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Familie mit Faible für Elektronik

Von Yvonne Mühlematter. Aktualisiert am 12.03.2012

Mathematische Formeln, physikalische Berechnungen, Elektrogeräte – das ist die Welt von Hansjörg Friedli. Er unterrichtet am Gymnasium Physik und Mathematik, in der Freizeit stellt er Astrouhren und Hornlautsprecher her.

Spannende Kombination: Das Herstellen von Astrouhren (oder Audioanlagen) fordert 
nicht nur den Intellekt, sondern setzt auch handwerkliches Geschick voraus.

Enrique Munoz Garcia

Astro-Uhr und Hornlautsprecher

Der Hornlautsprecher ist ein Verstärker in Schneckenform, welcher besonders gut für die Wiedergabe tiefer Töne geeignet ist. Dieser Lautsprecher eignet sich vor allem für das Abspielen von lauter Musik.

Hansjörg Friedli fertigt die Astrouhren von Hand aus Draht, Holz, Messing und anderen Materialien an. Je nach Modell kann auf einer Astrouhr die Tageszeit sowie die Lage von Sonne und Mond am Sternenhimmel abgelesen werden. Durch eine durchsichtige und drehbare Scheibe können zudem die am Himmel gerade sichtbaren Sterne (im dunkelblauen Oval, siehe Bild) gesehen werden.

Hansjörg Friedli aus Brügg ist ein Denker und Tüftler, der seit seiner Kindheit angefressen ist von elektronischen Gegenständen. In der dritten Klasse baute er sich ein eigenes Radio, als Jugendlicher reparierte er die Fernsehgeräte der Nachbarn. Als Student kreierte er erstmals eine Astrouhr. Gut zwanzig Jahre später erfand der in Toggenburg aufgewachsene Mathematik- und Physiklehrer einen speziellen Hornlautsprecher (siehe Info links). Hauptberuflich unterrichtet der 53-Jährige am Freien Gymnasium Bern und lebt zusammen mit seiner Lebenspartnerin sowie Kindern und Haustieren in einem Haus mit Garten. Im Interview erklärt der Naturwissenschaftler, weshalb ihn die Herstellung elektronischer Geräte fasziniert und wie seine Familie mit seinem Hobby umgeht.

Hansjörg Friedli, woher kommt Ihre Begeisterung für elektronische Geräte?
Hansjörg Friedli: Seit ich denken kann, habe ich gern gebastelt, gerechnet und mich für Technik interessiert. Die grösste Rolle hat mein dreizehn Jahre älterer Bruder, ein Elektromonteur, gespielt. Oftmals brachte er Elektrogeräte nach Hause, die nicht mehr gebraucht wurden. Diese habe ich dann wiederverwertet. Der Erfindergeist liegt übrigens in der Familie. Mein Grossonkel erfand einen automatischen Weidenzaunöffner, mein Cousin eine Mandelpflückmaschine.

Als Student haben Sie die erste Astrouhr kreiert. Wie sind Sie darauf gekommen?
Während des Studiums erwachte meine Freude an der Astronomie. Ich habe mich mit dem Sternenbild, dem Stand der Sonne und den Umlaufzeiten der Planeten beschäftigt. Da reifte in mir die Idee, abstrakte Zahlen und Berechnungen fassbarer zu machen für Leute, die sich nicht den ganzen Tag mit Astronomie beschäftigen. Um die Zusammenhänge am Himmel verständlicher darzustellen, habe ich eine Uhr kreiert, auf der die Lage der Sonne, die Mondphasen und der aktuelle Himmelsausschnitt sichtbar sind.

Seit Ihrem Studium stellen Sie in Ihrer Freizeit für sich selbst oder auf Anfrage Astrouhren, seit gut zehn Jahren Audioanlagen mit Hornlautsprecher her. Wie zeitaufwendig ist ihr Hobby?
Von der Erteilung des Auftrags bis zur Fertigstellung dauert es ein bis zwei Jahre. Wobei ich mich in dieser Zeitspanne aber nicht permanent damit beschäftige. Die Arbeit erfolgt in Wellen, einmal mache ich sehr viel, dann wieder für einige Zeit nichts. Während meines Studiums war das aber noch anders. Als ich meine erste Astrouhr baute, habe ich in jeder freien Minute daran getüftelt. Damit ich auch in der Nacht bohren konnte, habe ich mich manchmal mit der Bohrmaschine unter die Bettdecke verkrochen, um die Nachbarn nicht aufzuwecken.

Was für Leute lassen bei Ihnen Gegenstände anfertigen?
Dies sind ganz unterschiedliche Personen. Daher ist auch jedes meiner Werke ein Unikat; je nach Auftraggeber variiert das Resultat. Für einen Architekten habe ich ein Astrolabium (spezielle Astrouhr) aus Messing und Glas gebaut. Dieses zeigt die von Auge sichtbaren Planeten Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter und Saturn. Die Planeten kreisen dank einer Kurbeldrehung ihren wirklichen Umlaufszeiten entsprechend um die Sonne. Für einen Dirigenten und eine Tanztherapeutin habe ich je eine Audioanlage mit Hornlautsprechern angefertigt, für einen Bildhauer eine Beleuchtung für seinen Brunnen kreiert.

Was sagt Ihre Familie zu Ihrer Leidenschaft?
Meine Lebenspartnerin unterstützt mich, wo immer sie kann. Wenn ich nicht mehr weiterweiss, ist sie es, die mich motiviert und mir hilft, aus einer Blockade herauszukommen. Von meinen sieben Kindern sind fast alle von technischen Dingen fasziniert und handwerklich talentiert. Mein jüngster Sohn Finn (7-jährig, die Redaktion) will Erfinder werden (lacht). Einer meiner drei erwachsenen Töchter habe ich zum Geburtstag eine Schlagbohrmaschine geschenkt, einer anderen eine Kreissäge. Beide haben sich unwahrscheinlich gefreut.

Was fasziniert Sie an Ihrem Hobby?
Mein Hobby deckt alles ab, was ich mag. Wenn ich zum Beispiel einen Hornlautsprecher herstelle, muss ich zuerst physikalische und mathematische Gegebenheiten berücksichtigen und berechnen. Erst wenn ich einen Entwurf habe, kann ich mit der handwerklichen Tätigkeit, also dem Bau, beginnen. Genau diese Kombination aus Denken und Handwerk finde ich spannend. Obwohl ich mich schon seit meiner Jugend damit auseinandersetze, habe ich mich noch nie gelangweilt.

Mehr Infos gibt es unter www.frea.ch (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.04.2010, 08:41 Uhr

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