«So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen»
Von Reto Knobel. Aktualisiert am 15.03.2010 20 Kommentare
Im Rückblick wirkt die Szene fast surrealistisch: 2007 schüttelt Google-Chef Eric Schmidt Steve Jobs vor versammelter Medienschar die Hände und gratuliert dem Apple-Chef zum neuen Produkt namens iPhone. Spasseshalber ist von einer Fusion zwischen den beiden Firmen die Rede («Applegoo»).
Doch mittlerweile herrscht dicke Luft. 2010 hat sich die Freundschaft in eine erbitterte Feindschaft verwandelt. Sie wurde virulent, als Schmidt 2009 nach drei Jahren seinen Posten als Apple-Verwaltungsrat räumte. Jetzt wurden neue Details über das Verhältnis der beiden IT-Giganten bekannt.
Giftpfeile an Apple-Sitzungen
Die «New York Times» zitiert einen Mitarbeiter aus Cupertino mit den Worten: «So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Ich war schon in vielen Apple-Meetings, wo viele Giftpfeile abgeschossen wurden. Das ist sehr gruselig.» Ein – leider ebenfalls anonym bleibender – Unternehmer im Silicon Vally sagt: «Das ist der Dritte Weltkrieg. Eine unglaubliche Feindschaft motiviert die beiden einflussreichsten Leute in der IT-Industrie. Das ist emotional, die grösste Ego-Schlacht in der Geschichte – eine Brandbombe.»
Negativer Höhepunkt dieser Animositäten war die unlängst bekannt gewordene Klage Apples (AAPL 562.29 -0.54%) gegen HTC. Das taiwanesische Unternehmen stellt unter anderem Google-Smartphones her. In der bei der amerikanischen Behörde für Aussenhandel (ITC) sowie dem Bundesbezirksgericht in Delaware eingereichten Rechtsschrift wirft Apple HTC vor, gegen 20 Firmenpatente verstossen zu haben.
Steve Jobs war für Brin und Page ein Vorbild
Apple muss sich zu Recht vor den Aktionen Googles (GOOG 591.53 -2.01%) in den Handymarkt fürchten. Laut einer neuen Analyse der Marktforscher von Gartner ist die Handysparte des Suchmaschinen-Unternehmens 2009 extrem gewachsen. Der Marktanteil aller Android-Smartphones, also der Handys mit einem Betriebssystem von Google, betrug 2009 bereits 3,9 Prozent (2008: 0,5 Prozent). Der Marktanteil hat sich also verachtfacht, derjenige Apples «nur» verdoppelt (allerdings auf einem viel höheren Niveau).
Die Rivalität auf dem Wachstumsmarkt Mobiltelefonie hat laut «New York Times» nun das Verhältnis zwischen den Firmenchefs mehr als abkühlen lassen. So seien die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin früher gern gesehene Gäste in Steve Jobs' Büro in Cupertino gewesen, Brin sei ausserdem oft bei Spaziergängen mit Steve Jobs in der Nähe von dessen Privathaus in Palo Alto gesichtet worden. Auch Google-Chef Eric Schmidt habe oft mit Jobs zusammen gegessen, dieser wiederum habe nie gezögert, «Schmidt direkt anzurufen und ihn nach seiner Meinung zu fragen».
Muss Apple günstiger werden?
Apple hat sich zum Bericht nicht geäussert. Und Google? «Apple», so ein Unternehmenssprecher, «ist ein hoch geschätzter Partner, und wir haben grossen Respekt vor dem, was das Unternehmen in den letzten 30 Jahren erreicht hat.»
Trotz diesen warmen Worten – der aktuelle Disput dürfte erst der Anfang sein: «Ich bin sicher, das wird noch viel hässlicher», zitiert die «New York Times» den Harvard-Professor und Informatik-Spezialist David B. Yoffie. «Um Apple zu schlagen, muss Google sehr aggressiv sein. Wenn das Unternehmen erfolgreich ist, kommen die Preise für Apple-Produkte unter Druck.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.03.2010, 15:30 Uhr
Kommentar schreiben
20 Kommentare
Die Geschichte mit HTC hat das Fass überlaufen lassen. Seit 10 Jahren bin ich Apple User, werde aber wieder Linux einsetzen. Vor 10 Jahren war Apple eine Kultbude. Jetzt regiert dort nur noch die Gier. Apple ist leider nur noch Mittelmass was Hardwarequalität betrifft. Schade eigentlich. Antworten
























































































