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«Schreiben kann echt süchtig machen»

Von Christian Werder. Aktualisiert am 14.12.2010

Peter Maibach arbeitet als Steuerexperte bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung. In seiner Freizeit taucht er jedoch in eine Welt ein, die rein gar nichts mit Steuerproblemen zu tun hat: Er ist Autor dreier Romane und zahlreicher skurriler Kurzgeschichten.

<b>Begeisterter Freizeitschriftsteller:</b> Peter Maibach mit seinen Büchern im Lichthof der Eidgenössischen Steuerverwaltung.

Begeisterter Freizeitschriftsteller: Peter Maibach mit seinen Büchern im Lichthof der Eidgenössischen Steuerverwaltung.
Bild: Beat Mathys

Er sitzt in seinem Büro an der Schwarztorstrasse in Bern und lacht seinem Gegenüber schallend ins Gesicht. «Jaja, es mag durchaus etwas befremden, wenn ein Steuerbeamter in seiner Freizeit Fantasyromane und andere schräge Geschichten schreibt. Aber etwas Fantasie braucht es schliesslich auch, wenn man sich mit abstrakten Steuerproblemen auseinandersetzt», meint Peter Maibach gut gelaunt. Und dieser Eindruck, der des gut gelaunten, unkomplizierten Gesprächspartners, der bleibt.

Maibach ist einer, der offen auf einen zugeht, der gerne erzählt, aber auch aufmerksam zuhören kann. Eigentlich nicht erstaunlich, dass er heute 57-Jährige vor rund zwanzig Jahren das Schreiben für sich entdeckte. Doch der Reihe nach. Geboren wurde Peter Maibach in den USA. Aber schon wenige Monate nach seiner Geburt zog die Arztfamilie in die Schweiz, nach Wabern bei Bern. Dort besuchte er die Schulen, danach absolvierte er eine KV-Lehre in einem Berner Treuhandbüro. 1976 wechselte er in die Eidgenössische Steuerverwaltung, liess sich zum diplomierten Buchhalter/Controller ausbilden, arbeitete für die Steuerverwaltung als Buchprüfer im Aussendienst, wurde Sektionschef in der Abteilung Mehrwertsteuer. Heute arbeitet Maibach in dieser Abteilung bei einem IT-Projekt mit. Ja, und dann kommt zur Berufskarriere die Schreiberei hinzu. Warum eigentlich?

Ein «Bauchgefühl»

«Den Ausschlag gab wohl meine Zeit im Aussendienst. Ich begegnete dort Menschen mit verschiedensten sozialen und kulturellen Hintergründen. Als Buchprüfer lernte ich seriöse Geschäftsführer ebenso wie Freaks, Grümscheler oder etwa Erfinder kennen», erzählt Peter Maibach. Da seien interessante Gespräche entstanden, manchmal verrückte Geschichten zum Vorschein gekommen. «Irgendwie» sei dann bei ihm so ein «Bauchgefühl» entstanden, selber erlebte und ihm zugetragene Storys aufzuschreiben. Oder aber Geschichten gleich selber zu erfinden.

Keine «bluemete Trögli»

Gedacht, getan. 1996 schliesslich erschien sein erstes Buch. «Bärbeli», so der Titel, ist ein Sammelsurium von Kurzgeschichten in Berndeutsch. Geschichten über den Alltag, über Liebe, Begegnungen, Spaziergänge und Schicksale. Meist amüsant, manchmal nachdenklich, hin und wieder verschroben. «Ich wollte Geschichten in einer ehrlichen, leicht verständlichen Umgangssprache verfassen», betont Peter Maibach. Er könne mit verklärtem «Bluemete-Trögli-Stil» schlicht und einfach nichts anfangen.

Der Erfolg sollte ihm recht geben. Das von seiner Frau, der Kleinverlegerin Rosmarie Bernasconi, herausgegebene Buch verkaufte sich «wie warme Weggli»: 1500 Stück wurden in kurzer Zeit abgesetzt. Weitere Berndeutschgeschichten sowie ein Fachbuch («Das Jahrhunderthochwasser in der Berner Matte») folgten. Dann wagte sich Maibach an seinen ersten Roman in deutscher Sprache. «Helens Bild», ein abenteuerlicher Krimi, erschien 2001. Vier Jahre später schob Peter Maibach mit «Sandors Figurenspiel» eine skurrile Fantasy- und Lovestory nach. Und eben erst erschien «Sieben Berge». Diese Geschichte handelt vom Schicksal zweier Menschen und von ihrem Bergdorf. Maibach schrieb das Buch gemeinsam mit seiner Frau, mit der er seit vielen Jahren in der Matte lebt.

«Austoben und abschalten»

Schreiben ist für Peter Maibach Berufung, aber nicht Berufswunsch. «Ich engagiere mich voll in meinem Job bei der Steuerverwaltung. Das Schreiben ist eine Tätigkeit, die ich ausschliesslich in der Freizeit ausübe. Das hat den Vorteil, dass ich keinem Druck ausgesetzt bin, dass ich also schreiben kann, was ich selber wirklich will», erklärt er bestimmt. Schreiben sei für ihn gleichsam «austoben und abschalten», sinniert er. Und: «Schreiben kann wirklich süchtig machen.» Eine kreative Sucht, die ihn bereits wieder antreibt, ein weiteres Buchprojekt zu verwirklichen. Etwa ein Jahr lang wird er planen, vorbereiten, das Grundmuster zur Story verfassen. Danach will er die Geschichte innert eines Jahres niederschreiben. Und wovon handelt sie? Peter Maibach lächelt verschmitzt. «Von zwei völlig verschiedenen Charakteren und ihren verschiedenen Welten», verrät er. Mehr nicht. Man darf also gespannt sein auf den nächsten schriftstellerischen Wurf des eidgenössischen Steuerexperten Peter Maibach.

Die Bücher von Peter Maibach sind in verschiedenen Buchhandlungen oder direkt beim Verlag Einfach Lesen (www.einfachlesen.ch) erhältlich. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.12.2010, 18:03 Uhr

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