Nur wer übt, wird ein Meistertrompeter
Von Claudia Salzmann. Aktualisiert am 18.02.2010
Am Ueben: Ein Tag Pause bedeute zwei Tage Stillstand... (Bild: Iris Andermatt)
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Konzert auf der Münsterplattform: F-Impuls, 18.Februar 2010, um 20 Uhr, Guggenmusik Pläfä Fleglä. Eintritt frei.
Mit elf Jahren hat Erich Marti seine erste Liebe entdeckt, die Liebe zur Trompete. Gemeinsam mit den Grosseltern schaute er am TV die Sendung Musikantenstadel. Er sah zum ersten Mal einen Trompeter und wusste sofort: «Ich will auch so sein wie er.» Doch zu Beginn übte Erich selten. Erst beim vierten Lehrer machte es «klick». Der junge Musiker steckte sich ein hohes Ziel: Er wollte in den Verband Bernischer Jugendmusik (VBJ), einer Auswahl junger Musikanten aus dem ganzen Kanton Bern. Ohne Fleiss kam niemand in den VBJ, doch der mittlerweile 16-jährige Erich Marti bestand die Prüfung beim zweiten Anlauf. Nun spielt er seit sieben Jahren im VBJ. Daneben spielte der Kirchlindacher acht Jahre in der Dorfmusik, bis ein Generationenkonflikt den Verein in eine Krise stürzte. Durch eine Bekannte fand er einen Verein in Wünnewil-Flamatt, einen Musikverein der ersten Stärkeklasse. Plötzlich war er nicht mehr auf dem Posten der ersten Trompete, sondern musste vermehrt üben. Er spielte nicht nur in der Dorfmusik, sondern machte auch in der Militärmusik mit. Bei der militärischen Aushebung war schnell klar, was er wollte. Sein Musiklehrer winkte ab – doch er sollte sich täuschen. Alles ging glatt, Erich Marti wurde in die Militärmusik aufgenommen. Während 15 Wochen hiess das: Er war Berufsmusiker mit militärischem Drill, Registerproben und Gesamtproben, daneben gab es Sporteinsätze und Sanitäterübungen.
Üben, üben, üben
Er sei nicht einer, der stillstehen könne, erzählt der mittlerweile 28-Jährige. Noch während seines Studiums in Betriebswirtschaft fing Marti eine Ausbildung am Konservatorium in Freiburg an, bei dem er in drei Jahren ein Amateurzertifikat in Trompete erwirbt. Einmal wöchentlich besucht er für rund eine Stunde den Unterricht und übt täglich zu Hause eine Stunde. Gerade mal einen Tag Pause pro Woche gönnt er sich, denn für jeden Tag Pause muss man zwei Tage einrechnen, um wieder den gleichen Level wie vor dem Unterbruch zu erreichen. Diese Weisheit gab ihm sein aktueller Musiklehrer mit auf den Weg, und Erich Marti hält sich daran. Heute sei es nicht mehr so schlimm, aber früher sei die Musik an erster Stelle gestanden. «Sogar vor meiner damaligen Freundin.» Doch er verbringt auch heute noch viel Zeit mit der Musik: Montags fährt er nach Freiburg zum Unterricht am Konservatorium, am Dienstag probt er mit der Pfarreimusik Wünnewil-Flamatt, am Mittwoch spielt er in der Guggenmusik «Pläfä Fleglä», einer bekannten Berner Guggenmusik. Der Donnerstag ist sein trompetenfreier Tag, wenn auch der einzige der ganzen Woche.
Kein Brotberuf
Nach dem Abschluss des Amateurzertifikates könnte Erich Marti prüfungsfrei ein Trompetenstudium am Konservatorium in Freiburg beginnen und Berufsmusiker werden; das will er jedoch nicht. «Das Leben eines Trompeters ist hart und kann brotlos sein. Nur die Allerbesten erhalten eine feste Stelle in einem Orchester. Ein eigenes Ensemble ist ebenfalls enorm schwierig, wenn man davon leben will, genauso wie als Solist. Als Musiklehrer findet man wohl am ehesten noch eine Stelle, doch das sei nicht immer ein Traumjob. Man merke genau, welche Kinder freiwillig da seien und wer von den Eltern geschickt wurde.
Er übt sein Trompetenspiel gleich nach der Arbeit in seiner Wohnung in Bethlehem. «Nach einem langen Arbeitstag braucht das Disziplin», erklärt der Betriebswirt. Doch wenn es gut laufe, vertreibe es jede schlechte Laune. Ohne Dämpfer übt er nie. Die Nachbarn hätten gar keine Freude an ihm. Als er frisch eingezogen war, hat er seine Nachbarschaft auf ihre Lärmempfindlichkeit getestet. Nach kurzer Zeit haben sie bereits aus der oberen Wohnung geklopft. «Wie Hansjakobli und Babettli im Lied von Mani Matter», lacht Marti. Das Üben mit dem Dämpfer ist anders, nicht nur ermüdet man wegen des stärkeren Widerstands schneller, auch Klang und Intonation leiden darunter. Nun habe er die Schulhäuser in der Umgebung angefragt, ob er abends ein Stündchen die Räumlichkeiten benutzen dürfe. So darf sich niemand wundern, sollte er an einem Schulhaus in Bethlehem vorbeigehen und Trompetentöne hören, es könnte Erich Marti sein, der für seine Prüfung im Februar 2011 übt. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.02.2010, 08:03 Uhr



