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Mit der Helmkamera auf der Piste
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Brettert Bruno Kernen fürs Fernsehen die Rennpiste hinunter, trägt er eine Kamera in der Hand oder am Helm. Manch Hobbyskifahrer träumt beim Zugucken davon, die eigenen Schwünge auch so einzufangen, zusätzlich angespornt von einschlägigen Schneesportvideos im Internet.
Natürlich sind solche Aufnahmen auch mit Handys oder normalen Kameras möglich – mit Klebeband und der Hoffnung, dass das empfindliche Gerät nicht im Schnee landet oder am nächsten Fels zersplittert. Helmkameras sind ähnlich gross, aber gegen Kälte, Wasser, Dreck und Stösse geschützt. Zudem bringen sie praktische Befestigungsvorrichtungen mit. So lassen sie sich nicht nur am Helm festmachen, sondern auch etwa an Skibrillen, am Oberarm oder sogar auf einem Ski. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Viel spannendere Filme
Die Kameras bieten neue Perspektiven für sonst so eintönige Familienfilmabende: Den Kindern auf den Ski vor- oder nachzufahren, statt sie vom Pistenrand zu filmen, macht die Szene authentischer. Die Kamera lässt sich mühelos drehen oder sogar am Skistock festzurren und in die Luft heben. Das Resultat wirkt, als hätte ein Vogel die Szene gefilmt. Bis vor kurzem waren die Helmkameras für normale Haushalte nahezu unerschwinglich. Doch inzwischen sind Einsteigermodelle schon ab 300 Franken zu haben.
Die beiden Testkameras haben sich im Schnee gut bewährt, allerdings mit einigen Abstrichen bei Komfort und Bildqualität. Punkto Zubehör gewinnt die günstigere Drift X170 den Test: Dem Paket sind viele Befestigungsmaterialien beigelegt. Das gut gepolsterte Gerät hat sogar einen kleinen Bildschirm und eine Fernbedienung. Die Bildqualität kommt aber an ein modernes Handy nicht heran. Die teurere Contour HD 1080p (ab 455 Franken) kommt ohne Monitor aus; das meiste Zubehör muss zudem separat gekauft werden. Die Bildqualität hingegen ist ausgezeichnet. Dennoch ist sie kleiner und handlicher als die Konkurrentin. Beide Kameras zeichnen sich durch ein extremes Weitwinkelobjektiv aus, das sich je nach Befestigung in die richtige Lage drehen lässt.
Piloten, Ski- und Velofahrer
Sind solche Kameras bloss ein Spass für Freaks? Offenbar nicht: Die Firma Time Line Technology eröffnet Anfang März im Zürcher Oberland sogar das erste Schweizer Spezialgeschäft für Helmkameras. Die Firma ist auf professionelle Videoüberwachung spezialisiert und hat seit zwei Jahren gemeinsam mit dem deutschen Partner Blickvang die Helmkameras als Marktlücke entdeckt. Die Kundschaft ist laut Geschäftsführer Günter Neugebauer breit gefächert: «Paraglider, Piloten und Mountainbiker kaufen Helmkameras, aber auch Modellflugzeugbauer. Fahrschulen setzen die Geräte für die Ausbildung ein, Polizisten filmen damit auf ihren Einsätzen.»
Inzwischen scheinen sich also nicht nur Tüftler, Profis und Extremsportler für Helmkameras zu erwärmen: «Wir haben schon gegen tausend Stück abgesetzt», sagt Neugebauer – darunter viele teurere Modelle. «In naher Zukunft übermitteln die Cams Bilder drahtlos ans Aufnahmegerät in der Tasche, das macht die Geräte noch kleiner und leichter.»
Das ist nötig, wie der Test auf der Skipiste zeigt. Die Kameras sind zwar erstaunlich handlich, gerade an einer Skibrille wackeln sie aber bedrohlich. Erst einmal gut befestigt, stören sie kaum.
So klein sie ist, so gross ist ihr Stromverbrauch: Die X170 saugt während der Aufnahmezeit von rund zwanzig Minuten gleich drei Akkupaare leer. Grosser Minuspunkt bei der Full-HD-Kamera von Contour hingegen ist der Aufnahmehebel: Er lässt sich nur mit viel Kraft und ohne Handschuhe betätigen. Das teurere Gerät bietet im Feld praktisch keine Optionen: Eine Prüfung der Aufnahmen ist mangels Monitor unmöglich, Feineinstellungen (Auflösung, Helligkeit, Kontrast) klappen nur, wenn die Kamera per USB-Kabel mit einem PC verbunden ist, auf dem die Contour-Software läuft.
Schneiden tut not
Es braucht Übung, allzu schnelle Schwenker zu vermeiden, den richtigen Ausschnitt zu erwischen und gleichzeitig die Szenerie im Auge zu behalten. Im Rohmaterial befindet sich viel Ausschussware. Eine nachträgliche Bearbeitung ist sinnvoll. Eine Videoschnittsoftware muss allerdings separat gekauft werden. Zudem ist ein schneller Rechner empfehlenswert, vor allem HD-Filme ruckeln sonst.
Fazit nach der Fahrt: FĂĽr den gelegentlichen Einsatz genĂĽgen das Handy oder die Digitalkamera. Wer das Publikum aber mit ĂĽberraschenden Bildwinkeln Ă la Bruno Kernens Kamerafahrten entzĂĽcken will, wird insbesondere an der Contour HD helle Freude haben.
Die Testgeräte wurden von der Firma Timeline Technology zur Verfügung gestellt. Infos unter www.blickvang.ch. (Berner Zeitung)
Erstellt: 02.02.2010, 13:46 Uhr
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