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«Um mich herum muss es glitzern»

Von Anina Bundi. Aktualisiert am 17.05.2011

Mit Glitzer sieht alles gleich viel besser aus. Dieses Credo hat sich Melanie Rodel zu Herzen genommen und lebt es Tag für Tag aus. Denn die 30-jährige Bernerin ist Body-Art-Künstlerin und Designerin. Das heisst, sie lebt davon, menschliche Körper zu bemalen.

Keine Lust auf Büroarbeit: Melanie Rodel tobt sich lieber künstlerisch aus. Beim Bodypainting – dem Bemalen von Körpern – kann sie das optimal.

Keine Lust auf Büroarbeit: Melanie Rodel tobt sich lieber künstlerisch aus. Beim Bodypainting – dem Bemalen von Körpern – kann sie das optimal.
Bild: Susanne Keller

Dass Melanie Rodel kein 08/15-Leben mit 08/15-Job wollte, war ihr schon immer klar. «Um mich herum muss es glitzern», sagt sie. Ein Besuch in ihrem Atelier an der Schwarzenburgstrasse in Köniz zeigt, dass sie ihre Wünsche umgesetzt hat: Unzählige Farbtöpfchen, Sprays und Tuben, bemalte Masken, Haarteile, Kunstwimpern, glänzende Stoffe und Pailletten-Kostüme sind im Raum verteilt. An den Wänden und der Decke hängen Plakate, Fotos ihrer Werke, Entwürfe und Skizzen. Ein Bild, das sie nach einem Foto von sich selber gemalt hat steht am Boden. Glanz, Glitter und Farben in allen möglichen Formen zieren Melanie Rodels Atelier.

Sieben Jahre im Zirkus aktiv

Doch zuerst zog es Melanie Rodel in eine andere Glitzerwelt. Mit sechzehn ging sie zum Zirkus Nock und verliebte sich: In die Zirkusluft und in Alex Caroli, einen Jongleur aus Italien. Sieben Jahre lang zogen sie als Artistenpaar um die Welt. In 495 Städte und 15 Länder führten sie ihre Engagements. Sie assistierte ihm und bildete sich an Vertikalseil und Tüchern aus, bis sie mit eigenen Nummern auftreten konnte. «Es war eine wunderschöne Zeit», sagt Melanie Rodel. Doch der Job ging sehr an die körperliche Substanz, und der Gesundheit zuliebe machte sie schliesslich Schluss damit. Alex Caroli zog weiter und Melanie Rodel kehrte heim nach Bern. Zurück in der Heimat jobbte sie sich durchs Leben. Bei der Swisscom war sie Leiterin eines Shops. Doch so richtig gefiel ihr das nicht. Die Tage fingen an, gleich zu sein. Immer öfter fragte sie sich, was sie da eigentlich wolle, wenn sie morgens den Laden betrat. In der Zeit entdeckte sie das Bodypainting als Hobby und landete gleich bei ihrem ersten Wettbewerb in Mailand einen Achtungserfolg. «Da beschloss ich, nur noch malerisch tätig zu sein und lebe seither als Body-Art-Künstlerin und Designerin», so Rodel.

Einen Tag lang stillhalten

Kein Tag ist nun mehr gleich wie der andere, das Spektrum ihrer Arbeit ist riesig: vom Firmenlogo mittels Airbrushing, übers Babybauch-Painting bis zur kunstvollen Ganzkörper-Pinselarbeit, für die jemand gut und gern mal einen Tag lang stillhalten muss. Über mangelnde Arbeit kann Melanie Rodel nicht klagen. Das zeigt ein Blick in ihre Agenda: Am Mittwoch half sie zwei angehenden Coiffeusen bei einer Projektarbeit. Am Donnerstag dann ein eher simpler Auftrag: An einem Ärztekongress färbte sie für eine Performance 25 Personen von Kopf bis Fuss blau ein. Am Freitag bekam Liza Andrea Kuster, die amtierende Miss Earth Schweiz, ein «Fine Art Bodypainting». Am Wochenende hatte Melanie Rodel Zeit für ein eigenes Projekt. Sie fuhr mit sechzehn Freundinnen aufs Land und fotografierte sie rot angemalt in einem Rapsfeld. Am Montag schliesslich war Miss Suisse Romande Aline Bacher für den Brustkrebskalender 2012 bei ihr.

Podestplatz in Thailand

Auch der jetzige Beruf trägt Melanie Rodel rund um die Welt. An Wettbewerben verdient sie nichts und ist auf Sponsoren angewiesen. Als international bekannte Künstlerin wird sie inzwischen aber meistens von den Organisatorinnen eingeladen. So wie diesen Frühling nach Thailand, wo sie den 3. Rang von 20 der weltbesten Bodypaintingkünstlern erreichte. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.05.2011, 18:14 Uhr

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