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«Wenn ich zu Hause bin, habe ich stets das Bedürfnis, einen Flug zu buchen»

Von ¨Claudia Salzmann. Aktualisiert am 29.11.2011

Martina Zürcher nutzt jede Gelegenheit, um in der Welt umherzureisen. Seit acht Jahren verschlägt es sie immer wieder in die Mongolei. Denn dort leitet sie eine Kinderhilfsorganisation.

«Wenn ich reise, vermisse ich Schokolade und Käse», sagt Martina Zürcher aus Biel. Auf Reisen ist die 31-Jährige oft, so zum Beispiel, wenn sie in der Mongolei ihr Kinderhilfsprojekt besucht. (Bild: Enrique Munoz Garcia)

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Temperaturmässig ist die Mongolei nicht unbedingt Martina Zürchers Traumland. Lieber reist sie in Länder, wo die Sonne heiss vom Himmel brennt. Doch als ihre Freundin Christine Jäggi vor acht Jahren vorschlug, eine Gruppenreise in die Mongolei zu machen, war Martina Zürcher Feuer und Flamme. Damals wusste sie noch nicht, wie sehr dieses Land ihr Leben verändern sollte.

Schon während der Ferien entstand die Idee, eine Suppenküche für Strassenkinder aufzubauen. Mit Jäggi und einem lokalen Reiseführer spann sie die Idee weiter. Als die 31-Jährige aus den Ferien zurückkam, wurden die Pläne konkret, ein Verein wurde gegründet und Geld aufgetrieben. Heute werden im Projekt «Bayasgalant, Kinderhilfe Mongolei» 75 Kinder in der Hauptstadt Ulan Bator umsorgt. Dass sie einmal eine Kinderhilfsorganisation führen würde, hätte Martina Zürcher nicht geglaubt. Auf die Frage, ob sie selber auch Kinder wolle, antwortet sie lachend: «Eigentlich nicht, 75 Kinder sind schon genug.»

Floristin und Moderatorin

Martina Zürcher arbeitete ursprünglich als Floristin. Danach verschlug es sie zum Radio, wo sie fast zehn Jahre moderierte. Für ihre Familie sei klar gewesen, dass sie irgendwann beim Radio landen würde. «Als Kind habe ich Fernsehsendungen wegen der Moderatoren geschaut», erinnert sie sich. Thomas Gottschalk sei einer ihrer Lieblinge gewesen. Als Nächstens fing die gebürtige Aarbergerin ein Kommunikationsstudium in Winterthur an und blieb beim Radio als Musikredaktorin. Das Projekt «Bayasgalant» begleitet Martina Zürcher seit fast acht Jahren, und heute, nach dem beendeten Studium, arbeitet sie 40 Prozent pro Woche dafür. «Eigentlich ist es mehr, doch das macht nichts. Es ist ja mein Baby», gibt sie zu, und ihre tiefblauen Augen leuchten. Finanziell über Wasser hält diese Arbeit sie nur knapp, weshalb sie zusätzlich als Barkeeperin tätig ist. Wer im Pooc in Biel verkehrt, der hat hier die gross gewachsene Brünette vielleicht schon hinter dem Tresen angetroffen.

Geld im Kühlschrank versteckt

Beim Reisen, aber auch daheim lebt Martina Zürcher bescheiden. «Meine Mitmenschen sind mir wichtiger, als Dinge zu besitzen», sagt sie. Mit einer Jugendfreundin, einer Zauberkünstlerin, teilt sie sich in Biel eine günstige Wohnung und nutzt jede Gelegenheit, um zu reisen. Ihre Lieblingsdestination ist Indien, wo sie ein Auslandsemester absolvierte. Auch die grosse Liebe fand sie dort, als sie sich in einen Yoga-Lehrer verliebte.

Nächstes Jahr geht es aber voraussichtlich nach Australien. «Wenn ich reise, vermisse ich Schokolade und Käse. Bin ich jedoch zu Hause, so habe ich stets das Bedürfnis, einen Flug zu buchen», erklärt sie ihr Fern- und Heimweh. Auch die Mongolei besuchte sie natürlich unzählige Male. «Ich wohne dann bei Bekannten, die eine Pension haben und mein Geld nie annehmen wollen», erzählt sie. Einmal habe sie das Geld einfach im Kühlschrank versteckt und sei abgereist.

«Music for Children» In der Kufa Lyss am 19.11. ab 22 Uhr Benefizkonzert mit Luk von Bergen, Sebastian Portillo, Strozzini und Nils Burri. Eintritt 15 Franken.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.11.2011, 17:04 Uhr

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