Seine Leidenschaft ist das Mühlespiel
Weltmeister, Europameister, Schweizer Meister: Markus Schaub hat während Jahren die Mühlespiel-Szene dominiert. Seit zwei Jahren bestreitet der heute 59-jährige Berner keine Turniere mehr. (Bild: Beat Mathys)
Zwei Grossanlässe
Am Samstag finden in Flühli/Sörenberg LU die Schweizer Meisterschaften statt, am 17./18.April in Neufahrn bei München die Europa-Meisterschaften. Weitere Informationen unter:
www.muehlespiel.ch
www.muehlespiel.eu
«Ich verliere nicht gerne, also hatte ich zwei Möglichkeiten: entweder aufhören oder besser werden als alle anderen.» Markus Schaub entschied sich vor über 30 Jahren für die zweite Variante. Mit Erfolg.
Vom Bärenplatz
Aufgewachsen ist der heute 59-Jährige in Davos. Im Bündnerland deutete noch nichts darauf hin, dass Markus Schaub einmal als «Superhirn» oder «Herr der Mühlen» Schlagzeilen machen würde. Seinen ersten Pokal gewinnt er als Fussballspieler, und die wichtigsten Farben in seinem Leben sind Gelb und Blau, die Klubfarben des HC Davos.
Mittlerweile wohnt Markus Schaub seit über 35 Jahren im Kanton Bern. Seit knapp vier Jahren in der Hauptstadt, unmittelbar hinter dem Kursaal, zuvor in Ostermundigen. Die Liebe zum HCD ist geblieben, doch im Bernbiet dominierten schon bald zwei weitere Farben das Leben von Markus Schaub, nämlich Schwarz und Weiss, die Farben der Spielsteine beim Mühlespiel.
Alles begann im Sommer 1977 auf dem Bärenplatz in Bern. Markus Schaub spielte seine erste öffentliche Partie «Nünizieh» gegen eine Lokalmatadorin – und verlor mit 0:6. Als er einen älteren Spieler um Rat fragte, wollte ihm dieser zuerst nicht helfen. «Es war wohl ein Wink des Schicksals, dass wir beide mit Magenproblemen zu kämpfen hatten», erinnert sich Schaub, und weiter: «Ich hatte Tabletten, die er ohne Rezept in der Apotheke nicht bekam.» Der Tausch Wissen gegen Medikamente trägt Früchte. Die aufgezeichneten Skizzen studiert Schaub die ganze Nacht, übt fleissig Spielzug um Spielzug, ehe er tags darauf auf dem Bärenplatz wieder spielt. Die Gegnerin ist die gleiche, das Resultat ein anderes: Schaub gewinnt mit 2:1.
... nach Hutton-le-Hole
Es war dies der Startschuss zu einer unglaublichen Karriere. Schaub ordnete in der Folge dem Mühlespiel alles unter. Nach der Arbeit, Schaub ist seit über 35 Jahren für die Spar- und Leihkasse Bern, der heutigen Valiant Bank, tätig, verbrachte er seine Freizeit stets Mühle spielend auf dem Bärenplatz, «damals mein zweites Zuhause», so Schaub. Nach Hause ging er jeweils erst mit dem letzten Bus, um dann nachts noch stundenlang über seinen Notizen zu brüten und neue Spielsysteme auswendig zu lernen. Nicht ohne Erfolg. Schaub war einer der Pioniere des Mühlespiels in der Schweiz. Schon bald folgten die ersten Turniersiege. 1978 war er Mitbegründer des Mühlespielvereins Bern. Bereits 1992 erreichte er den Status eines Grossmeisters. Bis heute ist Markus Schaub einer von nur vier Mühlespiel-Spielern mit dieser Auszeichnung. Ein Titel auf Lebzeiten, «den nehme ich mit ins Grab», sagt Schaub. Und weil seine beiden Vorgänger einen Schnauz trugen, vereinbarte Schaub mit ihnen, dass er sich auch einen Schnauz wachsen lasse. Und diesen trägt er auch heute noch voller Stolz.
Den Höhepunkt aber erreichte seine Karriere 1995. Damals nahm erstmals eine Schweizer Delegation an den jährlich stattfindenden Weltmeisterschaften in Hutton-le-Hole teil. Für das kleine verträumte «Dörfchen» im Nordosten Englands das Ereignis des Jahres. Schaub erinnert sich, als wäre es gestern gewesen: «Es wurde eine Pressekonferenz einberufen, die Kinder hatten schulfrei, und die Musikgesellschaft übte während einer Woche fleissig die Schweizer Hymne.» Nicht umsonst. Am Schluss stand Markus Schaub zuoberst auf dem Podest, als erster Nicht-Engländer. Als Belohnung gab es 100 Pfund und ein geschnitztes Mühlespielbrett mit eingeklebter, viereckiger Medaille. Später ergänzte Schaub seine Sammlung mit dem Europa- und dem Schweizer-Meister-Titel (2000).
Über 100 Siege
Stolz zeigt Schaub in seinem Atelier in der Stadt Bern Fotos aus vergangenen Zeiten. Auch sämtliche Pokale und Zertifikate sind hier ausgestellt, zudem hat er sich eine HCD-Fan-Ecke eingerichtet. Hier verbringt Markus Schaub fast mehr Zeit als in seiner eigentlichen Wohnung in Ostermundigen. «Ich habe sogar die Postadresse ändern lassen», sagt er schmunzelnd. Mittlerweile bestreitet der 59-Jährige keine Turniere mehr. Nach über 100 Siegen beendete Schaub seine grossartige Karriere vor zwei Jahren. «Ich war dem Druck, den ich mir immer wieder selbst auferlegt habe, nicht mehr gewachsen, physisch und psychisch konnte ich nicht mehr», erinnert sich Markus Schaub. «Der Gesundheit zuliebe», wie er sagt, beendete er seine Karriere von einem Tag auf den anderen.
«Ich habe alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt», sagt Schaub stolz. Seine tolle Karriere habe er Gott zu verdanken, «er hat mir das nötige Talent gegeben». Mit diesem Talent bildete Schaub während seiner Karriere zahlreiche Spieler aus, die später und zum Teil immer noch zur internationalen Spitze gehören. «Ich war auch immer froh, wenn mir geholfen wurde, also wollte ich den Jungen auch etwas von meinem Wissen weitergeben», so Schaub.
Auch noch andere Hobbys
«Ich will der beste Spieler der Welt werden», sagte Schaub bereits früh. Erst als er dies erreicht hatte, nahm er sich auch wieder etwas mehr Zeit für andere Freizeitbeschäftigungen. Insbesondere für die Jazzmusik. Den US-Amerikaner Red Nichols bezeichnet er als sein Idol, ihm widmete er viel Zeit. Zahlreiche rare Schallplatten sind in seinem Besitz, auch moderierte er während Jahren eine Jazzsendung fürs Radio. Heute geniesst er freie Tagen am liebsten bei einem Ausflug mit der Rhätischen Bahn im Bündnerland, oder er pflegt sein Atelier «Mühlestein», in welchem er auch Modelleisenbahnen ausgestellt hat. «Heute kann ich auch einmal zwei, drei Wochen sein, ohne einen Gedanken an das Mühlespiel zu verlieren», sagt er. Das kauft man ihm allerdings nur schwer ab, denn wenn er von seiner Karriere erzählt, ist er mit Herzblut dabei und kaum noch zu stoppen. Klar, Markus Schaub hat auch viel erlebt, oder wie sagt er es selber so schön: «In Amerika wäre meine Lebensgeschichte längst verfilmt worden».
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.03.2010, 11:42 Uhr



