«Wenn du es eilig hast, setze dich» (1)
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Es ist Frühling, und mit der wärmenden Sonne kriechen die Menschen wie die Ameisen aus ihren Löchern und wuseln umher, was man gemeinhin auch umgraben, joggen oder Ausgang nennen könnte. Da und dort werden wieder ein paar Sitzbänke montiert, weniger in der Berner Innenstadt und schon gar nicht im Bahnhof, möglicherweise, weil dort vor allem gewuselt und konsumiert werden soll. Gerade ältere Menschen, die sich in solchen Wuselzonen auf Bänken niederlassen, stellen dort ein bedrohliches Memento dar: Im Gegensatz zu uns, die wir von Ort zu Ort, von Termin zu Termin hetzen, haben die Alten Zeit. Viel Zeit.
«Wenn du es eilig hast, setze dich», lautet ein chinesisches Sprichwort. Es mahnt uns daran, im kopflosen Trubel innezuhalten und uns darauf zu besinnen, was wirklich wichtig ist. Hetze ist ja oft nicht vorübergehend, sondern eine Lebenseinstellung mit einer gefährlichen Eigendynamik: Unter Zeitdruck fallen uns die banalsten Dinge ein, die plötzlich sofort erledigt sein müssen, wir sagen ja, wenn wir eigentlich nein meinen, übergehen achtlos Menschen, die unsere Hilfe benötigen, bauen Unfälle, weil wir unkonzentriert sind, werden krank, weil wir uns selbst keine Aufmerksamkeit widmen.
«Wenn du es eilig hast, setze dich.» Seien wir den Alten, Langsamen und Gemütlichen doch dafür dankbar, dass sie uns immer wieder daran erinnern.
Erstellt: 13.04.2011, 17:39 Uhr





