Vater der Koi-Karpfen
Von Tanja Kammermann. Aktualisiert am 26.07.2010
Taucher per SMS gefunden
Per SMS in dieser Zeitung hat Beat Bögli einen Taucher zum Reinigen des verstopften Teichabflusses gefunden. Am Samstag, 24.Juli, stieg Philipp Martin aus Thun in den circa 1,80 Meter tiefen Teich. Er brauchte
47 Minuten, um das Sieb von Hand von kiloweise Kieselsteinen zu befreien.
Philipp Martin hat es geschafft: Der Abfluss am Grund des Koi-Teiches von Beat Bögli war nach 47 Minuten wieder frei. (Iris Andermatt)
Von vorne ist es ein Haus wie viele andere in Burgdorf an der Dammstrasse. Doch sobald man das Gartentor passiert hat, öffnet sich eine exotische Welt. Viel gepflegtes Grün, da entdeckt man eine Buddha-Statue, dort fliesst ein Bächlein. Das Zentrum des asiatischen Gartens bildet ein Koi-Karpfen-Teich. Obwohl es regnet, glitzern die bis 60 Zentimeter grossen Fische in allen Farben. «Einen Monat habe ich gebraucht, bis das Loch für den Teich ausgehoben war», sagt Beat Bögli. Heute hat er 28 Tiere. «Eigentlich zu viele, aber ich kann mich von keinem einzigen trennen», sagt der 63-Jährige.
Zu seinem ersten Koi-Karpfen kam Beat Bögli aus Not. In einem kleinen Teich hielt er zwei Goldforellen, denen das Wasser zu wenig Sauerstoff enthielt. Er musste sie aussetzen, sonst wären sie verendet. «Dann entdeckte ich in einer Zoohandlung einen Koi und dachte mir, die sind ja noch viel schöner. Zudem sind Kois pflegeleichter als Forellen.» Den zweiten erhielt er als Geburtstagsgeschenk. Vor 4 Jahren gab es erstmals Junge. Seine ältesten Tiere sind nun 12 Jahre alt, und teilweise haben sie etwas an Farbe verloren. Kois können bis 50 Jahre alt werden.
Früher war alles perfekt
Der Garten ist innerhalb der Familie, der seine Frau und seine Tochter mit Familie angehört, sein Reich und auch sein ganzer Stolz. Früher hat er jede freie Minute damit zugebracht, die Büsche mit der Haushaltsschere in die richtige Form zu schneiden. In japanischen Gärten sei alles rund, von den Büschen bis zu den Gartenplatten. «Ich konnte den Garten stundenlang hegen und pflegen, und ich liebte es», sagt Bögli. Der Garten sei gewesen «wie geschleckt». Heute erledigt er die Arbeiten mit einer elektrischen Schneidemaschine am Samstagmorgen. Mehr geht nicht mehr. Vor 4 Jahren mussten ihm die Ärzte einen bösartigen Tumor auf der Hauptschlagader herausoperieren. «Durch die anschliessende intensive Bestrahlung wurden meine Muskeln am Hals derart verbrannt, dass sie bis heute nicht mehr zusammengewachsen sind», erklärt er.
Weniger Zeit für den Garten
Nicht nur um seinen geliebten Garten kann er sich seither weniger kümmern. Er musste auch seinen Beruf als Wirt aufgeben und sein Lokal verpachten. «Ich kann seit der Operation nur noch 50 Prozent arbeiten, und auch der Garten leidet darunter. Aber heute kann ich den Fünfer auch mal gerade sein lassen.» Seit dem Krebs ist der gebürtige Burgdorfer am liebsten zu Hause. In Japan war Beat Bögli nie, und auch sonst hat er kaum Bezug zu Asien, trotzdem hat es ihm die Kultur angetan. Auch seine Koi-Fische kommen aus Japan. Dort hätte der eine oder andere beinahe das Zeug zum Star. «Die Zeichnung einer meiner Fische gleicht der japanischen Flagge, doch der Punkt vorne auf dem Kopf ist eckig statt rund. Für einen Perfekten würde ein Japaner viel Geld zahlen.» Koi-Karpfen laichen jedes Jahr. Vielleicht wird in Burgdorf irgendwann doch noch ein Star geboren. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.07.2010, 17:51 Uhr



