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«Nur Haushalten wäre langweilig»

Von Raphael Hadorn. Aktualisiert am 01.02.2012

Hildegard Schmutz strickt für einen guten Zweck: Die 77-Jährige aus Bolligen fertigt Halstücher und Mützen für Menschen in Not, hauptsächlich für jene in Osteuropa.

Früher habe sie Kleider für ihre Grosskinder gestrickt, erinnert sich die heute 77-Jährige. Doch diese wurden älter, und Hildegard Schmutz hängte ihre Stricknadeln an den «Nagel» – jedoch nicht für immer. Seit 2008 wird im Einfamilienhaus am Hühnerbühlrain in Bolligen wieder gestrickt – fast täglich. Die Empfänger ihrer Waren sind nicht mehr Verwandte, sondern Fremde. Menschen, die sich darüber freuen, wie es wohl kaum jemand in der Schweiz tun würde. «Für diesen Winter habe ich 40 Halstücher und 48 Mützen gestrickt», sagt Schmutz nicht ohne Stolz. Dem nicht genug: Wann immer es sich ergibt, kauft sie zusätzlich noch weitere Waren in Brockenhäusern. Übergeben hat sie auch in diesem Jahr alles der Christlichen Ostmission in Worb, welche zusammen mit drei weiteren Hilfsorganisationen das jährliche Projekt «Aktion Weihnachtspäckli» betreut. Mit Erfolg: 26 Sattelschlepper transportierten insgesamt 86400 Päckli aus der ganzen Schweiz vor allem in die Ukraine und die Moldau, aber auch nach Weissrussland, Rumänien, Serbien, Albanien und Bulgarien.

Menschen glücklich machen

Immer eine Mütze und ein Halstuch in der gleichen Farbe macht Hildegard Schmutz. Ihre Ware zu verkaufen, das würde für sie nie infrage kommen. «Das wäre nicht das Gleiche.» Die Rentnerin will etwas Gutes tun. Ihre Belohnung: glückliche, dankbare Gesichter – wenn auch nur auf Video. «Sie haben uns einen Film gezeigt, den sie vor Ort gedreht haben», berichtet Schmutz, und weiter: «Es war schön, zu sehen, mit welcher Spannung die Leute auf die Päckli warten.» Die Vorfreude der Bevölkerung sei riesig gewesen.

Immer unterwegs

Hildegard Schmutz wirkt für ihr Alter sehr rüstig. Sie ist halt auch immer auf Trab. Vor rund zwei Jahren ist ihr Mann verstorben, doch Schmutz sagt: «Mir ist es seither noch nie langweilig gewesen.» Zum Plausch verlässt sie allerdings nie das Haus. «Ich habe immer einen Auftrag», sagt Schmutz und meint damit einen Auftrag von Gott. So besucht sie Freunde, bedürftige Menschen, nimmt an Gebetsgruppen teil oder geht in die Kirche. Hauptsache, es ist etwas los. «Ich danke Gott, dass ich das alles in meinem Alter noch tun kann, nur haushalten, das wäre langweilig.»

Stricken als Medizin

Mit dem Stricken hilft Hildegard Schmutz nicht nur zahlreichen Menschen in Not, sondern ab und zu auch ein wenig sich selber. «Wenn ich nicht einschlafen kann, stricke ich einfach so lange, bis ich müde bin , und erspare mir so eine Tablette.» Rund drei Stunden braucht sie für eine Mütze – und auch ein Halstuch ist in einem Tag fertig, wenn es denn sein muss.

Frieden auf Erden

Leider seien heute viele Leute uneinsichtig, ärgert sich Schmutz über die Gesellschaft, und weiter: «Drei Viertel der Leute sind egoistisch, unbarmherzig oder negativ eingestellt – das ist traurig.» Es gebe doch tatsächlich Leute, welche ihr erzählen würden, dass sie nicht wüssten, was sie mit der AHV anstellen sollten. Dabei gäbe es doch so viel Leid auf dieser Welt zu lindern. «Ich möchte deshalb mithelfen, dass das Leben noch lebenswürdig ist.» So sei es auch wichtig, vergeben zu können, sagt Schmutz, die sich persönlich vor allem eines wünscht: «Gesund bleiben» – auch damit sie noch viele Jahre viele Halstücher und Mützen für einen guten Zweck stricken kann. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.02.2012, 08:46 Uhr

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