Fotografieren gegen die Schmerzen
Von Franziska Zaugg. Aktualisiert am 30.06.2011
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«Ich wusste gar nicht, dass Ameisen so schnell gehen können», sagt Sylvia Mösching. Sie habe es dann aber noch geschafft von diesen Tieren die ihren Spazierweg kreuzten, einen «Schnappschuss» zu machen. Die 51-Jährige ist eine leidenschaftliche Hobby-Fotografin. Sie macht sich fast täglich mit ihrer Digitalkamera auf die Jagd nach Sujets aus der Natur. Sylvia Mösching ist in Oey im Berner Oberland zu hause. Weilt zur Zeit jedoch einige Wochen zur Kur im Engadin, nicht das erste Mal. Seit drei Jahren kämpft sie gegen starke Schmerzen im Knie. Dies seit ihr wegen fortgeschrittener Arthrose ein künstliches Kniegelenk eingesetzt worden ist. «Fotografieren lenkt mich von den Schmerzen ab und zwingt mich, mich auf etwas anderes zu konzentrieren», sagt sie. Leserbilder für das Forum zu machen, hat sie darum zu ihrer neuen Aufgabe erklärt.
Zur Langsamkeit gezwungen
Das kranke Knie zwingt Syliva Mösching langsam zu gehen. Immer wieder Pausen einzulegen. Die nutzt sie, um durch die Linse ihrer Kamera zu blicken und im passenden Moment auf den Auslöser zu drücken. Sie ist froh, wenn sie das Haus verlassen kann, sofern die Schmerzen es zulassen. «Oft ist es so schlimm, dass es ohne starke Mittel nicht geht.» Dann müsse sie daheim bleiben, sich ausruhen und ablenken. Das ist dann die Zeit, die sie am PC verbringt und ihre Fotos bearbeitet, auswählt und sie als Leserbilder ans Forum mailt.
Jahrelang haben sich Sylvia Mösching und ihr Mann dem «Vierkampf» gewidmet. Fechten, Schiessen, Laufen, Schwimmen, «eine tolle Zeit, die nun vorbei ist», sagt sie. Mit den beiden Töchtern waren sie auch oft in den Oberländer Bergen unterwegs. Die plötzliche Umstellung nach der Operation, nicht mehr so aktiv wie früher sein zu können, belaste die Psyche von ihr und auch ihrem Mann. Um so wichtiger sei es für sie einen Zufluchtsort wie Zuoz im Engadin gefunden zu haben. Daheim in Oey habe sie die Natur zwar auch vor der Haustüre. «Es ist aber nicht dasselbe. Hier werde ich an die veränderten Umstände erinnert und sollte Hausarbeit erledigen, was mir im Moment sehr Mühe bereitet», sagt Sylvia Mösching. Hinzu kommt, dass sie nicht weiss, ob sie jemals schmerzfrei leben könne und ob noch eine Operation ansteht. Steigen solche Gedanken in ihr auf, packt sie den Fotoapparat und macht sich auf in die Natur. Egal bei welchem Wetter. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.06.2011, 14:30 Uhr
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