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Jugendlicher Klangübermut im Studio

Von Andreas Seiler. Aktualisiert am 16.07.2010

Elf Jugendliche der Schülerband SB Eastside aus Boll durften für einen Tag zu Tonmeister Andreas Christen und in seinem Berner Studio professionell drei ihrer Musikstücke aufnehmen – mit einem silbernen Resultat.

Aufmerksamer Zuhörer: Tonmeister Andreas Christen mit den Schülerbandmitgliedern Yves Rubin und Christian Stoll beim Einspielen der Gitarrenspur.

Beat Mathis

Schnuppertag im Rainbow Sound Studio

In einem eintägigen Schnuppertag kann eine (Schüler-)Band bis drei Songs im Studio live einspielen. Anschliessend wird die Aufnahme gemischt und gemastert. Der Tag kostet Fr. 500.-, inkl. 5 Master CDs.

Kontakt: Andreas Christen, Stauffacherstrasse 75, 3014 Bern, Tel. 031 333 90 09 / 079 218 76 60, Mail: info@rainbowmusic.ch

www.rainbowmusic.ch

Zur Person

Andreas Christen betreibt sein Rainbow Sound Studio an der Stauffacherstrasse in Bern bereits seit 15 Jahren. Mit einem Vierspur-Gerät fing er schon als Jugendlicher mit Klangdüfteleien an. Heute können Bands bei ihm ihre Musik auf 24 Spuren oder mit Computerrecording Samplitude 10 Pro bis zu 999 Spuren aufnehmen. Auch bereits bestehende Aufnahmen können digitalisiert und gemastert werden. Der Studio-Chef dazu: «Die Kreativität und die Phantasie der Musiker, welche mit diesen Werkzeugen arbeiten, ist immer noch die Hauptsache und durch nichts zu ersetzen.» Andreas Christen hat neben diversen CD-Produktionen auch für das Freilichtmuseum Ballenberg die Hintergrundbeschallung oder für das Zentrum Paul Klee die Audio Guides in vier Sprachen gefertigt.

Der Tisch ist überfüllt mit PET-Flaschen und Bechern, Sandwichpapieren und Fressalien. Rucksäcke liegen herum, am Boden stapeln sich Gitarrenetuis und E-Bass-Futterale. An den Wänden stehen zwei Congas aus Holz, elektrische Gitarren, Lautsprecher und Kisten. Ein Schlagzeug und ein Klavier beherrschen das Podium auf der Stirnseite des Studios. Kurz, es herrscht ein musikalisch-kreatives Chaos im Raum. Kein Wunder, denn immerhin arbeiten hier elf Jugendliche, singen und spielen, schwatzen und schwitzen im Rainbow Sound Studio an der Stauffacherstrasse in Bern. Die jungen Frauen und Männer sind Mitglieder der Schülerband SB Eastside von der Oberstufe Vechigen in Boll und haben erst vor kurzem an ei-nem entsprechenden Festival im Bierhübeli mit Songs wie «You’re gonna go far kid» von Offspring oder «Häbs guet» von Plüsch Bühnenpräsenz markiert. Nun erfüllt sich die junge Truppe an diesem heissen Tag einen musikalischen Traum: eine professionelle Aufnahme von drei gecoverten Liedern.

Objekt der Begierde
Andreas Christen, der Tonmeister und Besitzer des Rainbow Sound Studio, schafft in diesem jugendlichen Klangübermut Ordnung. Der 58-Jährige gestaltet das Programm des eintägigen Schnupperkurses, den die Schülerinnen und Schüler besuchen dürfen. Bis am Abend sollen die Schülerband und ihre Lehrerin Anna Aeberhard das Resultat in den Händen halten: die sogenannte Master-CD mit den drei fertig aufgenommenen Musikstücken. Bis dahin müssen noch einige Akkorde und Songzeilen eingespielt werden. Anja Blaser, Nicole Tschannen und Noëlle Stucki stehen mit je einem Kopfhörer bestückt vor drei Mikrofonen. Andreas Christen spielt den «Boden» für das neu einzuspielende Musikstück im Tagesplan ein. Der Test zeigt, den drei Sängerinnen sind die Monitoren zu laut. Der Studio-Chef hilft ihnen, die richtige Lautstärke einzustellen. Sobald der Klangmeister vor dem annähernd raumbreiten 36-Kanal-Mischpult sitzt, hört er sich die fleissig geübten Songtexte an, bemängelt hier eine Phrasierung, dort einen falschen Ton. Nach ein paar Versuchen sind die Stimmen «im Kasten».

Keine Fehler erlaubt
Zuvor haben sich die beiden Gitarristen Yves Rubin und Christian Stoll vor das Mischpult zurückgezogen und geduldig Rhythmus eingeübt, um dann ihre Akkorde über den digitalen Soundteppich einzuspielen. Wichtig dabei: Jeder Ton muss sitzen, der Takt exakt sein. Die kleinsten Fehler seien auf der Aufnahme gnadenlos herauszuhören, was während eines Konzertes nicht von Belang sei, meint Schüler(innen)-Coach und Musiklehrerin Anna Aeberhard. «Studioaufnahmen sind beinhart. Es ist brutal, was man raushört. Jeder falsche Ton, jede rhythmische Verschiebung fällt sofort auf.»

Motivierte «Truppe»
Gitarre stimmen, Griffe üben, Gesangsteil repetieren, warten – dies ist der Alltag in einem Aufnahmestudio. Das scheint die jungen Musikerinnen und Musiker jedoch nicht zu langweilen. «Es macht Spass. Wir sind alle sehr motiviert. Deshalb glaube ich, dass auch ein tolles Resultat entsteht», meint Schülerin Anja Blaser dazu. «Ich werde die CD unseren Fans und Freundinnen schenken», ergänzt sie lachend. Kollege Richard Schweizer ist noch unschlüssig: «Vielleicht schenke ich sie meiner Mutter.» In einem sind sich die Bandmitglieder von SB Eastside jedoch einig: Die Silberscheibe wird zu einer Medaille der Erinnerung an einen Tag, den das Leben nicht mehr stiehlt.

SB Eastside sind: Beat Brand (Drums), Melanie Schmitt (E-Bass), Daniel Reinhard/Christian Stoll/Yves Rubin (Gitarren), Richard Schweizer (Piano), Ruth Schmutz (Keyboard), Anja Blaser/Noëlle Stucki/Nicole Tschannen (Gesang) (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.07.2010, 15:45 Uhr

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