«Apple ist das neue Microsoft»
Interview: Reto Knobel. Aktualisiert am 16.06.2010 54 Kommentare
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Winand Emons (52) ist Wirtschaftsprofessor an der Universität Bern.
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Apple (AAPL 562.29 -0.54%) muss sich derzeit nicht nur mit der Konkurrenz Google herumschlagen, die auf dem Smartphone-Markt sehr aktiv ist, auch die amerikanischen Wettbewerbshüter sind auf Steve Jobs und Co. aufmerskam geworden (Bernerzeitung.ch/Newsnet berichtete). Was bedeutet das für den seit Kurzem weltgrössten Technikkonzern? Antworten von Winand Emons, seit 18 Jahren Professor für Wirtschaftstheorie an der Universität Bern.
Winand Emons, in den USA ermitteln die Behörden gegen Apple. Der Computerkonzern wird verdächtigt, seine monopolähnliche Marktposition zu missbrauchen.
Das überrascht mich nicht. Apple ist das neue Microsoft.
(MSFT
29.06
-0.03%)
Steve Jobs hat wie Bill Gates aus einem Garagenunternehmen einen Giganten gemacht – und beide haben lange nicht verstanden, dass Wachstum Verantwortung mit sich bringt. Apple lanciert regelmässig erfolgreiche Produkte, die dem Geschmack der Digital Generation entsprechen. Aber die Konzernstrategie war nie so offen, wie dies bei Microsoft der Fall war. Steve Jobs produziert ja nur geschlossene Systeme.
Das klingt nach Missgunst.
Aber nein. Der Erfolg sei ihm vergönnt. Aber jetzt, da Apple, gemessen an der Marktkapitalisierung, der grösste IT-Konzern der Welt ist, kommen volkswirtschaftliche Interessen ins Spiel. Wenn die amerikanischen Behörden zur Ansicht gelangen, dass Apple den Wettbewerb und die Innovation behindert, wird es für die Firma ungemütlich.
Wie konnte Apple dies passieren?
(Überlegt lange) Vielleicht wurde Cupertino selber vom enormen Wachstum überrascht.
Vielleicht hat sich das Unternehmen einfach zu lange in der Sonne gesonnt.
Schauen Sie, niemand im Westen würde sich mit der Selbstmordserie beim Unternehmen Foxconn befassen, wenn Foxconn nicht für Apple arbeiten würde. Aber wenn Apple nun über die mediale Aufregung jammern sollte – auch in Bezug zu den jüngsten Schritten der Kartellbehörden – wäre das dumm. Ein Bundesrat, der erwischt wird, wie er bei Rot über einen Fussgängerstreifen läuft, ist für die Presse ein gefundenes Fressen. Der Bundesrat würde sich in diesem Fall niemals darüber beklagen, dass ein gleiches Vergehen eines Normalbürgers medial nicht ausgeschlachtet wird. Also: Apple wird sich mit dem Regulator Staat und negativen Presseberichten herumschlagen müssen, ob das Unternehmen das will oder nicht.
Kommt Apple auch in Europa unter Druck?
Davon gehe ich aus. Die Behörden arbeiten wohl zusammen. Wenn die Federal Trade Commission (FTC) aktiv wird, lässt das die EU nicht kalt. Erst kürzlich musste sich das Konkurrenzunternehmen Microsoft dem Willen der EU-Kommission beugen, Microsoft muss in seinen Betriebssystemen jetzt neben dem Internet Explorer auch andere Browser anbieten. Dieses Beispiel zeigt: Für Apple könnte es auch in Europa bald ungemütlich werden – wenn das Unternehmen seine Beschränkungen nicht aufhebt.
Können solche Interventionen existenzgefährdend sein?
Nein. Apple ist auch noch weit davon entfernt, von aussen reguliert zu werden. Die Behörden haben, bildlich gesprochen, erst einmal ein Auge auf Steve Jobs und Co. geworfen. Das ist ein gutes Zeichen, denn dank diesem Druck ist davon auszugehen, dass Apple vom hohen Ross steigt. Apple kann sich das problemlos leisten.
Sie selber müssten als Ökonom skeptisch sein, was Regulierungen betrifft.
Ich habe Google vor zwölf Jahren noch nicht gekannt. Heute ist der Konzern so mächtig, dass einem Angst und Bange werden kann. Kein Markt ist dermassen dynamisch wie der Sektor der Informationstechnologie. Die FTC in den USA will nun offenbar Rahmenbedingungen schaffen, dass dies auch so bleibt. Die Staaten haben durchaus ein berechtigtes Interesse zu kontrollieren, dass Apple seine Erfolgsprodukte wie das iPhone und das iPad nicht missbrauchen, um Konkurrenten aus dem Weg zu räumen.
Was raten Sie Apple?
Die Firma sollte aufpassen. Die USA sind bekannt dafür, bei einer Ausserkraftsetzung des Wettbewerbs empfindlich zu reagieren. Die Microsoft-Chefs haben ihr Unternehmen früher als uneinnehmbare Bastion gesehen. Und heute? Heute ist Microsoft zwar immer noch sehr mächtig, aber nur ein Spieler unter vielen. Apple hingegen hat das Potenzial, auch in Zukunft den Takt vorzugeben – wenn dort aus der Geschichte der Konkurrenz die richtigen Lehren gezogen werden. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.06.2010, 08:59 Uhr
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54 Kommentare
Nicht nur die innovativen Produkte verhalfen Apple zum Erfolg. Der Schlüssel dazu ist gerade das kritisierte geschlossene System Durch das geschlossene System weiss der Softwareentwickler was für Gerätekonfiguartionen auf dem Markt sind. Das macht die Software vielzuverlässiger. Das geschlossene System wohl zu Recht aufzubrechen würde leider damit auch negative Folgen haben. Antworten
Den Satz «Apple ist das neue Microsoft» sage ich schon seit 2 Jahren! und Herr Thomas Hostettler, manchmal ist eben nicht die Marktmacht gemeint sondern das Geschäftsgebaren eines Konzerns. Think different gibt es jedenfalls schon lange nicht mehr bei Apple aber das ist eigentlich nichts als logisch. Antworten

























































































