Kunst auf den Seiten der Trauer
«Hmm. Der Tod? Der Tod gehört halt einfach zum Leben. So, wie das Abschiednehmen. Einen Kult um den Tod mag ich nicht wirklich.»
Susanne Zweifel lächelt, betrachtet die Zeitungsseite auf dem kleinen Tisch in ihrer Galerie in der Berner Altstadt. Es ist eine Trauerseite, eine Seite mit Todesanzeigen in der BZ. Unter den Anzeigen ein Aquarell in Schwarzweiss. Ein See, Möwen, Wolken. Ruhig, unaufgeregt, besinnlich.
Seit über zehn Jahren beliefert die 61-jährige Künstlerin die «Berner Zeitung» und den «Bund» mit solchen Bildern für die Trauerseiten. Gratis, notabene. Über 60 Aquarelle wurden in dieser Zeit publiziert.
Kreative freie Zeit
Das mit der Malerei begann 1997. Die sieben Kinder des Ehepaars Zweifel aus dem Berner Seeland waren unterdessen flügge, und die ehemalige Werbeassistentin wollte die frei gewordene Zeit möglichst kreativ ausfüllen. «Ich habe schon immer gern gezeichnet und gemalt. Nun war der Zeitpunkt gekommen, diese Leidenschaft zu intensivieren», erzählt sie. Sie bildete sich autodidaktisch weiter und spezialisierte sich auf farblich prägnante, oft abstrakt umgesetzte Werke zu verschiedensten Themen. Auch Reliefbilder mit fossilen Objekten gehören dazu.
Bereits ein Jahr später realisierte Susanne Zweifel ihre erste Ausstellung. Viele weitere sollten folgen. Und die Verkäufe zogen an – nicht zuletzt auch mit Auftragswerken. Seit zweieinhalb Jahren können sie und ihr Mann von den Bildern leben, und seit drei Monaten besitzt die Künstlerin an der Münstergasse 32 mitten in der Berner Altstadt ihre eigene Galerie. Mehrmals in der Woche reist sie nun von Meinisberg nach Bern.
Trost spenden
Parallel zu den grossflächigen Werken pflegte und pflegt sie das figürliche, kleinformatige Malen. Pflanzen, Tiere, Blumen, Landschaftsimpressionen. Und solche Bilder sind es, die seit 1999 regelmässig auf den Seiten mit den Todesanzeigen in der «Berner Zeitung» und im «Bund» erscheinen. «Ich fragte einfach mal bei der BZ nach, ob sich solche Motive für die Trauerseiten eignen würden. Man ermunterte mich daraufhin, etwas einzusenden.» Und so entstand eine mehrjährige Zusammenarbeit. Geld verdient Susanne Zweifel damit allerdings nicht. Doch das stört sie nicht gross.
«Vielleicht können diese Aquarelle auf den Seiten der Trauer ja ein wenig Trost spenden. Dies ist mir Lohn genug», sinniert Susanne Zweifel. Die positiven Reaktionen, die sie regelmässig zu hören bekommt, lassen jedenfalls darauf schliessen.
Weitere Infos unter www.münstergalerie.ch oder www.suzel.ch.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 29.08.2010, 14:48 Uhr



