Ein Relikt (1)
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Sie heisst Mira. Ich kenne sie noch nicht lange. Es handelt sich gewissermassen um Liebe auf den ersten Blick. So albern sich diese Floskel liest.
Ich blicke durch die Glastür, die noch geschlossen ist. Bin gleich zurück, steht angeschrieben. Wir warten. Ich warte. Da ist er wieder, der Mann. Gruss, und sofort steuere ich auf Mira zu. Grinsend schweigt sie mich an. Ob sie steht, ob sie geht, frage ich mich. Das Schweigen sagt wohl genug. Zahlen drehen sich im Kreise, halten mich ab.«Ob wir vielleicht einen Kaffee kriegen?», frage ich den Mann, der uns dann gemächlich und freundlich bedient. Und da sitzen wir. Trinken Kaffee. Denken nach. Ich denke nach. Lenke mich ab mit Kaffee – komme dennoch nicht von Mira ab.
Unbemerkt ergreifen da meine Freunde die Initiative. Kurzerhand ein Gespräch über Miras Vergangenheit. Hat wahrlich eine lange Geschichte auf dem Buckel, hatte seinen Grossvater begleitet, viele Jahrzehnte lang. Zum Beispiel. Parallel dazu liegt Mira schon in seinen Händen, haben sich die Zahlen doch scheinbar freundlich und rasch abgerundet. Der Mann verschwindet mit Mira.
Momente später, als Geschenk verpackt, wird sie durch ihn meinen Freunden übergeben, die mich nun grinsend angucken. Ich erwidere den Blick in wahrlich gerührter Verfassung. Mir ist, als geschehe mir ein plötzlicher Geburtstag.
Wir verlassen den Antiquitätenladen und somit den Mann, der soeben ein Stück seiner Geschichte weg- und weitergibt. Seither hängt Mira an meiner Küchenwand. Ein Relikt der Schweizer Uhrwerksgeschichte. Sie tickt, so ziehe ich sie auf, präzise. Lässt mich daran denken, wie der Grossvater wohl ihr Rad gedreht hat, um ihr wieder für Stunden Atem zu geben. Nun übernehme ich diesen Part. Ich mag dieses rhythmische Ticken.
Erstellt: 25.01.2011, 17:50 Uhr





