«Ich liebe meine beiden Berufe»
Breitenrain-Modi
Berenice Dürig (27) ist zusammen mit vier Geschwistern im Berner Breitenrain aufgewachsen. Sie lebt auch heute noch in diesem Quartier in einer Wohngemeinschaft. Die ehemalige aktive Volleyballspielerin ist ein grosser Reisefan, geht leidenschaftlich gerne wandern und mag «gesellige Runden in einer tollen Beiz».cw
Bei einem heiteren Beruferaten würde wohl so mancher ins Staunen kommen. Gelernte Flächenmalerin? Da fehlt doch so jedes Klischee von «hemdsärmlig», «stämmig» oder was auch immer. Würde Berenice Dürig erklären, sie sei Drogistin, Lehrerin oder Bankangestellte: Kaum jemand würde ein Fragezeichen setzen. Aber die 27-Jährige aus dem Berner Breitenrainquartier hat tatsächlich eine Malerlehre absolviert und danach mehrere Jahre auf dem Beruf gearbeitet. Kennt den Baustellengroove also von der Pike auf.
«Noch während meiner Zeit an der Steiner-Schule in Ittigen durfte ich ein kurzes Praktikum in einer Malerei absolvieren. Ich war total begeistert. Und der Entscheid war gefällt: Ich wollte nach der Schulzeit Flächenmalerin lernen», erzählt die junge Frau. «Es war mein absoluter Wunschberuf.»
Anpacken und «werkeln»
Gedacht, getan. Beim Malergeschäft Pfister in Bern fand Berenice Dürig im 2002 eine Lehrstelle. 2005 schloss sie die Stifti erfolgreich ab. «Was mich bei diesem Beruf fasziniert, ist, dass man wirklich anpacken, dass man ‹werkeln› kann. Und man arbeitet auf ein Resultat hin,
das ganz einfach gefallen und stimmen muss», fasst sie den Reiz des Malerberufs zusammen. Und: «Ich habe halt Freude an Farben!»
Doch wie gestaltete sich der Alltag mit den als eher unzimperlich geltenden Jungs auf den Baustellen? «Klar gabs immer wieder mal dumme Sprüche, wenn man als Frau an solchen Orten arbeitete. Aber im Allgemeinen ging das wirklich sehr gut, ich wurde ernst genommen. Man darf einfach nicht ein ‹verschüpftes Ding› sein», betont Berenice Dürig. «Man muss schon selbstbewusst auftreten.»
«Noch mal was anderes tun»
Nach der Lehre unternahm die damals 21-Jährige mit einer Kollegin eine dreimonatige Reise durch Neuseeland. Nach der Rückkehr arbeitete sie wiederum in einer Malerfirma in Bern. Und plötzlich kam ihr dann der Gedanke, «noch mal etwas ganz anderes zu tun». Und zwar im Bereich Gastronomie. «Das Gastgewerbe hatte mich schon immer interessiert. Es ist alles in Bewegung, es lebt, man hat mit Menschen zu tun.»
Gedacht, getan. 2007 begann die Flächenmalerin neben ihrem Job die Ausbildung zur Gastronomin und schloss an der Abendschule schliesslich mit dem Wirtepatent ab. Danach arbeitete sie bei zwei Berner Restaurants im Service. Im Mai 2011 landete Berenice Dürig über persönliche Beziehungen schliesslich im Restaurant Du Nord, einem bekannten Lokal in der Bundesstadt. Dort schaltet und waltet sie seither als Leiterin des Restaurationsbetriebs.
Malen und bewirten. Baustelle und Beiz. Unterschiedlicher können zwei Tätigkeitsgebiete wohl kaum sein. Oder etwa doch nicht? Berenice Dürig schmunzelt und meint: «Ich liebe beide Berufe. Mit Herzblut bringt man bei beiden etwas zustande, das alle Beteiligten freut: eine tolle Atmosphäre!»
Christian Werder
Erstellt: 20.12.2011, 08:36 Uhr
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