Vom Pflücken und Pflanzen (1)
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Als Kinder waren wir nicht zimperlich, wenn es um die Erfüllung unserer Wünsche ging. Uns interessierte nur, dass jemand – gleich ob es die Eltern, Tanten, Onkel oder auch die rot-weisse Kapuzengestalt, die wir verehrten oder auch verängstigt ansahen – die ersehnten Geschenke brachte. Jedoch entschied eines Tages unweigerlich jemand, dass wir für diesen Anlass «zu alt» sind, sodass dieser schöne Spuk ein jähes Ende fand. Was in die Welt blickt, ist ein trübes, verweintes Kinder- und ein ironisches, realitätsnahes Erwachsenenauge.
Dennoch sucht der erwachsene Mensch weiterhin Mittel und Wege, um diverse magische Momente aufrechtzuerhalten, ohne dabei schief angeschaut zu werden: So blasen die meisten weiterhin gerne ihre Geburtstagskerzen aus (v.a. zu runden Geburtstagen) und schicken mindestens einen Wunsch gen Himmel: Von Fältchen und weissen Haaren, die noch einige Jahre ungesehen bleiben sollten, bis zu einem Sechser im Lotto ist die Wunschliste ellenlang. Unzählige Früchte hängen daher noch an der Himmelskrone und sehnen sich danach, abgeholt zu werden, bevor sie wegen des täglichen Zuwachses an Bedürfnissen und des immer grösser werdenden Gewichts für immer entfernt werden müssen.
Nun, mein Körper wird eines Tages dahinwelken, doch meine Wünsche möchte ich so viele wie möglich erfüllt sehen. Gerne werde ich meinen Stern, den ich für mich in der Freiheit greifbar deponiert habe, von Zeit zu Zeit pflücken gehen. Es wäre schön, auch dich dort vorzufinden.
Erstellt: 15.02.2011, 17:13 Uhr





