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Es gab auch Licht in dunklen Zeiten

Von jho. Aktualisiert am 21.11.2011

Bei Pflegeeltern aufzuwachsen, konnte ein Glück sein. Das schreiben Leserinnen und Leser, die in Ersatzfamilien gross wurden. Sie wollen das Bild von den tragischen Verdingkinderschicksalen korrigieren.

Post von Zeitzeugen

Themenseite Sämtliche Zuschriften zum Thema «Leben in Pflegefamilien» zu publizieren, würde den Rahmen der Leserbriefseiten sprengen. Die Redaktion hat sich deshalb dazu entschlossen, einige Geschichten von früheren Verdingkindern auf einer separaten Seite zusammenzufassen. Diese wird am Montag, 28.November, unter der Rubrik «Leben» in dieser Zeitung erscheinen. jho

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Damit hatten wir nicht gerechnet: Leserinnen und Leser breiten ihre Lebensläufe vor uns aus. Inzwischen liegen zwei Dutzend sehr persönliche Geschichten auf unseren Schreibtischen.

Ausgelöst wurde die Papierflut durch Monika Seiler aus Uetendorf. Nachdem sie den Film «Der Verdingbub» gesehen hatte, schrieb sie, es müsse doch auch Menschen geben, die bei ihren Pflegeeltern eine glückliche Kindheit verbringen durften. Daraufhin lancierten wir einen Aufruf und baten ehemalige Verdingkinder, uns ihre Erlebnisse zu schildern. Seither erhalten wir jeden Tag Postkarten, Briefe und Mails von Betroffenen.

Liebe und Dankbarkeit

Auch wenn sich keine Erzählung gleich liest wie die andere – in einem Punkt ähneln sich die Reminiszenzen verblüffend: Sie sind geprägt von Dankbarkeit, Zuneigung, Liebe – und viel Verständnis für die wirtschaftlich oft schwere Lage der Ersatzväter und -mütter. Vorwürfe werden den Pflegeeltern nicht gemacht – im Gegenteil: «Ich wurde sehr liebevoll aufgenommen. Das Essen war reichlich und gut. Ich hatte mein eigenes Zimmer mit Sitzofen», schreibt, zum Beispiel, Rosmarie Wälti-Held aus Wichtrach.

«Vollwertiges Mitglied»

«Nicht alle Verdingkinder wurden geschlagen und ausgenutzt», fasst Marie Dubach aus Utzenstorf zusammen. Sie erinnert sich daran, dass sie auf dem Hof, auf dem sie aufwuchs, «viele Freiräume» genoss. Als vollwertiges Mitglied der Pflegefamilie habe es sie «sehr geschmerzt», wenn sie von Fremden als Verdingkind bezeichnet worden sei.

Die Mitarbeit im Haus und auf dem Hof gehörte für die Pflegekinder zum Alltag. Von «Ausbeutung» oder «Missbrauch» könne zumindest in ihrem Fall jedoch nicht die Rede sein, schreiben die Zeitzeuginnen und -zeugen übereinstimmend.

Manche stören sich zunehmend daran, dass die Zeit der Verdingkinder in Reportagen, Büchern und, wie seit kurzem, auch auf der Kinoleinwand in so dunklen Farben gemalt wird. «Es hat in der fraglichen Zeit Tausende von Pflegefamilien gegeben, die bereit waren, arme Kinder aufzunehmen und ihnen ein schönes, unbeschwertes Leben zu bieten. Von ihnen spricht heute niemand. Man hat sie vergessen», schreibt ein ehemaliger Verdingbub. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.11.2011, 16:55 Uhr

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