsored Links? Zum Glück habe ich einen Werbeblocker (übrigens das am meisten heruntergeladene "Ad-on" für Firefox), da sehe ich diese Werbungen gar nicht.


Tom Kuhn

10.06.2010, 14:18 Uhr

Jetzt sehen einige Leute, wie mächtig Google eigentlich ist. Wer im Internet recherchiert, sollte vermehrt andere Suchmaschinen bedienen. Mit Geld und der Hilfe von Google, können Meinungen manipuliert werden. Anstatt für die Umwelt und betroffenen Menschen Geld auszugeben, kümmert sich BP lieber um Markenpflege. Ethik und Moral sind Fremdwörter für BP-Manager. Schade!!


Helena Müller

10.06.2010, 14:18 Uhr

Es wird Zeit, dass viele Leute die Augen öffnen und nicht mehr alles mitmachen und gutheissen, was die uns von oben diktieren. Steht auf. Und schaut diesen Machthungrigen genau auf die Finger! - Es ist ein Armutszeugnis, wenn BP damit verhindern will, dass gegen sie gerichtete Artikel erst in zweiter Priorität gefunden werden.


Thomas Allmendinger

10.06.2010, 14:13 Uhr

Das ist einer der Beweise, weshalb es BP weniger um die Sache als ums Image geht. Sicherlich, die Presse übertreibt mitunter. Doch man erhält aufgrund der Vorfälle den Eindruck, das von BP eingesetzt Team sei unfähig. Da wurde ein Aufruf nach Vorschlägen gemacht. 1 Mio sollen eingegangen sein. Übrig geblieben ist ein Ölloch, das vermutlich noch Jahre weitersprudelt, allen Beteuerungen zum Trotz.


Mario Monaro

10.06.2010, 13:57 Uhr

Wenn ich den Artikel richtig interpretiere, schaltet BP also Inserate auf den Suchmaschinen. So what? Damit wird die unabhängige Berichterstattung wohl nicht behindert. Dass viele Benutzer zwischen regulären und sponsored Links nicht unterscheiden widerspricht meinen Erfahrungen.


Dani Kobler

10.06.2010, 13:52 Uhr

Wenn BP das gleiche Engagement beim Stopfen des Öllochs zeigen würde wie bei der Kontrolle des Informationsflusses wäre das Loch längst dicht. Und wenn die Leute auf der Plattform nur halb so professionel und weitsichtig gewesen wären wie die PR Abteilung jetzt wäre die Katastrophe nie passiert.


Ronnie König

10.06.2010, 13:38 Uhr

Das beste Beispiel dafür, warum Farbbeutel gegen Banken und Multikonzerne geworfen werden. Wer über sehr viel Geld verfügt kauft sich seine Freiheit oder Meinung. Das ist sehr antidemokratisch und erzeugt Widerstand. Die einfachen Leute dürfens dann ausbaden, ob Polizist oder Steuerzahler Fischer Glaceverkäufer.


Peter Hofer

10.06.2010, 13:20 Uhr

Geld regiert die Welt!


Peter Kraner

10.06.2010, 13:15 Uhr

Die nach der UBS-Affäre und Lybien-Krise arg in die Kritik geratene Regierung der Schweiz kauft bei Google die Suchbegriffe 'Unfähigkeit' und 'Überforderung'....


Niklas Peter

10.06.2010, 12:59 Uhr

Was kann/darf sich ein Unternehmen, das so handelt, noch leisten? Unglaublich, ich bin frustriert.



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