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Aus dem simplen SMS entstand ein Verleih für Stubenwagen

Von Ursula Grütter. Aktualisiert am 24.05.2011

Leserporträt. Therese Auderset aus Liebistorf FR liest regelmässig die SMS-Meldungen im «Forum». Letztes Jahr hat sie selber eine Kurznachricht publizieren lassen. Mit ungeahnten Folgen: Heute betreibt sie einen Stubenwagenverleih.

Freude an den restaurierten Stubenwagen: Therese Auderset  mitten in ihrem «Reich».

Freude an den restaurierten Stubenwagen: Therese Auderset mitten in ihrem «Reich».
Bild: Iris Andermatt

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Therese Auderset mag alte Sachen. Die beiden Stubenwagen, welche seit Generationen im Haus der Familie stehen, hätte sie nie weggegeben. Sie suchte gar nach einem weiteren Gefährt. «So hätten wir auf jeder Etage einen fahrbaren Schlafplatz für ein Grosskind gehabt», sagt sie. Angeregt durch die SMS-Aktionen auf der «Forum»-Seite dieser Zeitung, gab sie letzten Frühling eine Suchmeldung auf. Sie hoffte auf einen hübschen Stubenwagen, den sie restaurieren und nach eigenem Gusto gestalten könnte.

Es kam anders. «Am Tag, als das SMS in der Zeitung stand, klingelte das Handy ununterbrochen», erinnert sich die 59-Jährige. Alle wollten Frau Auderset einen Stubenwagen schenken. Sie war überwältigt. Am Abend hatte sie zwanzig Angebote und ein Problem: Sie mochte niemandem einfach so absagen. Schnell war die Idee zu einem Stubenwagenverleih geboren. «Mein Mann zeigte sich mässig begeistert», sagt Therese Auderset. Doch das Ehepaar konnte sich einigen, und die Bäuerin und Hausfrau holte sechs Stubenwagen. Die meisten Leute, die Auderset angerufen hatten, waren im Rentenalter. Ihre Kinder und Grosskinder zeigten kein Interesse an den altehrwürdigen Gefährten, und so stand manch ein Exemplar im Estrich.

Vielseitig und kreativ

Therese Auderset ist eine Städterin, das merkt man noch heute. Aufs Land ist die Lehrerin aus Liebe zu ihrem Mann gekommen. Und bei all ihrer Arbeit auf dem Bauernhof hat sie immer wieder ihre kreative Seite eingebracht. Zuerst säte sie Trockenblumen und fertigte daraus Kränze, Bilder und Sträusse. Später verkaufte sie Frischblumen und lieferte sie für Hochzeiten und in Gasthöfe. «Dann nahm es mir den Ärmel beim Nähen herein», sagt Auderset lachend. Und sie verrät: «Näherinnen tragen jedes Jahr zwei Termine für Reisen nach St.Gallen in ihrer Agenda ein.» An diesen Daten gibt es bei Fabriklagerverkäufen edle Stoffe zu bescheidenen Preisen. Aufwendige Handarbeit

Stoffe aus Baumwolle hat Auderset «beinahe kilometerweise» gekauft, wie sie sagt. Dazu viel Spitzen und Bänder. Daraus sind kleine Fixleintücher, Drapierungen für die Innenwände der Stubenwagen sowie Bordüren geworden. Ihr «Wagenpark» ist inzwischen auf elf Exemplare angewachsen. Sie hat die Korbgeflechte mit Schmierseife gewaschen, schadhafte Stellen ausgebessert und mit Hilfe ihres Mannes fehlende Vorhangstangen montiert. Auch vor Gängen in eine Schaumstofffabrik schreckte sie nicht zurück: «Nur so war es möglich, die Matratzen in die unterschiedlichen Stubenwagen perfekt einzupassen», sagt sie. Die Mutter von zwei Kindern hat zudem darauf geachtet, dass zu jedem Wagen genügend Bettwäsche und etliche Kissenschoner zur Verfügung stehen. «Ich hatte einen ‹Chötzli›, und seither weiss ich, wie häufig einige Mütter die Bettwäsche wechseln müssen», erklärt sie.

Trotz der anfänglichen Skepsis hat schliesslich die ganze Familie bei der Entstehung des Stubenwagenverleihs geholfen. Auderset liess zudem eine Homepage erstellen. Jetzt hofft sie auf viel Kundschaft. «Ich kann einiges, aber etwas zu verkaufen, das liegt mir nicht», sagt sie. Doch für den Verleih habe sie nun gelernt, die Werbetrommel zu rühren. Ihre Stubenwagen mit märchenhaften Namen wie «Frau Holle» und «Hans im Glück» finden bei den ersten Kunden jedenfalls Anklang.

Informationen unter www.mietstubenwagen.ch oder unter 026 6741933. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.05.2011, 16:49 Uhr

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