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Reto Knobel
Ressortleiter Digital


Neues Windows – neuer Firmenchef?

Aktualisiert am 05.07.2011 12 Kommentare

Schlechte Nachrichten für Microsoft: Unternehmenschef Steve Ballmer verliert seinen wichtigsten Berater und der Internet Explorer stürzt weiter ab. Ein weiteres Problem ist der Realitätsverlust in der Tabletstrategie.

1/14 War das «Gehirn» von Microsoft: Ray Ozzie. Der Softwarespezialist verliess Microsoft im Herbst 2010 überraschend.
Bild: Reuters

   

Quellen

Artikel zum Thema

IE-9-Nachfolger in den Startlöchern

Es ist erst wenige Monate her, dass Microsoft mit dem Internet Explorer 9 einen runderneuerten Browser der neuesten Generation präsentiert hat, der sich nicht hinter Firefox, Chrome und Safari verstecken muss.

Jetzt steht mit dem Internet Explorer 10 schon das nächste Programm in den Startlöchern. Interessierte können sich die von Microsoft veröffentlichte zweite Preview-Version ansehen. Der Browser läuft aber nur unter Windows 7.

Mit dem Internet Explorer 10 will Microsoft die Unterstützung für den neuen Standard HTML5 weiter ausbauen und auch nach eigenen Angaben noch mehr Prozesse bei der Darstellung von Websites auf die Grafikkarte und andere Hardware-Komponenten auslagern, um die Geschwindigkeit weiter zu verbessern. (DAPD)

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Apple-Chef Steve Jobs dürfte sich Mitte Juni ins Fäustchen gelacht haben, als er gehört hatte, was Microsoft-Vizepräsident Dan'l Lewin zum Besten gab. Als Levin während einer Fragerunde im Sillicon Valley sagte, das Tabletrennen beginne erst, wenn auch sein Unternehmen eine entsprechende Hardware lanciert habe, werden sich die anwesenden Experten wohl gefragt haben, ob Lewin unbemerkt einen Scherz platziert hatte.

Hatte er nicht: Redmond gibt sich zumindest gegen aussen dermassen zuversichtlich, was die Aussichten ihres künftigen iPad-Konkurrenten betrifft, dass man nicht darum herumkommt, eine akute Realitätsverweigerung zu diagnostizieren.

Den Boden unter den Füssen verloren

Niemand geht davon aus, dass der Softwareriese Microsoft, (MSFT 27.16 0.29%) wenn er denn dereinst (frühestens 2012) einen Tablet-PC auf den Markt bringt, der Apple-Dominanz etwas entgegensetzen wird - zumal gemäss jüngsten Berichten aus Asien noch diesen Herbst bereits die dritte iPad-Generation in die Läden kommen soll und Google (GOOG 699.94 -1.12%) dank dem Betriebssystem Android, welches auf Tablets diverser Hersteller läuft, der einzige ernstzunehmende iPad-Rivale darstellt.

Aber nicht nur im Hardwaremarkt scheint Microsoft den Boden unter den Füssen zu verlieren. Microsofts einstige Vorzeigesoftware, der Browser Internet Explorer, wird immer weniger verwendet. Laut den neusten Zahlen von Statcounter surfen nur noch 43,5 Prozent aller Nutzer weltweit mit einer IE-Version. Das Google-Produkt Chrome hingegen machte innerhalb von zwei Jahren einen gewaltigen Sprung von 3 auf 20 Prozent. Ob der neuste Browser Internet Explorer 10 (siehe linke Spalte) den Abwärtstrend stoppen kann, scheint nach dem rapiden Marktanteilzerfall (zehn Prozent innerhalb eines Jahres!) unwahrscheinlich.

Gescheiterte Internetstrategie

Nicht vom Fleck kommt schliesslich Bing. Die Microsoft-Suchmaschine hat im Westen den Kampf gegen den Branchenprimus Google wohl definitiv verloren. Weltweit suchen vier von fünf Surfern über Google.

Microsoft versucht sein Glück nun in Fernost. Wie die Nachrichtenagentur SDA meldet, greift die chinesische Suchmaschine Baidu künftig bei englischsprachigen Suchanfragen auf den Microsoft-Searcher und Google-Konkurrenten Bing zurück. Google hat nach einem Streit mit den chinesischen Behörden im Reich der Mitte nur noch einen Marktanteil von 20 Prozent, Baidu kommt im Reich der Mitte auf 80 Prozent.

Doch bestehen grundlegende Zweifel, ob die Führungsetage selber an einen Erfolg von Microsofts Tablet- und Internetstrategie glaubt. Diverse Führungsmitglieder haben in den letzten Jahren und Monaten den Hut genommen, darunter die Programmierer-Legende Ray Ozzie. Die neuste Personalie betrifft Hank Vigil, der seit einem Vierteljahrhundert bei Microsoft tätig ist. Er ist der wichtigste Berater von Steve Ballmer. Aber nicht mehr lange, hat er doch angekündigt, von seinem Amt als Senior Vice President of Strategy and Partnership zurückzutreten.

«Fehlt mir die Energie?»

Ob es ihm Steve Ballmer gleichtut? Ja, meint windows8update.com. Dem Blog wurde von einem Firmeninsider zugetragen, dass Ballmer den Launch von Windows 8 abwartet und danach das Feld räumt. Vor wenigen Tagen hat der umstrittene Firmenchef in Seattle zum ersten Mal auf Rücktrittsgerüchte geantwortet. «Sagen Sie mir, ob mir die Energie zur Überzeugung fehlt, oder ob wir nicht den Kurswechsel vornehmen, der notwendig ist.» Ein eindeutiges Dementi sieht anders aus. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.07.2011, 11:29 Uhr

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12 Kommentare

Joel Hanhart

05.07.2011, 13:01 Uhr
Melden 27 Empfehlung 0

Ich bin solchen radikalen Anti-MS-Artikeln langsam überdrüssig. Kritik in allen Ehren, aber Software/Hardware (Windows 8 Tablets) schon zu begraben, ehe sie erschienen ist, halte ich nicht wirklich für professionell. Ein bisschen mehr Ausgewogenheit würde dem Artikel mehr als gut tun. Dem Autor dahinter natürlich auch. Antworten


Markus Heiniger

05.07.2011, 15:57 Uhr
Melden 12 Empfehlung 0

Ich rate jedem Microsoft nicht zu unterschätzen. Ich bin vom iPhone auf Windows Phone 7 umgestiegen und habe es noch keinen Tag bereut. Apple hat den First Mover Advantage, aber ist auch bei Ihrer Software an die Grenzen gekommen, sowohl beim iPad als auch beim iPhone. Das Apple-Konzept ist ausgelutscht und deshalb wir Microsoft mit einer integralen Strategie alle überholen. Good things need time. Antworten



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