«Irrsinnige Preisdifferenzen»
«In der Optiker- und Hörgerätebranche in Thun gibt es irrsinnige Preisdifferenzen. Für eine korrigierte Gleitsicht-Lesebrille sollte ich bei Tobler Optik im MMM-Zentrum Thun 1699 Franken bezahlen, bei der Fielmann AG im Bälliz Thun bezahlte ich später hingegen nur 739 Franken. Bis heute erhielt ich trotz mehrfacher Korrespondenz und Zahlungsrückforderungen für die bereits geleistete Teilzahlung meines bewilligten Sozialhilfegeldes von 850 Franken von Tobler Optik nichts zurückbezahlt. Ich hatte bereits damals – beim erstmaligen Anprobieren der Tobler-Brille – mitgeteilt, dass ich durch die Brille leicht verzerrt sehe und dass sie Kopfschmerzen verursache. Doch meine Einwände wurden vom Tisch gefegt. Der Hammer war aber die spätere Bemerkung der Tobler Optik, als ich wegen des zu hohen Preises reklamiert hatte. Man sagte mir, wenn sie gewusst hätten, dass ich Sozialhilfeempfängerin sei, so hätten sie bestimmt eine günstigere Variante gefunden. Ich habe diese Brille Tage später vollständig samt Rechnung retourniert. Zu bemerken ist, dass ich bereits vor dem Sehtest erklärt habe, dass ich alleinerziehend und Sozialhilfeempfängerin bin. Ich werde wohl oder übel auch in Zukunft noch an vielen «Rüebli» knabbern müssen, denn einen Anwalt kann ich mir nicht leisten.» Ursula Niederhauser Heinrich Merkert, Geschäftsführer Tobler Optik&Hörgeräte, nimmt dazu wie folgt Stellung: «Frau Niederhauser kann bei Optik&Hörgeräte Tobler ein Super-Komplett-Gleitsicht-Angebot mit Eigenmarkenfassung, bester Entspiegelung und Härtung ab 350 Franken bekommen. Doch sie sagte damals, sie wolle das beste. Wir sagten ihr den Preis, mit dem sie dann auch einverstanden war. Frau Niederhauser hat die Brille erst nicht abgeholt und war dann nicht zufrieden, was ich sehr bedaure. Wir hätten ihre Brille auch gerne getauscht, doch sie hatte gleichzeitig schon eine Brille bei Fielmann bestellt. Zudem hat sie meine Mitarbeiter und mich beleidigt (u.a. damit, dass wir Sozialgeldbetrüger seien). Anders gesagt: Frau Niederhauser hat einen Mercedes bestellt, mit dem sie nicht zufrieden war. Sie gab uns auch keine Möglichkeit, die «Mängel» zu beseitigen, da sie jetzt lieber einen Golf von Fielmann will. Und da sollen wir schuld daran sein? Ich möchte auch gerne einen Mercedes, fahre aber einen VW, denn den Mercedes kann ich mir nicht leisten. Bin ich also ein Mensch zweiter Klasse? Ich bin froh, dass ich in der Schweiz leben und arbeiten darf, wo der Sozialdienst genug Geld hat, 850 Franken für eine Brille zu zahlen, und wie gesagt: Hätte Frau Niederhauser beim Kauf ein Wort gesagt, hätten wir ihr eine super Brille für 350 Franken angeboten. Uns sind alle Kunden gleich wichtig – egal, ob sie eine Brille für 49 oder 2000 Franken kaufen. Hauptsache, sie sind 120 Prozent zufrieden. Ich bedaure sehr, dass es so weit gekommen ist.»
Erstellt: 20.01.2012, 09:28 Uhr
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!





