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Langeweile ist für ihn ein Fremdwort

Von Raphael Hadorn. Aktualisiert am 19.01.2010

Dem 25-jährigen Berner Florian Waber wird es nie langweilig, im Gegenteil: Der gelernte Grafiker ist unter anderem Velokurier, Konzertveranstalter, Plakatzeichner, DJ und Vater eines dreijährigen Sohns in einer Person.

Sein Hauptberuf: Rund 300 Kilometer legt Florian Waber wöchentlich als Velokurier zurück.

Stefan Anderegg

Die Vaterrolle: Florian Waber erklärt seinem dreijährigen Sohn 
Jérôme das Leiterlispiel.

Die Vaterrolle: Florian Waber erklärt seinem dreijährigen Sohn Jérôme das Leiterlispiel. (Bild: Stefan Anderegg)

Sein erlernter Beruf: Grafiker Florian Waber beim Zeichnen eines
Plakats für die Veranstaltungsserie «Groovebox».

Sein erlernter Beruf: Grafiker Florian Waber beim Zeichnen eines Plakats für die Veranstaltungsserie «Groovebox». (Bild: Cagle.com/Stefan Anderegg)

Knapp 300 Kilometer legt Florian Waber pro Woche als Velokurier zurück. «Wenn andere nach der Arbeit noch ins Fitnesscenter müssen, habe ich meinen Sport bereits gemacht», sagt er. So hat er Zeit für andere Beschäftigungen – und von denen gibt es reichlich viele.

Die Rolle als Vater

Aufgewachsen ist Florian Waber in Neuenegg. Nach der obligatorischen Schulzeit besucht er in Bern das Lerbermatt-Gymnasium, später beginnt er in Biel die Fachklasse Grafik. Neben der Ausbildung geniesst er vor allem das Nachtleben. «Ich hatte eine wilde Jugendphase», sagt er denn auch – bis seine damalige Freundin Silvia schwanger wird. Doch als sie im März 2006 den gemeinsamen Sohn Jérôme zur Welt bringt, sind die beiden bereits kein Paar mehr. Zu Beginn sei er mit der Rolle als Vater überfordert gewesen, gesteht er, doch mittlerweile ist Jérôme «ein Teil meines Lebens, ein schöner Teil». Jeweils Donnerstags, regelmässig am Freitag sowie an jedem zweiten Wochenende hütet er seinen Sprössling. Doch zurück zu Florian Wabers Ausbildung in Biel. Im Sommer 2008 kann er diese erfolgreich abschliessen und sich fortan Grafiker nennen. Aber fünf Tage die Woche, acht Stunden am Tag seinem Job nachgehen, das will er nicht. «Nach 16 Jahren Schule brauchte ich eine Luftveränderung.» Waber findet diese bei den Velokurieren Bern. Mittlerweile ist er dort mit einem Pensum von 40 bis 50 Prozent beschäftigt. Eine Schicht dauert fünf Stunden – und ist anstrengend. Bei einer Doppelschicht legt er rund 120 Kilometer an einem Tag zurück.

Mit Freude an der Arbeit

Einen Job, den er so schnell nicht aufgeben will, «denn das Team ist fantastisch». Klar, im Winter stosse man an seine körperlichen Grenzen, und auch im Sommer, bei Temperaturen über 30 Grad. Wichtig sei einfach, dass man konzentriert bleibe. «Oft muss man acht Sendungen gleichzeitig vertragen und zudem noch den Verkehr im Auge behalten», erklärt er. «Erholen» könne man sich auf weiten Fahrten, wie etwa nach Belp oder Wichtrach. Hier komme dann manchmal auch die eine odere andere Idee, was das Gestalten des nächsten Plakats betreffe.

Die Musik als Leidenschaft

Denn auch den Grafikjob will er nicht aufgeben. «Ich will mir einfach alle Optionen offenhalten», sagt er. Waber ist Mitglied beim «Kollektiv Dachstock» der Berner Reitschule. Für die Veranstaltungsserie «Groovebox» zeichnet er die Plakate, deren sechs pro Jahr. Zudem arbeitet er am Wochenende oft an der Kasse oder der Garderobe des Dachstocks. Auch gehört er dem «Kollektiv Festmacher» an. Diese Gruppe veranstaltet regelmässig Partys in der Reitschule, einer leeren Fabrikhalle oder im Sommer auch einmal irgendwo im Wald. Dass er dabei für das Gestalten der Plakate und Flyer zuständig ist, erklärt sich von selbst. Oft steht er zudem bei «seinen» Partys selber hinter dem DJ-Pult, womit wir bei Wabers grösster Leidenschaft wären, der Musik. Etwa vier Mal pro Monat legt er als DJ elektronische Musik auf. «Auf diesem Gebiet möchte ich weiterkommen.» Dafür investiert Waber immer mehr Zeit. «Ich bin daran, mir einen Traum zu erfüllen», sagt er. Im Sommer ist eine Tour an diverse Festivals geplant, auch möchte er einmal einen eigenen Tonträger aufnehmen.

Ein Lebenskünstler

«Ich arbeite über 100 Prozent», ist sich Waber bewusst. Freizeit bleibt kaum. Und diese widmet er dann nach Möglichkeit seiner Freundin Maria, mit welcher er seit knapp zwei Jahren zusammen ist. «Wenn ich wirklich abschalten will, dann fahre ich am besten ins Ausland», sagt er. Abschalten zu Hause ist nämlich nicht ganz einfach, denn Waber wohnt an der Murtenstrasse in einer Neuner-WG. Florian Waber ist ein Lebenskünstler, wie er im Buche steht. «Ich habe keinen hohen Lebensstandard, reich werde ich mit meinen Jobs nicht», sagt er, doch viel wichtiger: «Ich mache das, was ich gerne mache.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.01.2010, 15:50 Uhr

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