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«Mein Enkel gab den Anstoss»

Von Yvonne Mühlematter. Aktualisiert am 01.03.2010

Um das Hobby von Konrad Dettwiler zu betreiben, braucht es viel Geduld und Feingefühl: Der Könizer hat in den vergangenen sechs Jahren zwei Modellschiffe zusammengesetzt und will damit der Jugend ein Vorbild sein.

Stolzer Erbauer: Konrad Dettwiler und seine über einen Meter lange «Bismarck» aus dem Zweiten Weltkrieg  im Massstab 1:200.

Urs Baumann

Hinter einer Vitrine geschützt, schmückt die getreu dem Original mit vier Schornsteinen nachgebaute «Titanic» seit drei Jahren das Haus der Dettwilers. Noch ohne Glaskasten ausgestattet, präsentiert sich dagegen das im Massstab 1:200 nachgebaute Kriegsschiff «Bismarck», das im Zweiten Weltkrieg während eines Gefechts im Atlantischen Ozean gesunken war. Frisch gestrichen glänzt die 1,25 Meter lange und knapp 18 Zentimeter breite «Bismarck» in Rot, Schwarz und Weiss auf einer Truhe im Esszimmer.

Vorbild für die Jugend

Die Kinder sollen ihre Freizeit nicht passiv vor dem Computer verbringen, fordert Konrad Dettwiler. Als Alternative schlägt der 64-Jährige eine handwerkliche Tätigkeit vor, die Geduld und Konzentration erfordert. Modellschiffebauen erfüllt gemäss dem Könizer diese Kriterien. Um seinem 11-jährigen Enkel Nicolas als gutes Beispiel zu dienen, hat er in den vergangenen sechs Jahren zuerst die «Titanic» und anschliessend die «Bismarck» zusammengesetzt. Zwar war sein Grosskind der Auslöser, für Fahrzeuge im Miniformat interessierte er sich aber bereits als kleiner Junge. Eine Beschäftigung in seiner Kindheit sei ihm bis heute in guter Erinnerung geblieben, erzählt er mit einem Lächeln: Stunden hätten er, sein Bruder und die Kollegen damals mit einem Modellflugzeug gespielt. «Computerspiele kannten wir damals natürlich noch nicht. Um uns zu beschäftigen, mussten wir selbst kreativ werden.» Eine Sache anzupacken, sich dieser dann über einen längeren Zeitraum zu widmen und nicht aufzugeben; diese Werte seien ihm wichtig und möchte er auch Nicolas mit auf den Weg geben. Mit dem Bau der Modellschiffe habe er sich aber auch selbst beweisen wollen, über einen längeren Zeitraum an einem Vorhaben dranbleiben zu können. Wie viele Stunden er in seinem Bastelraum im Keller verbracht hat, kann der ehemalige Verwaltungsmitarbeiter nicht einschätzen. In den letzten Wochen vor der Fertigstellung der «Bismarck» habe er aber täglich bis zu fünf Stunden daran gearbeitet.

Pause vom Schiffbau

Jeden Monat einmal bekam Konrad Dettwiler in den letzten drei Jahren per Post ein Paket mit Material aus Messing und Birkenholz zugeschickt. «Zu Beginn muss der Schiffsbauch zusammengesetzt werden. Dies ist noch relativ einfach. Gegen Ende wird es schwieriger, da es dann um die Details geht.» Zum Befestigen der kleinsten Teilchen, die gerade einmal zwischen drei und fünf Millimeter gross seien, habe er eine Lupe und eine Pinzette zu Hilfe nehmen müssen, berichtet er. Und sagt nicht ohne Stolz, dass dies jeweils sehr viel Fingerspitzengefühl erfordert habe.

Die Frage, ob bereits ein neues Projekt geplant sei, beantwortet er nicht überraschend mit einem Ja. Der Bau eines dritten Modellschiffs ist zwar im Moment nicht vorgesehen, aber aktiv bleibt der umtriebige Rentner trotzdem: Um seinen Modellhelikopter fliegen zu können, will er im Frühling Unterricht bei einem Modellhelikopterpiloten nehmen.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.03.2010, 17:55 Uhr

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