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Zuckerwatte aus Eis

Von Andreas Seiler. Aktualisiert am 11.01.2012

Leser Rolf Rubin aus Fraubrunnen ist auf seinem morgendlichen Waldspaziergang auf das seltene Phänomen Haareis gestossen und hat es für das «Forum» fotografiert. Doch was ist Haareis?

Mit dem Handy in Szene gesetzt: Rolf Rubin hat ein eindrückliches Exemplar  Haareis bei einem Morgenspaziergang entdeckt und fotografiert.

Mit dem Handy in Szene gesetzt: Rolf Rubin hat ein eindrückliches Exemplar Haareis bei einem Morgenspaziergang entdeckt und fotografiert.
Bild: Rolf Rubin

«Es ist gar noch nicht lange her, da schmückte sich über Nacht der Wald mit Elfenhaar», schreibt Rolf Rubin aus Fraubrunnen in einer Mail. «Ich bin jedes Mal begeistert von dieser Laune der Natur.» Und schickt gleich – Handy sei Dank – zwei tolle Fotos dazu ein. Was auf den ersten Blick aussieht wie Zuckerwatte, ist ein Phänomen, das selten zu beobachten ist. Das Elfenhaar, wie Rolf Rubin es nennt, heisst auch Haareis oder Eiswolle. Doch was ist das? «An Wintertagen ohne Schnee mit Temperaturen knapp unterhalb von 0 Grad sind manchmal auf morschem und feuchtem Buchen- oder Eichenholz an einzelnen Stellen haar- oder watteartige Eisbildungen zu beobachten. Das nennt man Eishaar», heisst es in einem Artikel aus der «Naturwissenschaftlichen Rundschau» von Gerhart Wagner und Christian Mätzler (2009). Ihre Entstehung wurde bislang jedoch, so die beiden Biophysiker, noch nicht befriedigend geklärt. Sicher ist, dass die 0,1 bis 0,2 Millimeter dicken Eishaare aus dem im Holz enthaltenen Wasser und nicht aus Luftfeuchtigkeit entstehen.

Pilze als Geburtshelfer

Zudem haben die beiden Forscher herausgefunden, dass es für die Bildung der bis zu 10 Zentimeter langen Haare einen Pilz im Innern des toten Holzes braucht, der dieses Wunder der Natur überhaupt möglich macht: Die Pilze stossen Gase ab, die das kalte Wasser im Innern des Holzes an die Oberfläche stossen. Dort gefriert – bei richtiger Temperatur – das austretende Wasser zu feinen Haaren und wächst, weil die Gase die Flüssigkeit weiter an die knapp unter 0 Grad liegende Luft schieben. Ist das Wasser im Holz bereits gefroren, ist das Wachstum logischerweise ausgeschlossen.

Es sind also die speziellen Wetterumstände, die das Entstehen von Haareis erst ermöglichen: ein Regen, dessen Wasser vom morschen Holz aufgesaugt wird; sinkende Temperaturen bis knapp unter 0 Grad und ein Pilz, der Gase entwickelt. Und fertig ist dieses seltene Phänomen der frühen Morgenstunden im Wald, diese Zuckerwatte aus Eis. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.01.2012, 08:40 Uhr

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