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Wer ist Ibrahim Antar?

Von Andreas Seiler. Aktualisiert am 28.06.2010

Zum zweiten Mal bin ich Gast bei Mario Minerva im Coiffeursalon «Immagine» in Bümpliz. «Diese Frisur sieht noch gar nicht nach Schneiden aus», stelle ich gegenüber dem 8. Gast für «spontane Gespräche» fest.

Kritischer Blick zur neuen Frisur: Ibrahim Antar bei seinem Lieblingscoiffeur Mario Minerva in Bümpliz.

Beat Mathis

Von James Dean, Autos und Libanon. (Andreas Seiler)

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Gespräche beim Coiffeur

Alle zwei Wochen porträtiert die Forum-Redaktion Menschen wie dich und mich bei einem spontanen Gespräch auf dem Coiffeurstuhl. Nicht nur das Leben der Porträtierten in seiner Fülle ist von Bedeutung, sondern auch Momentaufnahmen, die Gefühle beim Coiffeur, die Frisur, der Stil, die tägliche Form oder auch Freude und Probleme im Alltag – alles, was der befragten Person während des Talks so «über die Leber kriecht». Der ausführlichere Talk kann jeweils als Video angeschaut werden auf: www.coiffeur.bernerzeitung.ch.

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«Sieht aus wie James Dean, gell», unterbricht mich der Mann sofort. «Ich muss. Ich bin einfach süchtig nach Mario», witzelt er weiter. «Ich komme alle drei Wochen mal zu ihm», meint er und wird ernst. «Ich kenne ihn jetzt schon seit 18 Jahren. Es ist einfach Gewohnheitssache. Ich fühle mich wie zu Hause bei ihm.» Der da spricht, heisst Ibrahim Antar und ist 40-jährig. Er führt im Liebefeld ein Geschäft mit Occasionautos. «Mit dem Velo bin ich heute nicht gekommen. Als Autoverkäufer fährt man Auto.» Neben Frauen sei dies seine grosse Leidenschaft.

Mit 17 Jahren ist Ibrahim Antar wegen des Bürgerkrieges aus Beirut geflüchtet, allein. Seine Familie ist trotz der Gefahren im Libanon geblieben. Glücklicherweise sei ihnen damals nichts geschehen, erzählt er, nun fern jedes Sprücheklopfens. Aber er besuche seine Mutter noch immer zwei-, dreimal pro Jahr. Vor 20 Jahren ist er von Deutschland in die Schweiz gekommen, wegen einer Frau. Er hat sie geheiratet, und sie haben einen Sohn. Heute sind sie geschieden, und sein Sohn lebt seit sechs Jahren bei ihm.

Wo er wohne, will ich von ihm wissen. In Bern, Breitenrain, antwortet er: «Aber die Adresse muss ich nicht sagen, oder?» Ich versichere ihm, es sei freiwillig, was er bei diesem Gespräch erzählen wolle. Darauf meint er mit einem schalkhaften Seitenblick auf seinen Coiffeur: «Da bin ich so froh. Es ist das erste Mal, dass ich hier von mir erzählen darf. Sonst ist es immer Mario, der ‹laferet›.» «Wir necken uns von jeher», meint Mario Minerva zu dieser Aussage. Ibrahim Antar nickt zustimmend: «Sonst ist das Leben langweilig.»

Sie scheinen gleicher Meinung zu sein. Mario Minerva schneidet flink die James-Dean-Frisur kürzer. Ibrahim Antar setzt sich vor der Kameralinse neu in Pose. Mit seinem Sohn und ihm sei es zu Hause wie mit einem Stürmer und einem Verteidiger. Seine Funktion sei die des Verteidigers. «Ich bin der Gott des Hauses. Ich bin derjenige, der das Sagen hat, und dafür da, meinen Sohn zu verteidigen.» «Und welche Funktion hat der Stürmer?», frage ich. «Mein Sohn räumt auf.» Und im gleichen Atemzug: «Und ich bringe das Essen nach Hause. Ich koche, und meine Freundin kocht.» Das Handy des Verkäufers klingelt. Er schaut kurz auf das Display, sagt: «Es ist nicht so wichtig» und drückt den Anrufer weg. Zurück zum Thema Auto: Wie muss sein Traumauto aussehen? «Bei meinem Auto muss alles zusammenpassen.» Das heisst, Chromfelgen gehören nicht dazu, zu starkes Tuning auch nicht. Ledersitze mag der Fachmann ebenfalls nicht, denn die sind im Sommer zu heiss, und das Leder wird im Alter brüchig. Seine Traumautos sind schwarz und edel. Und am liebsten deutscher Herkunft. Ähnlich wie bei James Dean.

Zum Abschied von Ibrahim Antar erscheinen bei «Immagine» zufälligerweise Marianne Brönnimann und ihr Ehemann – mit einem Teppich, für den Mario Minerva einen Käufer zu haben scheint. Das Geschäft ist tatsächlich Coiffeur, Treffpunkt und Marktplatz in einem (siehe Coiffeurtalk 7).

Mit bestem Dank an: Mario Minerva und Sandra Pellegrino vom Coiffeur «Immagine».

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.06.2010, 16:52 Uhr

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