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Märit als Plattform für Gleichgesinnte

Von Claudia Salzmann. Aktualisiert am 31.03.2010

So stellt man sich einen echten Marktfahrer vor: einen Menschen, dem die Stadt zu laut ist und der die Natur liebt; einer, der von Selbstversorgung und einem Leben auf dem Bauernhof träumt Genau das ist Philippe Corneille.

Marktfahrer Philippe Corneille bietet am Handwerkermarkt auf der Münsterplattform in Bern seine Ware feil.

Walter Pfäffli

Info-Box

Philippe Corneille am Handwerkermarkt Bern: 3. April 2010.
Und am Kambodscha-Fest: 5. Juni, in Ottenbach ZH; neben dem Markt gibt es Musik, Tanz und kambodschanische Spezialitäten.

Philippe Corneille ist hart im Nehmen. Das Thermometer zeigt Minustemperaturen, doch er weicht nicht von seinem Marktstand. Jeden ersten Samstag im Monat und an zwei Wochenenden im Dezember findet auf der Münsterplattform der Handwerkermarkt statt, wo vor allem hiesiges Kunsthandwerk feilgeboten wird. An seinen allerersten Markttag kann sich der gebürtige Frauenkappeler noch gut erinnern. Zusammen mit seiner Cousine Katrin Santschi, einem Tisch, zwei Harassen und den Waren fuhr er im Tram quer durch Bern, um zur Münsterplattform zu kommen. Die spartanische Markteinrichtung wurde später erweitert und verbessert. Und sie erhielten ein Zelt gespendet als Schutz gegen den Regen. Den Tisch, auf dem die Ware fein säuberlich ausgelegt ist, hat Philippe selbst gebaut. Der Markttag fängt früh an. Bereits um 7 Uhr ist Philippe Corneille unterwegs nach Bern, um die Marktware einzuladen und Richtung Münsterplattform zu fahren. Jeder stellt seinen Stand nach Absprache mit dem Marktorganisator auf, da Eingesessene einen fixen Platz haben.

Handwerk aus Kambodscha
Seit gut vier Jahren hat Philippe Corneille den Stand. Der 35-Jährige verkauft nicht irgendwelche Waren, sondern kambodschanisches Handwerk. Der Handwerkermarkt ist jedoch für hiesiges Handwerk gedacht. Wie kommt es dann, dass er diese Artikel verkaufen darf? «Die Waren kommen über den Verein meiner Cousine in die Schweiz, ein nicht gewinnorientiertes Schulprojekt, das in Kambodscha Kindern ermöglicht, gratis Englisch zu lernen, die Bedienung eines Computers zu erlernen und die Bibliotheken zu besuchen. Die Leute vom Handwerkermarkt halten dies für ein gutes Projekt und unterstützen uns daher», erzählt der Marktmann. Die Produkte kommen via befreundete Kambodschaner, ehemalige freiwillige Mitarbeiter der NGO oder andere Bekannte in die Schweiz. So könne auch ein fairer Handel sichergestellt werden, und man vertraut einander. Die Seidenschals etwa kommen aus Phnom Srok, einem Dorf im Nordosten Kambodschas. Die ganze Dorfgemeinschaft arbeitet daran. Sie besitzt Seidenraupen, eine Spinnerei und eine Färberei. Von A bis Z werden die Schals dort produziert. Neben Schals werden auch Jupes, Taschen und Gewürze verkauft, die unter fairen Bedingungen hergestellt werden.

Philippe Corneille selber war nie in Kambodscha, da er aus Überzeugung auf das Reisen per Flugzeug verzichtet. «Früher bin ich viel gereist, nach Australien und Neuseeland, bis ich merkte, dass doch nicht jeder nach Lust und Laune herumreisen kann. So geht die Welt kaputt.» Momentan ist er auch ohne Reisen ein viel beschäftigter Mann; neben einer Teilzeitstelle als Elektriker baut er sein soeben erstandenes Bauernhaus in Eriswil um. Das Projekt in Kambodscha möchte er trotzdem einmal zu Gesicht bekommen und schildert, wie man mit der Transsibirischen Eisenbahn nach China fahren und von da via Landweg nach Kambodscha reisen könnte. So seien übrigens auch die Gründerinnen des Schulprojektes «Salariin Kambodscha» nach Südostasien gelangt.

Zukunftspläne
Doch momentan liegen seine Prioritäten bei der Hausrenovation, und für seine Zukunft hat er sich ein Ziel gesteckt: ein Verkaufsnetz für emmentalische Waren aufzuziehen. Bekannte in der Stadt könnten ihn mit dem Einkauf direkt von Bauernhöfen aus dem Emmental beauftragen und abends Spezialitäten wie Biogemüse, Käse und Fleisch geliefert bekommen.
Was Philippe Corneille am Markt gefällt, sind die Menschen. Das typische Marktvolk helfe sich gegenseitig, und es sei schön, sich regelmässig wiederzusehen. Die Münsterplattform ist als eine entspannte, ruhige Insel eine Alternative zum hektischen Samstagseinkauf in der Innenstadt. Philippe Corneille beobachtet von seinem Platz hinter dem Verkaufsstand die vorbeigehenden Marktbesucher. Von Zeit zu Zeit hält jemand inne, und man tauscht sich aus. Einige Stammkunden statten ihm jeden Monat eine Visite ab. Der Markt ist eine gute Plattform für Leute, denen der persönliche Kontakt wichtig ist. Doch nicht nur Kunden und Vereinsmitglieder der Schule kommen vorbei, auch Menschen, die ähnliche Projekte in Afrika und Südamerika betreuen. «Der Austausch mit Gleichgesinnten ist das Beste an allem. Es kann auch sein, dass durch ein Gespräch beim nächsten Markttag fünfzehn Leute wegen der Weiterempfehlung vorbeikommen.» Einmal habe ein Kambodschaner mit ihm gesprochen. Einen Monat später sei er mit seiner ganzen Verwandtschaft aufgetaucht und habe den Stand leer gekauft, erzählt Philippe Corneille, und seine blauen Augen blitzen auf. (Berner Zeitung)

Erstellt: 31.03.2010, 19:03 Uhr

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