«Ich singe nicht nur Liebeslieder»
Von Christian Werder. Aktualisiert am 07.06.2010
Zur Person
Ein Moosseedorfer
Suresh Selvaratnam reiste 1987 als politischer Flüchtling in die Schweiz ein. In Sri Lanka absolvierte der heute 44-Jährige
das Gymnasium und eine kaufmännische Ausbildung. Seit 1988 arbeitet der unterdessen in der Schweiz eingebürgerte Tamile bei der Migros im Shoppyland Schönbühl. Seit 21 Jahren wohnt Suresh Selvaratnam in Moosseedorf. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder im Alter von 16 und 11 Jahren. In seiner Freizeit betätigt er sich als Sänger, Entertainer und Veranstalter. Zudem bewegt sich Suresh Selvaratnam gern in der Natur, liest viel und schreibt lyrische Texte.
Die CD von Suresh Selvaratnam (tamilisch, Titel sinngemäss «Im eigenen Land leben») wurde in Südindien aufgenommen und in der Schweiz produziert. Zu beziehen ist sie über Ponkalaiyakam.swiss, Laupenackerstrasse 4A, 3302 Moosseedorf.
Mit seiner CD: Suresh Selvaratnam ist auch Sänger
und Entertainer. (Bild: Christian Pfander)
Herr Selvaratnam, seit 23 Jahren wohnen Sie unterdessen in der Schweiz. Wie erleben Sie dieses Land eigentlich? Suresh Selvaratnam (überlegt kurz, wiegt den Kopf hin und her): Nun, ich habe wirklich Freude, hier zu leben. Dieses Land bietet eine hohe Lebensqualität. Man kann hier zweifellos ruhiger und sicherer leben als beispielsweise in Sri Lanka. Man muss sich aber auch Mühe geben. Arbeiten, versuchen, sich zu integrieren. Sich engagieren.
Was gefällt Ihnen denn besonders an der Schweiz? Die Gesetze gelten hier für alle Menschen. Die Schweiz ist multikulturell, es gibt keine Zweiklassengesellschaft. Auch das Gesundheitswesen ist gegenüber anderen Ländern vorbildlich. Ja, und dann käme da auch noch die wunderbare Landschaft.
Tönt fast euphorisch. Nichts zu kritisieren? Also schwierig wird es immer, wenn man bauen möchte. Wir Tamilen in der Region möchten schon lange ein eigenes Gebäude für ein kulturelles Zentrum errichten. Aber da gibts immer wieder Verzögerungen. Also müssen wir halt für Veranstaltungen von Tamilen weiterhin Lokale mieten.
Bleiben wir gleich bei der Kultur. Sie sind ja nicht nur Angestellter bei der Migros in Schönbühl. Sie sind auch Sänger und Texter von Liedern in Ihrer tamilischen Muttersprache Ja, das stimmt. Und ich hatte mit meiner Gruppe schon etwa 150 Auftritte in der ganzen Schweiz
Und im letzten Jahr haben Sie auch eine CD aufgenommen. Die tönt sehr fröhlich. Irgendwie nach Gute-Laune-Pop. Sind das alles Liebeslieder? Nein, nein, wo denken Sie hin! Wer unsere Sprache nicht versteht, könnte dies vielleicht vermuten. Aber ich greife oft politische Themen auf. Singe darüber, wie schwierig die Situation in Sri Lanka ist. Ich singe wirklich nicht nur Liebeslieder!
Welche Musik hören Sie den persönlich am liebsten? Melodiöse Songs, Rock, Pop und Hip-Hop.
Keinen Gedanken daran, von der Musik zu leben? (Er lächelt) Doch, das wäre schon toll. Aber vielleicht bin ich halt zu alt dafür.
Sie organisieren auch regelmässig Veranstaltungen für die tamilische Gemeinschaft in der Schweiz und moderieren diese Anlässe. Das ist richtig. Ich bin Präsident des Vereins Aum Sakthi. Es gibt drei Zentren dieses Vereins in der Schweiz. Eines hat seinen Standort in Kirchberg. Der Verein zählt 280 Familien. Da gibts wochenweise Veranstaltungen mit Musik, Tanz, Essen, gemeinsamem Lernen und so weiter.
Haben Sie eigentlich noch enge Kontakte zu Freunden und Angehörigen in Sri Lanka? Nein, leider nicht. Aber das war in den vergangenen über 20 Jahren halt sehr oft auch sehr schwierig.
Und wie sehen Sie Ihre Zukunft? Möchten Sie irgendwann mal zurück in Ihr ursprüngliches Heimatland? Nein, das möchte ich nicht. Ich bin ja unterdessen hier eingebürgert. Ich bin Schweizer. Und ich habe in all diesen Jahren hier meine Wurzeln geschlagen. Auch wenn mein Herz manchmal schmerzt wegen der ganzen Situation: Sri Lanka ist für mich unterdessen sehr weit weg.
Zum Schluss noch drei Fragen zu typisch Schweizerischem. Erstens: Rösti und Bratwurst. (Lacht) Das habe ich wahnsinnig gern. Ich kannte das früher nicht. Das gehört wirklich zur Schweizer Kultur.
Migros. Mein Arbeitgeber. Ein Schweizer Markenzeichen. Eine sehr gute Firma («ich heuchle nicht!»).
Jodeln. Hou, das ist natürlich Schweizer Kultur pur! So was gibt es nirgends sonst.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.06.2010, 15:48 Uhr





