Reichtum (10)
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Meine Grossmutter war eine reiche Frau. Sie war Vorsteherin eines Bauernhofes. An ihrem Tisch und in ihrem Herzen fanden Jung und Alt, Ausländer, Spinner und Behinderte einen Platz. Mit ihrem Reichtum verköstigte sie oft 10 Personen an ihrem Tisch. Es wurde nicht nur gegessen, es wurden Geschichten erzählt und über Gott und die Welt diskutiert.
Sie fand Zeit zum Zuhören und interessierte sich für alles und jeden. Sie sass in ihrem Sessel und erzählte uns immer wieder die gleichen Geschichten. Vom arroganten Löwen, der brüllend im Netz gefangen sass, und der kleinen Maus, die ihn befreite, indem sie mit den Zähnen sein Netz durchbiss. Nachdem der Löwe befreit war, schlossen die beiden Freundschaft, und jeden Sonntag, wenn die Bauern in der Kirche sassen, konnte die Maus mit ihren Jungen auf dem Rücken des Löwen reiten.
Hat mir diese Geschichte Mut gemacht, mit 55 Jahren ein Wirtschaftsstudium zu beginnen? Ich wollte den Löwen kennen lernen und durchkaute manche Schnur an seinem Netz. Ich las nächtelang vor Begeisterung, weil ich endlich verstand, welch ungeheuerlicher Krimi täglich vor unseren Augen abgeht! Reichtum ist da, wo wir «gwundrig» werden und uns begeistern lassen. Reichtum ist da, wo wir den Löwen durchschauen und einen Überblick bekommen. Reichtum heisst nicht Geld anhäufen, Reichtum findet im Herzen statt.
Ich hoffe, dass ich in meinen Lesern den «Gwunder» wecken konnte, und danke Ihnen, dass sie meinen Gedanken gefolgt sind und mich immer wieder gewählt haben.
Erstellt: 09.11.2010, 16:59 Uhr





