«Radio ist ein tolles Medium!»
Von Christian Werder. Aktualisiert am 03.05.2010
Infobox
Ausgezeichnetes Projekt
Das Seniorenradio Silbergrau wurde vor rund zehn Jahren mit Unterstützung des Museums für Kommunikation und der Pro Senectute ins Leben gerufen. Das Medienprojekt wurde unterdessen vom nationalen Weiterbildungswettbewerb sowie der Oekonomischen und Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Bern für seine Aktivitäten ausgezeichnet. Die Beiträge des Seniorenradios werden seit 2005 regelmässig (jeweils an einem Dienstag plus eine Zweitausstrahlung am übernächsten Sonntag) auf Radio Rabe übertragen. Finanziert wird das Projekt in erster Linie durch Mitgliederbeiträge.
Nächste Sendung: Dienstag, 11.Mai,
17 Uhr, auf Radio Rabe.
Weitere Informationen unter
www.silbergrau.ch
«Bitte Ruhe! Radio-Aufnahmen. Danke. Radio Silbergrau.» So stehts auf einem Zettel an der Tür im ersten Untergeschoss der Liegenschaft Schaufelweg 33 in Schliern/Köniz.
Die Tür wird geöffnet. Im karg eingerichteten Raum erblickt man zwei Computerbildschirme, einen Drucker, einen Mikrofonständer, zwei Pulte, einen Tisch mit sechs Stühlen, einen Schrank und einige Bücher. «Jaja, es sieht halt alles etwas behelfsmässig aus hier. Nicht wie in einem wirklich grossen Aufnahmestudio. Aber unseren Ansprüchen genügts durchaus.» Christian Rupp lächelt, setzt sich und schenkt Mineralwasser in die bereitgestellten Becher.
Seit 2003 ist Rupp Präsident des Vereins Seniorenradio Silbergrau. Vor zehn Jahren wurde das Projekt mit aktiver Unterstützung des Museums für Kommunikation und der Pro Senectute ins Leben gerufen. Ziel war und ist es, eigene Beiträge zu produzieren und auszustrahlen, welche insbesondere die ältere Generation interessieren.
Bei Radio Rabe auf Sendung
2001 wurde eine erste Sendung vom früheren Berner Lokalradio Förderband ausgestrahlt. Später gabs Beiträge im Oberländer Radio BeO – und seit rund fünf Jahren kann man Radio Silbergrau monatlich für eine Stunde auf der Frequenz des Berner Alternativsenders Rabe hören. «Es ist wirklich toll, dass wir hier einen Sendeplatz haben. Aber es wäre natürlich noch toller, wenn wir ebenfalls in anderen Radiostationen präsent sein könnten», meint der 69-Jährige. Aber eben: Es sei halt schwierig, ein solches Spartenprogramm irgendwo unterzubringen. Kommerziell sei das eben nicht wirklich interessant.
Von Politik bis Gesundheit
«Jä nu.» Klagen mag Christian Rupp nicht. Ganz und gar nicht. Der pensionierte VBS-Bundesbeamte hat Freude an seinem Freiwilligenjob beim Rentnerradio. «Ich finde, Radio ist einfach ein tolles Medium! Und wir haben eine aufgestellte und motivierte Crew.» Eine Crew, die aktuell aus rund 30 Männern und Frauen im Alter zwischen 65 und 82 Jahren besteht. Fachliche Unterstützung bekommen sie regelmässig von ehemaligen oder noch aktiven Radioprofis. Einmal pro Monat gibts eine grosse Redaktionssitzung. Gesendete Beiträge werden kritisiert und neue Themenvorschläge diskutiert.
Themen aus den verschiedensten Bereichen: Politik, Gesundheit, Kultur, Reisen, Freizeit und so weiter. Und wenn die Themen gesetzt sind, gehen die Hobbyreporterinnen und -reporter auf die Piste. Realisation, Moderation und Schnitt erfolgen schliesslich in Schliern. Dort wird alles auf CD gebrannt und danach ins Studio von Radio Rabe transportiert. Sport und News fallen in der Regel weg. «Da können wir natürlich nicht mithalten. Die Tagesaktualität müssen wir den Profis überlassen», lacht Christian Rupp.
Grosses Engagement
Rund zehn Stunden pro Woche engagiert sich Rupp im Verein für dieses schweizweit einzigartige Pionierprojekt. Eigene Sendungen produziert er nicht. Er ist in erster Linie zuständig für das Organisatorische, Korrespondenz, Kontaktpflege zu verschiedenen Institutionen sowie für den Internetauftritt. «Da liegen meine Stärken», betont er.
Und für den zweifachen Grossvater, Hobbyfotografen, Klassik- und Jazzfan steht bei Silbergrau eine Sache ganz weit oben: «Wirklich wichtig bei dem Projekt ist doch einfach, dass 30 Senioren so etwas durchziehen. Das macht Spass!» Wer will da widersprechen?
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.04.2010, 18:51 Uhr



