Apples Verweigerung gegenüber Adobes Flash

Von Jan Knüsel, Reto Knobel. Aktualisiert am 01.02.2010 49 Kommentare

Weder das iPhone, noch das neue iPad erlauben es Multimediamedia-Inhalte über den Flash Player laufen zu lassen. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.

Der fehlende Flash-Support des iPad hat Steve Jobs viel Kritik eingebracht.

Der fehlende Flash-Support des iPad hat Steve Jobs viel Kritik eingebracht.
Bild: Reuters

Blank: So sieht eine Flash-Website auf dem iPhone aus.

Blank: So sieht eine Flash-Website auf dem iPhone aus.

Peinliche Demonstration an der iPad-Präsentation vom vergangenen Mittwoch: Die Seite, die Steve Jobs aufgerufen hat, wird nicht richtig angezeigt.

Peinliche Demonstration an der iPad-Präsentation vom vergangenen Mittwoch: Die Seite, die Steve Jobs aufgerufen hat, wird nicht richtig angezeigt. (Bild: Apple.com)

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Steve Jobs' Ärger

Apple hat Bilder und Videos, mit denen das Unternehmen das in der vergangenen Woche vorgestellte iPad bewirbt, überarbeitet. Laut einem Bericht von Appleinsider.com waren vorher Inhalte von der «New York Times»-Homepage zu sehen, für deren reibungslose Wiedergabe Flash benötigt wird. Dieses Adobe-Programm funktioniert aber weder auf dem iPad noch auf dem iPhone.

Wie verschiedene US-Medien berichten, hatte Jobs zwei Tage nach der iPad-Präsentation vor Firmenmitarbeitern einen Wutanfall: Adobe sei «faul», Flash für den Mac sei immer noch von Bugs geplagt. Stürze ein Apple-Computer ab, sei das meistens auf Flash zurückzuführen.

Versucht man per iPhone den Flashplayer auf der Adobe-Seite herunterzuladen, heisst es auf unzweideutige Weise in englischer Sprache: «Der Flashplayer ist für dieses Gerät nicht erhältlich. Apple (AAPL 562.29 -0.54%) schränkt den Gebrauch von Technologien ein, welche Produkte wie den Flash Player erfordern.»

Auch die neuste Innovation von Apple, der iPad, wird die Software von Adobe ( 31.6 0.19%) nicht unterstützen (Bernerzeitung.ch/Newsnet berichtete). Das ist insofern ärgerlich, als sich der Nutzer über Jahre hinweg an diese unscheinbare Software gewöhnt hat. Flash ist eine beliebte Plattform, um interaktive Grafiken, Animationen und Multimediainhalte innerhalb eines Browsers laufen zu lassen. Auf 98 Prozent aller Computer ist Flash installiert.

«Ohne Flash-Support werden die iPad-Nutzer nicht fähig sein, das gesamte Web-Angebot aufzurufen. Dazu gehören über 70 Prozent der Games und 75 Prozent der Videos im Internet», hält Adobe-Manager Adrian Ludwig in seinem Blog fest. Kein Flash bedeutet, dass der iPhone-Safari-Browser einen Grossteil der Webseiten nicht richtig wiedergeben kann. Es erscheint einfach ein weisser Hintergrund.

Sicherheitstechnische und andere Gründe

Apples Gründe für einen Verzicht tönen immer wieder anders. Im März 2008 begründete Firmenchef Steve Jobs seine Haltung damit, dass die Flash-Software zu langsam für das Apple-Handy sei. Zudem seien Flashprogramme Energiefresser, die Akku und Grafikprozessoren überlasten. Ohnehin sei die Software anfällig für Abstürze. Flash stelle ausserdem auch ein Sicherheitsrisiko wegen möglicher Hackerangriffe dar. Am liebsten aber gibt Apple gar keinen Kommentar dazu ab – «hierzu gibt es kein offizielles Statement», so Apple-Schweiz-Pressesprecherin Andrea Brack.

Adobe hingegen hat sehr wohl bewiesen, dass es gehen kann, denn auf Windows Mobile läuft Flash einwandfrei. «Wir arbeiten an Flash fürs iPhone, schlussendlich liegt der Entscheid aber bei Apple», heisst es vonseiten der Adobe-Produktemanagerin Michele Turner. Schon 2009 sagte Shantanu Narayen, Konzernchef von Adobe, dass Apple und Adobe «kollaborieren» würden, um eine Flash-Version für das iPhone zum laufen zu bringen. Passiert ist seither nichts.

Flash als lauernde Gefahr

Daran wird sich auch nichts ändern, denn für Apple ist die Flash-Software nicht einfach ein Programm, das Videos abspielen lässt. Flash ist eine Multimedia-Plattform, auf der man eigene Applikationen laufen lassen kann. In den Safari-Browser des iPhones oder des iPads integriert, wäre das Adobe-Programm eine Möglichkeit für unabhängige Entwickler, ihre eigene Software direkt aufs iPhone zu bringen.

Damit wäre eine Alternative zum App-Store geboren und die Verleger hätten neue Möglichkeiten, ihre Musik, Videos und Filme in Umgehung von iTunes direkt anzubieten. Die rigorose Apple-Zensur wäre damit ausgehebelt und eine lukrative Einnahmequelle des iPad-Herstellers in Gefahr.

Eine einträgliche Geldquelle

Mitte 2008 wurde mit dem App-Store ein geschlossenes und finanziell einträgliches System entwickelt, über das Apple die volle Kontrolle hat. Unabhängige Programmierer haben zwar die Möglichkeit, eigene Applikationen über den App-Store zu vertreiben. Am Schluss entscheidet jedoch eine Apple-Abteilung in Cupertino, welche dieser Programme auf dem iPhone laufen dürfen. Überdies gehen 30 Prozent des Verkaufspreises einer App in die Kasse von Apple. Bis zum heutigen Tag wurden über 3 Milliarden Apps verkauft, bei einem Durchschnittspreis von 2,50 US-Dollar.

So sind schliesslich finanziell-strategische Gründe ausschlaggebend, weshalb das Flash-Programm auf dem iPhone oder dem iPad nicht laufen darf. Mit technischen Problemen, Sicherheitsleck oder Energieverschwendung hat das alles wahrscheinlich wenig zu tun. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.02.2010, 13:34 Uhr

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49 Kommentare

john dierauer

01.02.2010, 11:15 Uhr
Melden

ganz einfach. würde man flash erlauben auf dem iphone, könnte man viele gratis apps programmieren die auch webbasiert währen. daher die blockade von apple. laut adobe sollte man aber mit flash cs 5 (im entwicklungsstadium) flashanimationen die mit actionscript (flasheigene programmiersprache) in iphone app's un-convertieren können. aber die blockade mit flash selber (SWF) ist schon schade aber ... Antworten


Nauer Moritz

01.02.2010, 11:22 Uhr
Melden

Nicht nur Windows Mobile hat Flash, sondern die neuen Palm Smartphones werden es mit dem nächsten WebOS-Update ebenfalls erhalten. Antworten



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